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Verfasst von: Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe

Was können wir noch leisten?

18.10.2017

Seit einigen Jahren erreichen uns immer mehr Anfragen von verzweifelten Angehörigen und Klienten, deren Pflegedienste von heute auf morgen die Versorgung niederlegen mussten, da sie nicht mehr genug Personal hatten. Besonders dramatisch sind diese Anfragen im Kinderbereich. Völlig erschöpfte Mütter rufen an und teilen uns weinend mit, dass sie "nicht mehr können" und dringend Unterstützung benötigen. Dies zeigt uns, dass das System schon lange an seine Grenzen gestoßen ist.

Die vielen Patienten, die aus der Klinik entlassen werden, können schlichtweg nicht mehr ambulant versorgt werden. Die durchschnittlichen Vorlaufzeiten, die ein Pflegeunternehmen braucht, um eine 1:1 Versorgung aufnehmen zu können, beträgt oft Monate, weil es die dafür benötigten Fachkräfte nicht mehr gibt. Es wurde und wird versucht, in Kooperationen zu versorgen, aber auch dies scheitert vielfach an der Angst der Pflegedienste, dass im Zuge der Kooperation das Personal abgeworben wird. Eine rasche Übernahme eines beatmeten Menschen in die Häuslichkeit ist somit ein Glücksfall.

Von wem und mit welcher Qualität werden all die Menschen versorgt, die entlassen werden?

Es gibt eine große Zahl von Anbietern, die ihre Mitarbeitern aus dem Ausland akquirieren und somit einen, so scheint es, unerschöpflichen Pool an Pflegekräften haben. Diese Mitarbeiter mögen oft fachlich qualifiziert sein, können sich aber unter Umständen nur unzureichend mündlich und schriftlich in der Landessprache verständigen. Aber gerade die Kommunikation ist in der Versorgung der Klienten und in der Kommunikation mit den behandelnden Ärzten enorm wichtig. Vor allem Klienten, die 24 Stunden versorgt werden, leiden darunter, wenn sie die betreuende Pflegekraft nicht versteht. Die Versorgung wird somit auf eine fast mechanische Dienstleistung reduziert, und das gegenseitige Nicht-Verstehen führt unweigerlich zu Misstrauen.

Natürlich brauchen wir jede Fachkraft, und natürlich leben wir in Zeiten der Globalisierung, aber wir dürfen die Sprachbarrieren nicht außer Acht lassen. Wie das Aktionsbündnis Patientensicherheit erst kürzlich am Beispiel des Klinikalltags aufgezeigt hat, ist dort vielfach selbst unter Muttersprachlern die Kommunikation unklar, unpräzise und missverständlich. Dies birgt ein hohes Gefährdungspotenzial für die Sicherheit der Patienten. Wie hoch ist dieses erst dann, wenn in der häuslichen Pflege Mitarbeiter aus dem Ausland allein bei einem Klienten eingesetzt werden, die kaum Deutsch sprechen und schreiben können? Abgesehen von der bereits erwähnten zwangsläufigen "Sprachlosigkeit" mit dem zu Pflegenden, kann dies nicht nur zu Missverständnissen führen, sondern auch für den Betroffenen lebensgefährlich werden. Eine solche Pflegekraft kann im Notfall keinen Notarzt rufen und ihm die Adresse nennen, wohin er kommen soll.

Der jetzt politisch, weil opportun, diskutierte Vorstoß für mehr Pflegekräfte und eine bessere Bezahlung, ist hoffentlich nicht nur eine große Blase, sondern ein ehrliches Bekenntnis. Und es muss uns allen klar sein, dass dies nicht ohne eine deutliche Erhöhung der Kosten und gegebenenfalls auch der Beitragssätze geht. Wir sind es unseren Klienten schuldig, dass sie eine sowohl fachliche wie auch menschliche und kommunikative gute Versorgung erhalten.

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Christoph  Jaschke
Deutsche Fachpflege Gruppe
Christoph Jaschke
Marketingmanager & Pressesprecher München

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Claudia Henrichs, Unternehmensberaterin für Personalentwicklung, Trainerin und Coach für ambulante Pflegedienste

Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe (DFG), Marketingmanager & Pressesprecher, München

Peter Wawrik, Wawrik Pflege Consulting, Unternehmens- und Organisationsberatung im Pflegenetzwerk ambulant, Wohngemeinschaften und Tagespflegen

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