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Verfasst von: Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe

Wohngemeinschaften für Intensivpatienten sind wichtig

23.05.2018

Die Sendung "Funkstreifzug" vom 5. Mai 2018 im Bayerischen Rundfunk beschäftigte sich mit Missständen in der außerklinischen Intensivpflege, insbesondere in Wohngemeinschaften. Gute Wohngemeinschaften für Intensivpatienten sind wichtig und die weitaus bessere Alternative gegenüber der stationären Versorgung.

Es gibt leider Leistungsanbieter ambulanter Intensivpflege, die nur möglichst hohe Gewinne anstreben und deshalb an der Qualität und am Fachpersonal sparen. Im Umkehrschluss habe ich in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass Qualität ihren Preis hat. Und wenn Leistungsanbieter außerklinischer Intensivpflege qualitätsbewusst arbeiten, dann sind die hohen Summen gerechtfertigt, die die Krankenkassen für eine Versorgung zahlen, denn sie kommen dem Versicherten zugute. Die im "Funkstreifzug" genannten 30.000 Euro pro Monat gelten allerdings für einen beatmeten Klienten in einer 1:1-Versorgung, wo ca. 730 Stunden Dienstleistung pro Monat erbracht werden. In Wohngemeinschaften sind die Kosten niedriger.

Die vielen Wohngemeinschaften für Intensivpatienten sind primär nicht, wie das der Ex-Landrat mit dem Begriff "Gelddruckmaschine" suggerieren möchte, einzig und allein entstanden, um Gewinne zu machen, sondern weil es schlichtweg nicht mehr genügend Fachkräfte gibt, um jeden Klienten 1:1 in der Häuslichkeit zu pflegen. Auch die Krankenkassen bevorzugen aus Kostengründen Wohngemeinschaften; dennoch darf das Recht eines jeden Menschen, zu entscheiden, wann, wo und von wem er versorgt werden möchte, nicht sukzessive ausgehebelt werden. Leistungserbringer sind aber in Zeiten des Pflegenotstands über die Verlagerung ihrer Dienstleistung in Wohngemeinschaften eher in der Lage, adäquat zu versorgen. Dass die Krankenkassen in WGs vielfach nur noch einen Personalschlüssel von 1:3 bewilligen, ist für die betroffenen Menschen oft tragisch. Beispielsweise wollen junge Menschen etwas lernen, einem Beruf nachgehen und etwas erleben. Das können sie aber nicht ohne eine Pflegekraft, die sie begleitet.

Welche Alternativen gäbe es denn zu den Intensivpflege-WGs? Es gibt zahlreiche Wohngemeinschaften, in denen sich die Bewohner wohl und sicher fühlen und in denen das Gremium der Selbstbestimmung bzw. die Mitbestimmung der Bewohner tadellos funktioniert. Selbst wenn die Belastung mit einem intensivpflegebedürftigen Angehörigen hoch ist, appelliere ich an Familienangehörige, gesetzliche Betreuer und Freunde des Betroffenen, sich hier zu engagieren. Sie dürfen die Verantwortung nicht völlig an den Leistungserbringer abgeben.

Die Nachfrage nach freien Plätzen in Wohngemeinschaften übersteigt bei weitem das Angebot. Aus den Kliniken werden die Menschen entlassen, sobald die DRGs für sie abgerechnet wurden oder die Intensivbetten gebraucht werden. Wer es bis zur Entlassung aus der Klinik nicht schafft, vom Respirator entwöhnt zu sein, muss trotzdem nicht ein Leben lang auf Beatmung angewiesen sein. Vielfach ist es aber so, weil die Entlassung oft nicht durch einen Facharzt erfolgt und weil an dieser wichtigen Schnittstelle keine Früh-Reha und/oder weitere Maßnahmen zur Entwöhnung vom Beatmungsgerät verordnet werden. Zudem wäre viel mehr Geduld mit den Menschen notwendig, bei denen die Entwöhnung nicht auf Anhieb klappt. Auch im außerklinischen Bereich fehlen Ärzte, die die richtigen Verordnungen ausstellen, nach denen sich die Pflegedienste richten müssen. Diese können nicht eigenmächtig mit ihren Klienten tun und lassen, was sie wollen! Ein beatmeter Mensch, der in einer WG lebt, muss regelmäßig in einem Zentrum vorgestellt werden, das prüft, ob es Weaningpotenziel gibt. Auch in dieser Sendung wird nicht erwähnt, dass Pflegedienste laut S2k – Leitlinie "Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz", Revision 2017, nur in enger Zusammenarbeit mit Fachärzten und Therapeuten Versuche des Weanens durchführen dürfen. Es ist also zu kurz gesprungen, allein die Pflege in die Pflicht nehmen zu wollen und sie gänzlich für die Missstände in der außerklinischen Intensivpflege verantwortlich zu machen. Das Thema ist weitaus komplexer, und derart reißerische Aussagen wie die von Herrn Nentwig sind eher kontraproduktiv. Dieser ist herzlich eingeladen, einen Blick in unsere WGs zu werfen und mit den Bewohnern dort zu sprechen. Sie werden bestätigen, dass Wohngemeinschaften vom Lebensumfeld her die weitaus bessere Alternative gegenüber der Versorgung in einem Krankenhaus sind.

Link zur Sendung, auf die hier Bezug genommen wird: https://www.heimbeatmung.com/kontakt/klartext/meldung.html?tx_news_pi1%5Bnews%5D=302&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=d876d9b0829eddc8a6435f9905faea01

Christoph Jaschke
Marketingmanager & Pressesprecher
Deutsche Fachpflege Gruppe
www.deutschefachpflege.de

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