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Auch nachts im Einsatz

01.10.2007

Die Kunden und ihre Ansprüche an das Dienstleistungsangebot ambulanter Pflegedienste verändern sich. Weit oben auf der Bedarfsliste stehen nächtliche Einsätze. Die ambulante Nachtpflege, alsBereitschaftsdienst oder echter Nachtdienst, ist zweilfelos eine Leistung mit Zukunft, wenn nicht sogar eine Notwendigkeit, um auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben. Von Stephan Dzulko. Neue Kunden zu gewinnen und bestehendes Klientel zu sichern, erweist sich für immer mehr Pflegedienste als Schwierigkeit. Es wird in diesem Zusammenhang viel über die osteuropäische Konkurrenz geschimpft, die - teils legal, teils illegal - mit extrem niedrigen Preisen den Markt überschwemmt. Tatsache ist jedoch, dass der Markt hier nur auf einen sich verändernden Bedarf reagiert. Heute sind mehr und mehr Leistungen gefragt, die in den vergangenen Jahren kaum Abnehmer fanden und die von den meisten Pflegediensten auch nicht angeboten werden. Dies betrifft neben dem großen Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen und allen denkbaren Betreuungsleistungen auch so konkrete Leistungen wie nächtliche Einsätze durch einen vorgehaltenen Bereitschaftsdienst oder gar als echten Nachtdienst. Die meisten Pflegedienste sind heute noch bestrebt, die Spättouren spätestens gegen 22:00 Uhr enden zu lassen, obwohl das heutige Klientel es oft gewohnt war und ist, sehr viel später zu Bett zu gehen. Auch besteht - zum Beispiel durch die stetig steigende Zahl demenziell erkrankter Personen im Klientel oder auch aufgrund immer früherer Entlassungen aus dem Krankenhaus mit z. T. erheblichen Nachsorgebedarf - ein steigender Bedarf an nächtlichen Einsätzen oder gar an nächtlicher Betreuung. In der onkologischen Versorgung sowie im Bereich der Palliativversorgung nimmt der Bedarf an Versorgung "zu ungünstigen Zeiten" ebenfalls stetig zu. In der Regel organisieren Pflegedienste solche Leistungen nur auf Anfrage im Einzelfall und dann auch eher ungern und häufig zu Preisen, die entweder nicht kostendeckend oder nicht bezahlbar sind (z. B. Individualnachtwachen). Dies liegt einerseits daran, dass es für einen einzelnen Pflegedienst schwierig ist, ausreichend Klientel mit entsprechendem Bedarf zu generieren, um einen Nachtdienst wirtschaftlich anbieten zu können, andererseits aber auch daran, dass man sich häufig scheut, althergebrachte und bewährte Denkschemata und Organisationsstrukturen zu durchbrechen und neue Wege zu gehen. Aufgrund des sich ändernden Bedarfes ist die ambulante Nachtversorgung, entweder als Bereitschaftsdienst oder als echter Nachtdienst, zweifellos eine Leistung mit Zukunft - voraussichtlich sogar eine zwingende Notwendigkeit, will ein Pflegedienst auf Dauer am Markt bestehen. Doch wie ist das Kostenproblem, das zwangsläufig durch die recht hohen Vorhaltekosten entsteht, zu lösen? Zunächst gilt es festzustellen: Es hat sich als sinnvoll erwiesen, beim Angebot der Nachtpflege mit mehreren Pflegediensten zusammenzuarbeiten. Häufig ist dies der einzige Weg, um eine sinnvolle Auslastung zu erreichen. Es kann nur dazu geraten werden, endlich das im ambulanten Bereich vielerorts vorhandene, jedoch äußerst hinderliche Konkurrenzdenken zu Gunsten einer höheren Wirtschaftlichkeit aufzugeben. Auch im ambulanten Bereich muss heute dem sogenannten Vernetzungsgedanken ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Dies bedeutet in der Praxis, dass z. B. mehrere Pflegedienste