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Verfasst von: Christoph Jaschke

Führen Schiedsverfahren zum Erfolg?

09.10.2017

Seit fast 20 Jahren verhandeln wir mit Krankenkassen die Vergütungssätze in der außerklinischen Intensivversorgung. Über ein Schiedsverfahren zu einer Einigung zu kommen, war für uns neu.

In den ersten 15 Jahren liefen diese Verhandlungen stets respektvoll ab. Dies hat sich in den letzten fünf Jahren grundlegend verändert. Der Ton wurde zunehmend rauer, die Argumentationen waren oft an Absurdität nicht mehr zu überbieten und es kam zu keinen erfolgreichen Abschlüssen mehr. Alarmierend waren in den Verhandlungen vor allem menschenverachtende Äußerungen. Beispielsweise wurde ich gefragt, ob die Versorgung einer 25jährigen Frau in einer Wohngemeinschaft "noch sozialmedizinisch sinnvoll" sei, da sie doch eh nichts mehr mitbekomme. Oder ein anderer Kassenmitarbeiter fragte, ob die postmortale Begleitung eines Klienten über weitere zwei bis drei Stunden wirklich zu Lasten der Solidargemeinschaft in Rechnung gestellt werden dürfe. Dass die Verhandlungen fast nur noch unter dem Vorzeichen abliefen, dass wir noch billiger werden müssten, weil man an das Wirtschaftlichkeitsgebot gebunden sei und es im externen Vergleich genügend Pflegedienste mit deutlich günstigeren Angeboten gebe, habe ich immer wieder geschildert. Geändert hat sich dadurch nichts.

Deshalb haben wir uns entschieden, alle Verhandlungen, in denen keine respektvolle Atmosphäre herrscht und in denen unsere Argumente gar nicht erst geprüft wurden, von einer Anwaltskanzlei begleiten und notfalls im Schiedsverfahren klären zu lassen. Und siehe da, plötzlich hat sich das Blatt gewendet. Die Moderation eines pensionierten Sozialrichters führte dazu, dass Argumentationen und Berechnungen, die früher nie zum Zuge gekommen waren, wieder beachtet wurden. Endlich fanden die Verhandlungen auf Augenhöhe statt und beide Seiten warben für gegenseitiges Verständnis. Und endlich waren diese Verhandlungen erfolgreich. Damit meine ich Vergütungssätze mit vernünftigen Preissteigerungen. Denn nur so können wir auch in Zukunft eine gute außerklinische Intensivversorgung gewährleisten.

Deshalb meine Empfehlung: Gehen Sie in ein Schiedsverfahren, wenn Sie das Gefühl haben, Ihnen wird bei einer Verhandlung nicht zugehört und Sie stecken in einer Sackgasse. Der nüchterne Blick eines externen Moderators auf eine Verhandlung kann enorm viel bewirken.

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