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Verfasst von: Thomas Sießegger, Unternehmensberater

Bayern-Hilfe!

24.08.2017

22,08 € für eine Stunde in der Hauswirtschaft - das ist zu wenig - doch, was tun?

Vier Lösungsansätze für das bayerische Problem mit der Vergütungsvereinbarung für die "Hilfen bei der Haushaltsführung" und den hauswirtschaftlichen Hilfen im Rahmen des Entlastungsbetrages (Stichwort 125 €)

In Bayern haben Pflegedienste eigentlich ganz gute Vergütungen, was die Pflege und die Betreuung anbelangt. Die Stundensätze liegen hier bei 44,04 € und bei 33,00 €.
Lediglich die Hauswirtschaft (jetzt: Hilfen bei der Haushaltsführung) wurde bei den letzten Vergütungsverhandlungen wohl nicht richtig berücksichtigt warum auch immer?

Insbesondere den nach Tarif zahlenden Trägern und Verbänden ist es nicht möglich, kostendeckend zu arbeiten. Haushaltshilfen sind einerseits sehr nachgefragt, aber die Leistungen der Hauswirtschaft sind gleichzeitig mit den jetzigen Vergütungsvereinbarungen (22,08 Euro pro Stunde) ein Verlustbringer.

Wie können Träger und Pflegedienste damit umgehen?

Vier Lösungsvorschläge:

1.) Limitieren der Haushaltshilfen zum Preis von 22,08 Euro, solange der Preis in Verhandlungen nicht mindestens auf 28 Euro angepasst wird

Haushilfen sollten deshalb im Angebot des Pflege- und Betreuungsdienstes so lange limitiert werden, bis der Preis in Verhandlungen nicht mindestens auf 28 Euro angepasst wird.
Es sollten zunächst keine neuen Mitarbeiter für die Hauswirtschaft eingestellt werden. Es sollten auch keine Kunden mehr versorgt, die lediglich Hauswirtschaft als Einzelleistung haben wollen. Beschränken Sie den Einsatz der Haushaltshilfen weitgehend auf die Pflegekunden.

2.) Hauswirtschaft als Privatzahlerleistung

Ansonsten können Sie Hauswirtschaft (rein theoretisch) möglicherweise auch mit einem höheren Stundensatz berechnen, aber als Privatzahlerleistung.
Dazu müssen Sie die Leistungen aber bitte inhaltlich anders definieren, damit sie nicht 1:1 vergleichbar sind mit denen der "Hilfen bei der Haushaltsführung". Wenn die Leistungen dann nicht über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden können/sollen, besteht also eine zweitbeste Möglichkeit, das derzeit viele übrigbleibende Pflegegeld der Kunden teilweise für die Hauswirtschaft (als Privatzahlerleistung) zu nutzen. Das werden aber Ihre Kunden nicht in großem Umfang annehmen, aber es ist eine Überlegung wert, und eine Option mehr.

3.) Ernsthaft prüfen, ob die Leistungen "Betreuung" und "Hauswirtschaft" gemischt erbracht werden können?

Es gibt Regionen in Bayern, in denen private Pflegedienste die Leistungen "Betreuung" und "Hauswirtschaft" gemischt erbringen. Inhaltlich entsprechen diese Besuche
zu 70% den inhaltlichen Beschreibungen von pflegerischer Betreuung
zu 30 den Inhalten der Hilfen bei der Haushaltsführung
Die Argumentation für diese Vorgehensweise: Es geht nicht nur um "Reinemachen" oder "Putzen", sondern darum - im besten Fall zusammen mit den pflegenden Angehörigen - den Haushalt des Pflegebedürftigen zu versorgen und gleichzeitig im Sinne von Betreuung tätig zu sein.
Natürlich müssen dann die von den Mitarbeitern entsprechend dokumentierten Tätigkeiten tatsächlich in dieser Art und Weise erbracht werden. Hierzu bedarf es
- einer Weiterentwicklung des Leistungskataloges
- Schulungen der Mitarbeiter über die neue "gemischte Leistungsart"

Abgerechnet wird dann mit einem Mischstundensatz.
70% von 33,00 € = 23,10 €
30% von 22,08 € = 6,62 €
= Mischstundensatz = 29,72 €
+ + + plus die örtlich relevanten Investitionskosten

Die Kassen in den besagten Regionen akzeptieren diese Vorgehensweise.

In § 4 des in Bayern gültigen Vertrages gemäß § 89 SGB XI (von 20.12.2016) steht in Absatz 3 folgende Vorgabe:
(3) Im Rahmen einer Vergütung nach Zeit sind folgende Stundensätze abrechenbar. Der Stundensatz für körperbezogene Pflegemaßnahmen beträgt 44,04 € bzw. 3,67 € je angefangene 5 Minuten, der Stundensatz für Hilfen bei der Haushaltsführung beträgt 22,08 € bzw. 1,84 € je angefangene 5 Minuten. Pflegerische Betreuungsmaßnahmen sind ausschließlich nach Zeitaufwand abrechenbar. Der Stundensatz für die pflegerischen Betreuungsmaßnahmen beträgt 33,00 € je Stunde bzw. 2,75 € je angefangene 5 Minuten.

Der 4.) Lösungsansatz: Vergütungsverhandlungen
So wie Andreas Heiber immer sagt: Dann müssen Sie eben in der nächsten Vergütungsverhandlung "richtig" verhandeln, und für die "Hilfen bei der Haushaltsführung" einen leistungsgerechten Preis verhandeln.
Stimmt!
Jedoch, meine Assoziationen dazu:
a) ja ja, die Bayern immer mit ihrem "bayrischen Weg"
b) Theorie ist nicht gleich Praxis
c) Recht haben bedeutet nicht unbedingt Recht bekommen
d) vielleicht steckt ja ein "Deal" dahinter?
e) usw.

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