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Verfasst von: Christoph Jaschke

Wer gute Pflege will, muss den Mut haben, Missstände zu benennen!

16.11.2017

Tausende Menschen benötigen tagtäglich außerklinische Intensivpflege. Das sind Menschen mit schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung. Jeder hat seine eigene Geschichte und jeder braucht eine auf seine Bedarfe zugeschnittene individuelle Versorgung. Pflegekräfte mit hoher Fachkompetenz und einem hohen Berufsethos, denen es gelingt, den zu Pflegenden Lebensqualität zu schaffen und die Angehörigen zu unterstützen, sind mit Recht stolz auf ihre Leistung, die sie tagtäglich erbringen. Dies gilt ebenso für Unternehmen, die außerklinische Intensivpflege nach bestmöglichen Qualitätsstandards anbieten.

Die außerklinische Versorgung spielt sich weitgehend hinter verschlossenen Türen in der eigenen Häuslichkeit und vielfach auch von Wohngemeinschaften ab. Dieses Abgeschottetsein ermöglicht es Unternehmen, die nur Profit machen wollen und denen die Menschen egal sind, ihr Unwesen zu treiben. Hier sei erwähnt, dass im extremsten Fall von schlechter Versorgungsqualität dies mit dem Tod endet - und nicht nur mit einer Druckstelle am Gesäß. Es wird unter der Hand viel darüber geklagt, man beschwert sich in Gesprächen, äußert sein Entsetzen über unhaltbare Zustände, aber kaum einer hat den Mut, Ross und Reiter zu nennen. Wie soll sich da etwas verändern?

Es gibt seit Jahren positive Beispiele dafür, was mutige Menschen erreicht haben, weil sie ihr Schweigen gebrochen haben. Ohne Whistleblower Edward Snowden wären wir längst nicht so sensibilisiert für die Gefahren für unsere Privatsphäre, und die Veröffentlichung der Panama- und Paradise Papers hat eine durchschlagende Wirkung. Wir müssen etwas Vergleichbares im Bereich der außerklinischen Intensivpflege in die Wege leiten, damit nicht täglich hilflose Menschen durch miserable Versorgung sterben. Wer wegschaut, gibt Mördern wie dem Krankenpfleger Niels H. die Chance, über Jahre weiter zu machen. Um dies zu verhindern, brauchen wir eine Kultur des Hinschauens, Zivilcourage, und mutigen Journalismus.

Die beiden Journalistinnen Claudia Gürkov und Lisa Wreschniok vom Bayerischen Rundfunk suchen Menschen, die Pflegefehler oder massive Probleme erlebt haben. Sie schreiben in einem Aufruf, dass sich zwar Krankenkassen und Ermittler, auch solide Pflegedienste zu Wort melden, dass man aber von den Betroffenen – den Patienten und ihren Familien – relativ wenig höre. "Das möchten wir ändern: Sind Sie Patient? Angehöriger? Vielleicht in der entsprechenden Medizintechnik-Branche tätig? Wir würden gerne auch über Ihre Erfahrungen berichten.

Ansatzpunkte sind zum Beispiel:
• Ihre Pflegekraft kann kein Deutsch …
• Sie haben den Eindruck, Ihre Pflegekraft weiß nicht, was sie tut …
• Ihre Pflegekraft macht Fehler …
• Sie als Verwandter müssen sie einlernen …
• Sie selbst müssen immer wieder einspringen …
• Sie zeichnen Einsatzpläne ab, an denen Sie Zweifel haben …
• Ihre Krankenkasse reagiert nicht auf Hinweise …
Wenn Sie solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wenden Sie sich bitte an uns. Wir versprechen Ihnen, Sie bleiben anonym.
Sie erreichen uns unter brrecherche@br.de oder telefonisch unter 089/5900-33565. Wir würden uns freuen, herzliche Grüße, Claudia Gürkov und Lisa Wreschniok."

Ich unterstütze diese Recherche. Sie ist eine wirkliche Chance, die Versorgung außerklinisch versorgter Menschen zu verbessern und den Saustall auszuräumen, über den keiner offen spricht. Dabei appelliere ich auch an Pflegekräfte, die in einem Unternehmen arbeiten, für das sie sich in Grund und Boden schämen. Sagen Sie, was da abgeht! Die Solidarität muss den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gelten, nicht einem Arbeitgeber, der Menschenleben aufs Spiel setzt. Wer solche Zustände mitträgt, macht sich durch seine Passivität mitschuldig an der Gefährdung von Menschenleben und der Diskreditierung des Pflegeberufs. Beteiligen Sie sich rege an dieser Recherche, teilen Sie diesen Aufruf und zeigen Sie den "schwarzen Schafen" in der Branche, dass sie und ihre Machenschaften gesehen werden.

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Christoph  Jaschke
Christoph Jaschke
Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke GmbH

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Thomas Siessegger, Diplom-Kaufmann, Organisationsberater und Sachverständiger für ambulante Pflegedienste

Claudia Henrichs, Unternehmensberaterin für Personalentwicklung, Trainerin und Coach für ambulante Pflegedienste

Christoph Jaschke, Geschäftsführer Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke GmbH

Peter Wawrik, Geschäftsführer Pflege Consulting Hellweg, Unternehmens- und Organisationsberatung im Pflegenetzwerk ambulant, Wohngemeinschaften und Tagespflegen

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