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Verfasst von: Thomas Sießegger, Unternehmensberater

Kurzfristig: lukrativ und einfach, langfristig und strategisch eher kontraproduktiv

25.09.2015

Hauswirtschaft verkaufen über die Betreuungsleistungen nach § 45 b SGB XI

Seit Januar 2015 ist es möglich, hauswirtschaftliche Leistungen über die Betreuungsleistungen nach § 45 b SGB XI abzurechnen. Der vermeintliche Vorteil für die Kunden liegt darin, diese Leistungen nun "geschenkt" zu bekommen bis zu einem Betrag von 104 € bzw. 208 € pro Monat. Vor dem Jahr 2015 gingen sie dem Sachleistungsanspruch der jeweiligen Pflegestufe ab. Oft sind Kunden (mit gefährlichem Halbwissen) über diese Möglichkeiten informiert und fordern diese Art der Leistungserbringung deshalb ein.

Im Ergebnis wandeln sie den nun nicht mehr genutzten Sachleistungsanspruch in ein höheres anteiliges Pflegegeld um. Was man so hier und da erfährt, wofür das Pflegegeld verwendet wird, möchte ich hier nicht näher ausführen (Stichworte: Enkel, Haus, Sparen, …). 

Vermeintliche Vorteile

Viele Pflegedienste erfüllen also diese Wünsche und Forderungen, da auch für den Pflegedienst vermeintliche Vorteile entstehen. Der kurzzeitige Vorteil für den Pflegedienst könnte sein, die Hauswirtschaft nicht mehr über die oft nicht kostendeckenden Leistungskomplexe oder -module abzurechnen (z.B. 23,78 € pro Stunde), sondern die selbst bestimmten Preise für die Privatzahlerleistung "Betreuungsleistungen nach § 45 b SGB XI" zu nutzen, z.B. 36,00 € pro Stunde. Da steckt auch eine gute Rendite mit drin. Doch diese vermeintliche Win-win-Situation ist keine kluge strategische Variante, sondern eher kurzsichtig lukrativ, einfach und bequem. Langfristig könnte sich dieses Angebotsverhalten jedoch als ein trojanisches Pferd herausstellen.

Missbrauch

Ich bezeichne diese um sich greifende Nutzung der Betreuungsleistungen nach § 45 b SGB XI sogar als einen Missbrauch der Finanzierungsmöglichkeiten, weil damit
a) dem Vollkaskodenken weiter Vorschub geleistet wird und dieses Vollkaskodenken der Menschen zementiert wird.
b) Der Pflegedienst verkommt zudem zu einer Art "Erbenschützerverein", der sich nicht traut, den Kunden die Realität darzulegen.

Insofern sollten die Verantwortlichen sich nicht wundern, wenn sie eines Tages zu hören bekommen, "der Pflegedienst ABC verkauft Putzen* für 36 € pro Stunde, diese Abzocker".

* und damit ist nicht gemeint das Putzen als Tätigkeit, sondern die abwertende Bezeichnung einer Mitarbeiterin, die putzt - anstatt wertschätzend als Betreuungskraft oder Pflegeassistentin wahrgenommen zu werden.

So haben Ihre für die Betreuung angestellten Mitarbeiter sich das nämlich nicht gedacht. Insofern ist es auch eine Herabsetzung der entsprechenden Mitarbeiterinnen.

Richtig ist:

Die für Betreuungs- und Entlastungsleistungen vorgesehenen Beträge (derzeit 104 € oder 208 € als Zuschuss) werden mit dem PSG II (ab 2017) zu einem einheitlichen Entlastungsbetrag von 125 € und stehen dann durch die Nutzung für die Hasuwirtschaft dem eigentlichen Zweck, nämlich der Betreuung nicht mehr zur Verfügung.
.. und, Sie kommen aus dieser Nummer schlecht wieder heraus, wenn tatsächlich eines Tages wirklich Betreuungsleistungen bei den Kunden notwendig werden.

Wenn die 104 € bzw. 208 € schon für Hauswirtschaft verwendet werden, dann sollten wenigstens die im SGB XI bei den Sachleistungen frei werdenden Hauswirtschaftsleistungen umgewandelt werden in "mehr Pflege".
Mit dieser Alternative könnte ich noch einhergehen.

Wie und was denken Sie darüber?

Lesen Sie hierzu auch:
Bestandsschutz in §45b für eak und e-eak (von Alexander Cito Aufenacker)
Der "verbotene Preis" bei zusätzlichen Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI (von Thomas Sießegger)
36 € pro Stunde für das Reinigen der Wohnung? Ist das nicht ein bißchen (zu)viel verlangt? (von Thomas Sießegger)

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