innerhalb eines Einzugsgebietes miteinander kooperieren und jeweils eine spezielle Leistung auch für die anderen Pflegedienste vorhalten. Die Abrechnung mit den Kunden erfolgt in diesem Fall jeweils mit dem ursprünglich den Kunden versorgenden Pflegedienst, der seinerseits die Leistungen des Kooperationspartners bezahlt. Der einzelne Pflegedienst kauft sich also Leistungen, die er anbieten möchte oder muss, aber nicht selbst wirtschaftlich erbringen kann, beim Kooperationspartner ein. Das Angebot der nächtlichen Versorgung oder zumindest eines entsprechenden Bereitschaftsdienstes ist auch für den Bereich des Betreuten Wohnens und für die Konzepte des "Betreuten Wohnens Daheim" oder des "Dezentralen Betreuten Wohnens" gut nutzbar. Der Kunde des Betreuten Wohnens erwartet heute die Sicherheit, im Bedarfsfall (und dies bedeutet eben auch nachts) seinem Bedarf entsprechend versorgt zu werden. Kann er sich diese Sicherheit bei den ortsansässigen Pflegediensten nicht zu realistischen Preisen einkaufen, bleibt ihm nur der Weg zu bundesweit operierenden Pflegediensten, Vermittlungsagenturen oder die Inanspruchnahme von illegalen Kräften. Eine solche Kooperation kann neben der nächtlichen Versorgung natürlich auch weitere Leistungen, wie das "Essen auf Rädern", die Notrufversorgung, Betreuungsleistungen sowie das Vorhalten weiterer spezieller Leistungen beinhalten. Der große Vorteil für die beteiligten Pflegedienste liegt darin, dass der einzelne Pflegedienst so eine Vielzahl spezieller Leistungen anbieten kann, ohne diese alle selber organisieren und vorhalten zu müssen. Dennoch kann mit diesen Leistungen entsprechend geworben werden, ohne dass für alle diese Leistungen Vorhaltekosten entstünden. Umgekehrt kann der Kooperationspartner durch höhere Auslastung ein wirtschaftlich tragfähiges und sinnvolles Leistungsangebot erreichen. Erfolgreiche Kooperationen bauen auf vertrauensbildenden und präzisen vertraglichen Regelungen auf, die verhindern, dass im Rahmen der Tätigkeit von Kooperationspartnern bei den eigenen Kunden eines Pflegedienstes, der Kooperationspartner die Gelegenheit der Kundenkontakte für Abwerbeversuche nutzt. Die Sorge hiervor ist der am häufigsten genannte Grund dafür, dass Pflegedienste nicht enger zusammenarbeiten. Auf Dauer schaden sich aber diejenigen Pflegedienste nur selbst, die es als Alternative sehen, alle Leistungen selbst zu organisieren oder bestimmte Leistungen aufgrund hoher Vorhaltekosten gar nicht anzubieten. Ein weiterer Grund für die mangelnde Kooperationsbereitschaft liegt darin, dass die meisten Pflegedienste glauben, die Leistung beim Kunden - zumindest sofern sie mit der Kranken- oder Pflegekasse abgerechnet wird - müssten immer durch Mitarbeiter des eigenen Pflegedienstes erbracht werden. Tatsächlich aber sind - nach den entsprechenden Bundesvorschriften - im Rahmen des SGB XI Kooperationen erlaubt, auch wenn sie im pflegerischen Bereich ggf. nur zwischen zugelassenen Pflegediensten zulässig sind. Im Bereich der Hauswirtschaft sind auch Kooperationen mit nicht zugelassenen Diensten möglich. Die Leistung erfolgt in diesen Fällen durch den Kooperationspartner, die Abrechnung gegenüber den Leistungsträgern aber durch den den Auftrag erteilenden Pflegedienst. Die Verantwortung für die Leistung und deren Qualität verbleibt allerdings nach den einschlägigen Vorschriften (z. B. Grundsätze und Maßstäbe zur Qualität und Qualitätssicherung nach § 80 SGB XI) beim auftraggebenden Dienst. Dies bedingt, dass auch entsprechende