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Verfasst von: Christoph Jaschke, Deutsche Fachpflege Gruppe

Zukunftsaufgabe Weaning

20.01.2019

20 bis 50 Prozent der Patienten, die mit Beatmungskanüle die Klinik verlassen, hätten laut Expertenmeinung gute Chancen, wieder von den Maschinen loszukommen, heißt es in dem Artikel "GEFESSELT AN DIE MASCHINE" von Kristiana Ludwig in Süddeutsche Zeitung vom 5./6.1.2019. Der Autorin ist zugute zu halten, dass sie auch selbstkritische Vertreter*innen der Fachmedizin zu Wort kommen lässt. Es ist bekannt, dass die Kliniken, und oftmals nicht einmal Fachärzte, immer neue Beatmungspatienten entlassen, im Vertrauen darauf, "draußen" würden sie dann schon versorgt. Doch stößt die außerklinische Intensivpflege immer mehr an ihre Grenzen.

Ich halte die Auseinandersetzung mit diesem Sachverhalt und dem Weaning für wichtig. Die Entwöhnung von der Beatmungsmaschine ist zweifelsohne ein Zukunftsthema. In der S2k-Leitlinie "Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz, Revision 2017" ist nachzulesen: "Wenn die Diagnose ‚erfolgloses Weaning‘ korrekt gestellt worden ist, zeigt sie an, dass zum Entlassungszeitpunkt kein Weaningpotential mehr vorhanden ist." Darauf haben sich die Pflegedienste, und sie tun es noch immer, lange Zeit kritiklos verlassen. Pflege ist nun einmal nicht befugt, ärztliche Entscheidungen und Verordnungen in Frage zu stellen!

Trotzdem scheinen es Pflegedienste früher immer wieder versucht zu haben, außerklinisch vom Beatmungsgerät zu entwöhnen oder es wurde die Empfehlung ausgesprochen: "Dann versucht es doch zuhause!" Warum sonst wurde in der Leitlinie explizit darauf hingewiesen: "Beatmungsentwöhnungsversuche sollten im außerklinischen Bereich wegen mangelnder wissenschaftlicher Evidenz und aus Gründen der Patientensicherheit jedoch unterbleiben; insbesondere auch, weil im Weaningprozess oftmals invasive diagnostische und therapeutische Maßnahmen erforderlich sind, die im außerklinischen Bereich in der Regel nicht zur Verfügung stehen. Eine Entlassung in die invasive außerklinische Beatmung mit dem primären Ziel einer Beatmungsentwöhnung ist obsolet (Randerath et al., 2011; Schönhofer et al., 2014b)", ist also "veraltet, nicht mehr gebräuchlich".

Ich glaube, dass nun eine Phase beginnt, in der sich die Qualität eines Unternehmen in der außerklinischen Intensivpflege bald wieder sehr viel mehr daran zeigen wird, wie sehr es sich im Bereich des Weanens engagiert. Nur richtig und leitliniengetreu! Konkret wird dies daran festgemacht werden, ob ein Pflegedienst 

  1. durch "aktivierende Pflege und die zielgerichtete Fortsetzung supportiver Therapiemaßnahmen die Erlangung von künftigem Weaningpotential" unterstützt,
  2. eine auch die Psyche so stabilisierende Pflegesituation bietet, dass der Betroffene so viel Mut und Selbstvertrauen entwickelt, sich dem nächsten Weaningversuch unter fachärztlicher Aufsicht zu stellen
  3. seine Klient*innen regelmäßig in einem Zentrum für außerklinische Beatmung vorstellt und dies nachweisen kann,
  4. so kompetente Pflegekräfte hat, dass diese selbständig Weaningpotenzial erkennen können,
  5. Personal freistellt, das sich vor allem der Unterstützung des Weanings widmet, auch über längere Zeit. 

Für all dies gab es in der Vergangenheit seitens der Leistungsträger keinerlei Anreize. Und weniger denn je kann es sich bei immer knapperen Personalressourcen ein Pflegedienst leisten, Pflegekräfte für langwierige und zeitaufwändige Weaning unterstützende Maßnahmen freizustellen. Doch genau dies wäre notwendig. Deshalb brauchen wir neue Versorgungs- und auch das Weaning fördernde Konzepte. Denn es gibt nicht nur einen eklatanten Fachkräftemangel, sondern auch viel zu wenig Ärzte, die sich mit außerklinischer Beatmung auskennen, und viel zu wenig Zentren für außerklinische Beatmung. Hier könnte telemedizinische Unterstützung hilfreich sein.

Ich persönlich würde einen Schulterschluss der außerklinischen Intensivpflege mit fachärztlichen Zentren für außerklinische Beatmung im Interesse der Menschen sehr begrüßen. Außerdem sollten die frisch vom Beatmungsgerät entwöhnten Menschen und ihre Angehörigen Hilfestellungen erhalten, z.B. bei der Wohnungssuche, wenn sie die eigene Wohnung schon aufgegeben haben.

Christoph Jaschke, Marketingmanager & Pressesprecher Deutsche Fachpflege Gruppe

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