Bitte warten Sie.'

Die Seite wird geladen.'


Sie sind hier:

Home Infopool Häusliche Pflege Blog Der Reiz der Übergangsregelungen im PSG II...

Verfasst von: Thomas Sießegger, Unternehmensberater

Der Reiz der Übergangsregelungen im PSG II – oder ein Bumerang?

02.06.2016

Gedanken, Fragen und Überlegungen zum Ein- und Höherstufungsmanagement

Viele Leitungskräfte in Pflegediensten beschäftigen sich derzeit mit Ein- und Höherstufungsmanagement, v.a. um bisherige Pflegebedürftige noch vor Ende des Jahres 2016 mit dem Prädikat "eingeschränkter Alltagskompetenz" auszustatten. Es winkt eine bessere Finanzierung und mehr Umsatz für den Pflege- und Betreuungsdienst.

Macht das wirklich in jedem Fall Sinn? Geht der Schuß nicht eventuell nach hinten los?

Die Grundidee ist folgende: Durch die Übergangsregelungen im PSG II würden Pflegebedürftige nicht nur ihre Sachleistungen erhöhen,

- in Pflegestufe 0 von 0 € auf 231 €
- in Pflegestufe 1 von 468 € auf 689 €
- und in Pflegestufe 2 von 1.144 € auf 1.298 €.

Wenn es zudem gelingen würde, anstatt einer "eingeschränkten Alltagskompetenz" sogar eine "erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz" zu bekommen, steigt der Anspruch von 104 € monatlich für "zusätzliche Betreuungsleistungen nach § 45b SGB X" sogar auf 208 € pro Monat.
Ab 2017 gibt es ja eigentlich nur noch den einheitlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 €, doch die Ansprüche auf 208 € können mitgenommen werden.
Für die (jetzigen) zusätzlichen Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI beträgt die einfache Erhöhung von 104 € auf 125 € ca. 20%. Die Erhöhung auf 208 € bedeutet sogar eine Erhöhung um 100% bei dieser Leistungsart.

Doch betrachten wir als konkretes Beispiel eher die Sachleistungen eines Pflegebedürftigen, der jetzt z.B. mit einer Pflegestufe 1 versorgt wird.
Angenommen der Pflegebedürftige beansprucht bisher 300 € monatlich für Pflegeleistungen von den möglichen 468 € aus Pflegestufe 1.
An Sachleistungsanspruch blieben 168 € übrig. Das entspricht einem anteiligen Pflegegeld in Höhe von 87,59 €.
Im Rahmen des Höherstufungsmanagements schaffen Sie es z.B., eine "einschränkte Alltagskompetenz" für den Kunden zu erreichen, noch im Jahr 2016, z.B. im Juli 2016.
Der Sachleistungsanspruch erhöht sich um 221 € auf 689 €.
Anmerkung: Die 221 € waren ursprünglich gedacht für "Häusliche Betreuung", geregelt im § 124 SGB XI. Diese Regelung läuft zum 31.12.2016 aus. Erinnern Sie sich noch an das Pflege-Neuausrichtungsgesetz [PNG]?

Trotzdem werden Sie es nicht ohne Weiteres schaffen, den Kunden von einer dementsprechend höheren Leistungsinanspruchnahme zu überzeugen. Wenn er weiterhin nur für 300 € Sachleistungen in Anspruch nimmt, erhöht sich das anteilige Pflegegeld für die pflegenden Angehörigen um 50,9% auf dann 178,41 €.
Das ist dann ein Geschenk für die pflegenden Angehörigen (oder wird es interfamiliär genutzt? ;-)

Ab Januar 2017 wird dieser Kunde dann – ohne weiteres Zutun – durch die Überleitung den Pflegegrad III bekommen. Sachleistungen werden dann in Höhe von 1.298 € gewährt.
Das heißt ganz konkret, der Kunde könnte die Inanspruchnahme von Sachleistungen nochmals um 88,4% (ausgehend von 689 €) erhöhen.

