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Verfasst von: Claudia Henrichs, Claudia Henrichs

Wertschätzung wird überbewertet

10.10.2015

Zugegeben, als ich diese Überschrift in meiner Fachzeitschrift las, habe ich mich erschreckt weil ich doch seit Jahren eine wahre Verfechterin von Wertschätzung und Anerkennung bin.

Schnell habe ich den Artikel gelesen und konnte aufatmen. Der Autor wettert gegen rezeptartige Floskeln. Seine Hauptaussage ist, dass Führungskräfte ein Umfeld schaffen müssen, damit Mitarbeitende wachsen können. Gut, da sind wir uns einig! Sicher haben Sie das auch schon erlebt: Jemand spricht Ihnen ehrlich gemeinte Wertschätzung für Ihre Arbeit aus und schon fühlen Sie sich motivierter, mit voller Power an Ihre Aufgaben zu gehen. Diesen Effekt können Sie als Führungskraft natürlich auch nutzen – und mit der richtigen Anerkennung Ihre Mitarbeitenden zu Höchstleistungen anspornen.

Was kann Anerkennung bei Pflegedienst-Mitarbeitern bewirken?

Es soll ja in Deutschland Regionen geben, in denen das Sprichwort: "Nichts gesagt ist gelobt genug!" zum Standardrepertoire der Führung gehört. Fehler dagegen werden sofort angesprochen. Sie merken, das ist ein Missverhältnis das Mitarbeitende eher demotiviert.

Wertschätzung und Anerkennung zur getanen Arbeit, auch wenn der Tag einfach "nur" rund und ohne Komplikationen verlaufen ist, stärken automatisch die emotionale Bindung zum Pflegedienst. Laut der von mir so gern genannten Gallup-Studie ist diese emotionale Bindung einer von fünf Faktoren, die Mitarbeiter engagierter, leistungsbereiter und verantwortungsbewusster handeln lässt. Wäre es nicht herrlich, wenn Sie als Pflegedienstleitung dafür sorgen könnten, dass Ihr Personal plötzlich mit voller Kraft und Spaß an der Sache arbeitet? Glauben Sie mir, das können Sie schaffen – mit dem einfachen Werkzeug der Anerkennung!

Wie, wann, wie oft und wem geben Sie Anerkennung für geleistete Arbeit?

Prüfen Sie doch einmal, welche dieser Aussagen in Ihren Gesprächen mit Mitarbeitenden vorkommen:

  • Danke, dass Du ...
  • ich schätze an Dir, dass ..
  • Mich begeistert, dass Du ..
  • Mir hat gut gefallen, dass ..
  • Ich bin stolz darauf, dass ...
  • Ich bewundere an Dir, dass ...
  • Mir gefällt besonders, dass ...
  • Ich habe mich sehr gefreut, dass ...
  • Frau Meier hat sich sehr positiv über Dich geäußert ...
  • Hilfreich finde ich, dass ...

Welche Formulierungen verwenden Sie in Ihren Gesprächen?

Wie äußern Sie Anerkennung richtig?

Vielleicht kommen Ihnen jetzt Zweifel wie "Wertschätzung muss ehrlich gemeint sein" oder "Ich kann doch nicht einfach des Lobens willen loben". Stimmt! Daher habe ich Ihnen im Folgenden die vier Kriterien für richtige Anerkennung zusammengestellt:

  1. Eine Ich-Botschaftmuss enthalten sein.
  2. Sie beschreiben eine konkrete Situation.
  3. Das Gesagte passt zum Mitarbeiter.
  4. Die Anerkennung bezieht sich auf ein gemeinsames Ziel.

Erfüllt die ausgesprochene Anerkennung diese Kriterien nicht, ist die Gefahr hoch, dass sich die angesprochene Person fragt: "Was will die Chefin jetzt von mir? Welchen Dienst soll ich zusätzlich übernehmen?"

