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Verfasst von: Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe

Keinem nutzt es, wenn Pflegekräfte über ihr Limit arbeiten

24.09.2018

Während einer Sitzung mit Führungskräften in der außerklinischen Intensivpflege, in der es um die Dienstplanung im Allgemeinen, und im Besonderen um die Frage ging, wie – trotz des Personalmangels - eine Überplanung von einzelnen Pflegekräften vermieden werden kann, erreichte mich letzte Woche der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er schlägt vor, man solle zur Behebung des Fachkräftemangels Pflegekräfte zu Mehrarbeit bewegen.

Wortwörtlich soll der Bundesminister laut Augsburger Allgemeinen vorgerechnet haben: "Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen". Wir waren in unserer Sitzung gerade zu der Erkenntnis gekommen, dass auch die Ausbezahlung von Überstunden nur eine Notlösung ist. Denn durch das ständige Ableisten von zu vielen Überstunden nehmen die Pflegekräfte, selbst wenn sie dazu bereit sind, langfristig Schaden. Gerade in der Intensivpflege sind Entspannungsphasen enorm wichtig, da die Pflegekräfte während ihres Dienstes ständig interventionsbereit sein müssen. Das "Einspringen" von Pflegekräften im Falle der plötzlichen Erkrankung im Kollegenkreis beispielsweise muss Ausnahme bleiben, und klar, ein Dankeschön dafür gehört zu den Selbstverständlichkeiten in einem Unternehmen mit wertschätzender Arbeitsplatzkultur. Boni sollen jedoch kein Fehlanreiz für Pflegekräfte sein, laufend über ihr Limit zu arbeiten.

Jens Spahn soll sich gleichzeitig für "faire Schichtpläne, verlässliche Arbeitszeiten, auch mal drei, vier freie Tage am Stück" ausgesprochen haben. Neu ist dies nicht. In der außerklinischen Intensivpflege wird dies bereits gehandhabt. Natürlich überlegen Arbeitgeber, ob die ein oder andere Pflegekraft in Teilzeit nicht auch aufstocken könnte. Im persönlichen Gespräch erfährt man allerdings triftige Gründe für den eingeschränkten Rahmen, angefangen von der Notwendigkeit, kleine Kinder zu betreuen bis hin zur Pflege eines Familienangehörigen. Nicht zu vergessen ist auch die Gruppe von Pflegekräften, die in mehreren Unternehmen parallel arbeitet. Und es gibt viele Pflegekräfte, die es nach einem Burn-out, Bandscheibenvorfall oder einer anderen Belastungsstörung langsam angehen lassen müssen. Aus Spahns Äußerung könnte man schlussfolgern, Pflegekräfte seien schlichtweg zu bequem, um länger zu arbeiten ... und es ginge ihnen finanziell offensichtlich so gut, dass sie es sich leisten können, nur in Teilzeit tätig zu sein. Was für eine verzerrte Wahrnehmung!

Während es in anderen Branchen oft nur noch Teilzeit oder befristete Verträge gibt, sind in der Pflege unbefristete Arbeitsverträge ein probates Mittel, um Pflegekräfte zu halten. Feste Teams, gerade auch, wenn man Wert auf Bezugspflege legt, gehören zur Pflegequalität und sind eine Grundvoraussetzung für die Lebensqualität der betroffenen Menschen. Ich wiederhole mich, wenn ich darauf hinweise, dass die Pflege von schwerstkranken Kindern und Erwachsenen nicht vergleichbar ist mit der industriellen Produktion von Backwaren, Schuhen oder Möbeln. Hier geht es um Menschen, deren spezifischen Bedarfe an pflegerischer oder intensivpflegerischer Versorgung nicht in Zahlen pressen lassen. Dies zeigt deutlich bereits der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der der Minutenzählerei ein Ende gesetzt hat. Trotzdem spielen Zahlen und Messbarkeit eine enorm wichtige Rolle. Der "Faktor Mensch" ist dann eher lästig, weil eben "unberechenbar".

Soeben erschien ein neues Buch des Historikers Yuval Noah, dessen Prognosen zur Zukunft der Menschheit weltweit Aufsehen erregen. Er möchte, dass die Menschen neu denken und nicht immer wieder die alten Trampelpfade einschlagen, die schon in der Vergangenheit zu keiner Lösung geführt haben. Leider hat Herr Spahn zur Verbesserung der Pflege bisher nur die Rückkehr zu "Trampelpfaden" vorschlagen. Wirklich innovatives Denken vermisse ich. Auch wir in unserer Runde fanden zwar keine fertigen Lösungen, aber wir haben beschlossen, dass unsere Pflegekräfte selbst über ihre verfügbare Zeit entscheiden. Es ist ein Unterschied, ob man sie als Arbeitgeber dafür belohnt, wenn sie ab und an "einspringen" oder ob man sie auffordert bzw. mit irgendwelchen Vergünstigungen dazu verführen möchte, über ihr Limit zu gehen. Damit ist keinem gedient, am allerwenigsten den pflegebedürftigen Menschen.

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Christoph  Jaschke
Deutsche Fachpflege Gruppe
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