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Verfasst von: Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe

Wir brauchen neue Versorgungskonzepte

14.01.2019

"Doch das Leben trägt ein Preisschild. Es kostet 25.000 Euro pro Monat", heißt es im ersten Absatz des fünfspaltigen Artikels "Gefesselt an die Maschine" von Kristiana Ludwig in der Süddeutschen Zeitung vom 5./6.1.2019. Im Untertitel wird behauptet, dass das "System", sprich: die Versorgung künstlich beatmeter Patienten, "außer Kontrolle" gerate. Ins Auge springen die beiden freigestellten Sätze: "Wünsche der Patienten spielen bei der Pflege keine Rolle" und "Kriminelle Banden und globale Investoren mischen in dem Markt mit". Was für ein Jahresauftakt!

Ich frage mich, was die immer wiederkehrende Berichterstattung über Auswüchse in der außerklinischen Intensivpflege und die ständig beschworenen "Unsummen" an Geld, die damit erwirtschaftet werden können, zur Lösung der bestehenden Versorgungsprobleme beiträgt. Wurde jetzt nicht lange genug über die sogenannten "schwarzen Schafe" berichtet, die der großen Mehrheit der gut arbeitenden Pflegedienste seit langem ein Dorn im Auge sind? Haben nicht genau diese selbst immer wieder darauf hingewiesen und mehr Kontrollen verlangt, damit es nicht zu solchen Vorfällen kommt, wie im Artikel geschildert? 

Es ist unbestritten, dass es in Deutschland, wie auch in allen anderen Ländern der Welt, Menschen gibt, die einen erheblichen medizinischen und pflegerischen Versorgungsaufwand benötigen, um nicht zu sterben. Hierzulande finanzieren diesen die Krankenkassen. Dass die Anzahl der schwerstpflegebedürftigen Menschen in den letzten Jahren so dramatisch angestiegen ist, hat viele Ursachen. Wir haben immer mehr medizinische Möglichkeiten und über die DRGs in den Kliniken gibt es einen Anreiz, schwerstkranke Menschen zu versorgen. Ich verwehre mich – und hier spreche ich für die Mehrheit der in der außerklinischen Beatmung tätigen Berufsgruppen – gegen die Unterstellung, dass schwerstkranke Menschen "nur" aus monetären Interessen heraus versorgt würden.

Die Pflege eines Menschen, der nicht mehr eigenständig atmen kann, gehört zu den aufwändigsten, schwierigsten, mit hohem Risiko behafteten und verantwortungsvollsten Aufgaben, die man übernehmen kann. Findet die Versorgung außerhalb einer Klinik statt, erhöhen sich all diese Faktoren um ein Vielfaches, da die klinische Infrastruktur fehlt.

Den Berufsgruppen, die in der außerklinischen Intensivversorgung arbeiten, inzwischen mit einer enervierenden Regelmäßigkeit vor Augen zu führen, in was für einem "kaputten, korrupten und geldgetriebenen Bereich" sie arbeiten, zerstört die Motivation der Pflegekräfte, schreckt junge Menschen ab, diesen Beruf zu wählen und verunsichert betroffene Menschen und ihre Angehörigen zutiefst. Kaum war die SZ im Briefkasten, klingelte mein Nachbar an unserer Haustür und überreichte den Artikel meiner Frau mit den Worten: "Frau Jaschke, da sehen Sie, in was für einem üblen System Ihr Mann arbeitet!"

Den vielen tausend betroffenen Menschen, die eine dauerhafte Beatmung benötigen, und den vielen zehntausenden Menschen, die diese pflegen und umsorgen, würde es deutlich besser tun, wenn im Rahmen von interdisziplinären Konferenzen intelligente neue Versorgungsmodelle entwickelt würden, damit wirklich alle Menschen, die auf Beatmung angewiesen sind, überhaupt versorgt werden können. Außerklinische Intensivpflege ist überaus komplex und abhängig von den individuellen Bedarfen eines jeden Einzelnen. 

Ist nicht das Leben das Wertvollste, das jeder Mensch hat! Es trägt nie und nimmer ein Preisschild!

Es ist bedauerlich, wenn der Öffentlichkeit suggeriert wird: "Wünsche der Patienten spielen bei der Pflege kaum eine Rolle". Eine solche Pauschalisierung wird der Realität einfach nicht gerecht. Wenn Wünsche auf der Strecke bleiben, dann allzu oft aufgrund des Fachkräftemangels. Die häusliche 1:1-Versorgung wird zunehmend schwierig und das Führen eines selbstbestimmten Lebens in Wohngemeinschaften steht auf dem Spiel. Hier müssen völlig neue Versorgungsmodelle entwickelt werden, dass man diesem Anspruch (noch) gerecht werden kann. Und es bedarf neuer Konzepte, damit Familien mit einem schwerstkranken Kind mehr Unterstützung erfahren. Die Beschäftigung mit den sogenannten "schwarzen Schafen" lenkt uns von diesen immer drängenderen Fragen ab. 

Christoph Jaschke, Marketingmanager & Pressesprecher der Deutschen Fachpflege Gruppe

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