So, und jetzt kommen die entscheidenden Fragen!

  • Können Sie überhaupt so viele Stunden Ihrer Mitarbeiter zusätzlich zur Verfügung stellen? Abrupt zum Januar 2017?
  • Können Sie Ihren Personalstand um geschätzte ca. 20% erhöhen, um die erhöhten Leistungsansprüche der Pflegebedürftigen (aus PSG II gegenüber PSG I) überhaupt bedienen zu können?
  • Wem nützt die Höherstufung zuerst? Den Angehörigen oder Ihrem Pflege- und Betreuungsdienst?
  • Was passiert, wenn sich im Laufe des Jahres 2017 die Kunden (Angehörige, Enkel, usw., aber auch die Pflegebedürftigen selbst) an die erhöhten Geld-/Kombi-Leistungen gewöhnt haben?
    Und Sie bieten dann peu à peu neue Leistungen an? Werden diese dann noch angenommen?
  • Weckt oder reizt Höherstufungsmanagement in manchen Fällen die falschen Instinkte oder setzt irritierende Anreize?
  • Stellen Sie sich vor, Sie loben und preisen die erhöhten Leistungsansprüche, und zum Schluß müssen Sie eingestehen, dass Sie nicht genügend Personal zur Verfügung haben? Wie groß wird die Enttäuschung sein?

Ich bin skeptisch.

Das war´s von mir, nur ein paar kritische Gedanken, Beispiele und Fragen.

Machen Sie´s gut.

Facebook
Kommentare (1)
Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben

Sie sind nicht eingeloggt

registrieren

Autor/in

Thomas Sießegger
Unternehmensberater
Thomas Sießegger
Diplom-Kaufmann, Organisationsberater und Sachverständiger für ambulante Pflegedienste

Zur Startseite: Häusliche Pflege Blog

Suchbegriff:

Hier bloggen die Experten:

Thomas Sießegger, Diplom-Kaufmann, Organisationsberater und Sachverständiger für ambulante Pflegedienste

Claudia Henrichs, Unternehmensberaterin für Personalentwicklung, Trainerin und Coach für ambulante Pflegedienste

Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe (DFG), Marketingmanager & Pressesprecher, München

Peter Wawrik, Wawrik Pflege Consulting, Unternehmens- und Organisationsberatung im Pflegenetzwerk ambulant, Wohngemeinschaften und Tagespflegen

Giovanni Bruno, Online-Unternehmer, Berater für digitale Kommunikation und CEO der fokus digital GmbH. 

Kommentieren, diskutieren, fragen: Machen Sie mit!

Regelmäßig kommentieren die Experten aktuelle Themen, die die Branche bewegen.
Dauerbrennpunkte, Tipps, Infos und Austausch rund um die Betriebswirtschaft in ambulanten Pflegediensten - im "Häusliche Pflege Blog" auf HÄUSLICHE PFLEGE Online.

Partner

Logo-Thomas-Siessegger
Pflege Ambulant Logo
Jaschkelogo
WPC Logo 2018-03
fokus digital





Weitere Beiträge

Wie aus einer neuen Studie über die Zufriedenheit der Deutschen, dem sogenannten "Glücksatlas 2019" der


weiterlesen



Zu Chancen, Risiken und dem sinnvollen Umgang mit positiven und negativen Kundenstimmen.  Was einst mit


weiterlesen



Ob Verkauf oder Teilveräußerung an Dritte oder Übertragung innerhalb der Familie, die Unternehmensnachfolge eines ambulanten


weiterlesen



Ja, aber ... In vielen ambulanten Pflege- und Betreuungsdiensten wird derzeit über die Erstellung und


weiterlesen



Wichtig für Pflegeunternehmen: Wo und wie wird über das Unternehmen "gesprochen"?  Das Wissen über die


weiterlesen