Hier ein Beispiel in dem alle vier Elemente vorkommen:

"Deine gewissenhafte Art, unsere Kunden über ihre Ansprüche zu informieren, gefällt mir besonders gut. Vielleicht ist das für Dich ganz normal. Ich möchte trotzdem einmal sagen, wie wertvoll das für unsere Zielerreichung ist."

Warum soll sich Wertschätzung auf ein gemeinsames Ziel beziehen?

Oft beschränkt sich Anerkennung auf die persönlich individuellen Vorstellungen der Leitung. Das führt zu einer hohen Konzentration der Mitarbeitenden auf die Leitungsperson. Wenn Sie das gemeinsame Ziel in die Anerkennung integrieren dann wird die Sinnhaftigkeit des Tuns noch deutlicher und der Fokus wird zusätzlich auf Themen gelenkt, die unabhängig von der jeweiligen Leitungskraft sind. Gemeinsame Ziele können sein:

  • die reibungslose Zusammenarbeit im Team
  • die Kooperation mit anderen Diensten
  • die qualitätsreiche Arbeit am Kunden
  • die Arbeitsabläufe
  • die Kundenbeziehung
  • die Zielerreichung
  • die wirtschaftlichen Zahlen des Pflegedienstes

Wie oft sollten Sie Anerkennung äußern?

In meinen Workshops fragen die Teilnehmer üblicherweise: "Wie oft soll ich denn Anerkennung äußern?" Meine Antwort: "So oft wie möglich!"

Am besten, Sie machen es sich zur Gewohnheit jeden Tag die Aufmerksamkeit auf die Fragen zu richten: "Was läuft heute gut?" oder: "Was gefällt mir heute besonders gut?" Wenn Ihnen auf diese Fragen Beispiele einfallen oder auffallen, dann sagen Sie es den betreffenden Mitarbeitenden ganz spontan.

Wussten Sie, dass jeder Mensch am Tag sieben Mal persönliche Anerkennung braucht, damit sein Selbstwertgefühl wächst bzw. in der Balance bleibt?

Wertschätzung in der Teambesprechung

Wenn Sie jede Dienstbesprechung mit dem Tagesordnungspunkt "Was uns in der letzten Woche gut gelungen ist" beginnen, hat das eine sehr positive Wirkung auf den Verlauf des Meetings.

Scheuen Sie bitte auch nicht davor zurück, Einzelnen oder dem Gesamtteam in einem Meeting Anerkennung auszusprechen. Der Vorteil ist, dass Sie damit deutlich machen, welches Verhalten Sie zieldienlich finden. So stärken Sie in einem positiven Kontext im Team das Verständnis darüber, wie Sie sich die Zusammenarbeit vorstellen. 

Beispiel:

"Dank Eurer guten Kommunikation untereinander ist es uns gelungen, die übervolle Tour 1 reibungslos zu fahren. Frau Meier hat sogar angerufen und sich für die Unterstützung bedankt. Das hat mich sehr gefreut und dafür sage ich Euch allen Danke!"

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Erzählen Sie mir doch im Kommentarfeld welche Erfahrungen Sie selbst mit Anerkennung und Wertschätzung gemacht haben. Gibt es ein Zuviel oder ein Zuwenig? 

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Claudia Henrichs
Claudia Henrichs
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Expertin für wirkungsvolle Kommunikation in Kunden- und Führungsgesprächen

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Hier bloggen die Experten:

Thomas Siessegger, Diplom-Kaufmann, Organisationsberater und Sachverständiger für ambulante Pflegedienste 

Claudia Henrichs, Unternehmensberaterin für Personalentwicklung, Trainerin und Coach für ambulante Pflegedienste

Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe (DFG), Marketingmanager & Pressesprecher, München

Peter Wawrik, Wawrik Pflege Consulting, Unternehmens- und Organisationsberatung im Pflegenetzwerk ambulant, Wohngemeinschaften und Tagespflegen

Giovanni Bruno, Online-Unternehmer, Berater für digitale Kommunikation und CEO der fokus digital GmbH. 

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