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Verfasst von: Thomas Sießegger, Unternehmensberater

Private Equity sucht Assets im Homecare-Markt und benötigt Unterstützung bei der Due Diligence

20.09.2015

[zu deutsch: Heuschrecken sind auf der Suche nach Objekten zum Kaufen im Markt der ambulanten Pflegedienste und suchen Unterstützung bei der Unternehmensbewertung]

Soweit ist es schon gekommen, solche Anfragen bekommt man heutzutage. Nun sind sie also da, die Investmentfonds und Private Equitiy-Firmen.
Milliarden Euro und Dollar suchen nach neuen Anlagen. Da bietet doch dieser gigantische Wachstumsmarkt der ambulanten Pflege und Betreuung in Deutschland riesengroße Chancen?

Warum das mit dem Kaufen und dem "Erfolg haben" nicht funktionieren wird?

65,1% der Pflegedienste (SGB XI) in Deutschland haben unter 50 Pflegebedürftige. Das ergibt meine Auswertung der Pflegestatistik 2013.

Die Großzahl der Pflegedienste mit unter 50 Pflegebedürftigen im SGB XI (das entspricht ca. einer Gesamtzahl von 75 Patienten) sind - mit über 75% - in der Hand von privaten Pflegedienst-Inhaber/innen. Bei den großen Pflegediensten ist es eher umgekehrt, sie gehören zum größeren Teil zu den Wohlfahrtsverbänden. Der Trend geht schon zu größeren Pflegediensten, und es ist durchaus sinnvoll, Pflegedienste in einer Kette, einem stetig gewachsenen Konzern, zu steuern. Da sind große Synergieeffekte möglich. Aber sich "einfach mal so" ein paar (hundert) Pflegedienste zu kaufen, das wird nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein.

Da ich mit fast 25 Jahren Beratungstätigkeit in der Branche einen guten Überblick über den Markt der ambulanten Pflege habe und auch ihre Geschichte kenne, weiß ich, wer die "Player" sind, wie der Markt sich entwickelt hat und wie er sich wohl in Zukunft entwickeln wird.

Auch Bewertungen von Pflegediensten habe ich schon einige durchgeführt, und dafür sogar ein eigenes Verfahren entwickelt, weil alle gängigen Verfahren zur Due Diligence (Unternehmensbewertung) bei ambulanten Pflegediensten nicht greifen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmensbewertungen fehlt es bei ambulanten Pflegediensten vor allem am zu bewertenden Anlagevermögen, so zum Beispiel wenn Fahrzeuge geleast sind und der Pflegedienst zur Miete untergebracht ist. Der Hinweis auf das so genannte Humankapital zählt da nicht. Ein Investor würde fragen "Wo sind die Mitarbeiter in der Bilanz aktiviert?" Mitarbeiter lassen sich nicht kaufen.
Und Patienten schon gar nicht. Jeder Kunde hat die Wahlfreiheit "seines" Pflegedienstes.
Zum anderen sind vergangenheitsorientierte und zukunftsorientierte
- Ertragswertverfahren,
- die Discounted Cash-Flow-Methode,
- das Substanzwertverfahren und
- das Stuttgarter Verfahren und weitere
vollkommen ungeeignet, die wahren Werte und wertmindernden Faktoren eines Pflegedienstes sachgerecht zu erfassen.

Meine Erfahrungen zeigen, dass nach unprofessionellen Verkäufen von Pflegediensten die Patienten- und Umsatzzahlen um bis zu 60% einbrechen.

Deshalb ergibt sich für mich folgende Einschätzung: Für Anleger ist es ein sehr riskantes Geschäft, in diesen Bereich der ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste zu "investieren". Denn erfolgreiche Pflegedienste leben von der Aura der Pflegedienstleitung, von der Persönlichkeit, vom "Herzblut", was darin steckt, und von der richtigen Personal-Einsatz-Planung, die einem Investor nicht so leicht zu vermitteln ist; dieser würde höchstwahrscheinlich zu gängigen "in der anderen Wirtschaft" funktionierenden Rezepten greifen (Lean management, target costing, oder anderes Zeugs), und so zum Beispiel die Erlös-orientierte Personal-Einsatz-Planung einsetzen.

Die Versuchung für Investoren wäre sehr groß, falsch mit den Leistungsträgern und den Kunden abzurechnen (nicht unbedingt mit Absicht, sondern eher aus Unwissen) und es könnten rechtliche Gegebenheiten nicht angemessen berücksichtigt werden.
Alle diese Erfolgsfaktoren (von denen es noch viel mehr gibt) kann man nicht kaufen!
.. und schon gar nicht erfolgreich weiterführen, wenn der/die bisherige Inhaber/in weg ist.

Investoren und Gesellschaften können einen noch so perfekten Pflegedienst modellieren, er wird auch dann nicht erfolgreich sein, wenn die Menschen vor Ort diesem Pflegedienst nicht vertrauen. Und wenn die Menschen und Pflegebedürftigen erfahren, da steckt ein großer anonymer Konzern oder gar ein Investor dahinter, ist es aus mit dem Vertrauen. Allenfalls funktioniert das in großen Städten, wenn sie Glück haben, und einen wirklichen Profi für das Betreiben dieser Pflegedienste gewinnen könnten.

Investoren würden sich kaputtlachen über Urteile der Sozialgerichte, die anzeigen, dass es lediglich erlaubt ist, 2% hier und 2% da für Unternehmerlohn und/oder Risiken in der Kalkulation der einzusetzen. Schon gar nicht haben die Manager/innen der Fonds das Know-how, SGB XI von den anderen Leistungsbereichen auseinander zu klamüsern oder gar das Know-how, Verhandlungen zu führen.

Private Investoren wollen 15% bis 20% Rendite sehen. Und wenn sie das nach geraumer Zeit nicht schaffen, dann sind sie eben wieder raus.

Freuen wir uns. Es ist ja nur Geld, was da verbrannt wird. Allerdings – so ist zu befürchten – werden die eine oder andere Pflegedienst-Inhaber/in versucht sein, auf "unmoralische Angebote" einzugehen, die es mit Sicherheit geben wird.

Also, aufgepasst: Trauen Sie nicht allem, was da versprochen wird.
Sie sollten sich aber als die Pflegedienst-Inhaber/innen auch nicht überschätzen im Wert ihres Pflegedienstes.

Die Wohlfahrtsverbände, die Kommunen und Städte und die ehrbaren idealistischen Träger und Inhaber/innen von privaten Pflegediensten sollten – finde ich – standhaft bleiben. Am meisten "gefährdet" sind die oben erwähnten kleinen privaten Pflegedienste, die in der eigenen Familie keine Nachfolger/innen haben und die jetzt so Ende 50 Jahre alt sind.
Sie sollten sich Gegenstrategien überlegen, denn sonst passiert es letzten Endes doch.

Hier ein interessanter Link zu meinem BLOG-Beitrag vom 22.11.2010: Großes Wachstum, niedrige Renditen

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Thomas Sießegger
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