qualitätssichernde Maßnahmen im Rahmen der Kooperationsvereinbarung verbindlich geregelt werden. Im Einzelfall sollten aber vor Eingang einer Kooperation noch die entsprechenden landesrechtlichen Regelungen (z. B. Landesrahmenvertrag nach § 75 SGB XI) geprüft werden, da zur Kooperation durchaus unterschiedliche Einzelregelungen existieren. So ist die Kooperation beispielsweise in vielen Ländern den Landesverbänden der Pflegekassen vorab schriftlich und unter Vorlage des Kooperationsvertrages anzuzeigen. Auch sind die Kooperationen so auszugestalten, dass es zu keinem Konflikt mit dem Recht der Arbeitnehmerüberlassung kommt. Achtung: Im Bereich des SGB V sind solche Kooperationen in vielen Landesrahmenverträgen nicht vorgesehen. In diesem Fall muss die Absicht der Kooperation zwingend vorab mit den entsprechenden Krankenkassen abgesprochen werden. Sollte im Einzelfall - was leider auch vorkommt - eine Krankenkasse nicht die nötige Flexibilität für das Beschreiten solch neuer Wege besitzen, besteht im Einzelfall immer die Möglichkeit der Nutzung des persönlichen trägerübergreifenden Budgets (Informationen im Internet: www.projekt-persoenliches-budget.de/cms/). Im Falle des Budgets kann der Versicherte sich von der Krankenkasse einen zu vereinbarenden Betrag für die auf Dauer bestehenden Leistungen der Behandlungspflege auszahlen lassen und seinerseits hiervon den Pflegedienst bezahlen. Das einzige Limit, das die Krankenkasse bei der Vereinbarung über den dem Versicherten zu zahlenden Betrag zu beachten hat, ist der Betrag, den der Pflegedienst bei Direktabrechnung mit der Krankenkasse erhielte. Dieser Betrag darf im Rahmen der Budgetvereinbarung nicht überschritten werden. In diesem Zusammenhang ist auch zu überlegen, ob nicht die Inanspruchnahme des persönlichen trägerübergreifenden Budgets gerade in den Fällen, in denen umfassendere Leistungen (z. B. nächtliche Leistungen oder Leistungen im Rahmen eines Bereitschaftsdienstes) - auch nach dem SGB XI - zu erbringen sind, sinnvoll ist. Im Bereich des SGB XI erhält der Pflegebedürftige im Rahmen des Budgets einen Gutschein in Höhe des ihm zustehenden Sachleistungsbetrages der jeweiligen Pflegestufe, der zur Inanspruchnahme von zugelassenen Pflegediensten berechtig. Der Vorteil besteht u. a. darin, dass die Leistungen - soweit es sich um solche im Rahmen des SGB XI handelt - und deren Preise frei vereinbart werden können. Die Leistungskomplexsysteme, die bei diesem Klientel häufig eher hinderlich denn sinnvoll sind, können in diesem Fall vom Pflegebedürftigen und vom Pflegedienst außer Acht gelassen werden. Dies schafft ggf. die notwendige Flexibilität, die erforderlich ist, um den Pflegebedürftigen wirklich bedarfsgerecht zu versorgen. Nachdem die Kranken- und Pflegekassen in der Vergangenheit den meisten Versicherten den Zugang zum Budget - trotz anderslautender Rechtsvorschriften - verweigert haben, hat der Kunde ab dem 1. Januar 2008 einen Rechtsanspruch auf Ausführung der auf Dauer notwendigen Leistungen in Form des persönlichen Budgets. Auch besteht durchaus die Möglichkeit ein sogenanntes Teilbudget zu beantragen, so dass z. B. der Bereich der SGB V-Leistungen ggf. althergebracht verordnet und abgerechnet wird und lediglich die Leistungen des SGB XI und evtl. des SGB XII über das Budget erbracht werden. Auf den ersten Blick scheint der Verwaltungsaufwand bei der Nutzung des Budgetansatzes insgesamt recht groß. Sieht man aber genauer hin, überwiegen die wirtschaftlichen Vorteile des Budgets bei weitem. Aufgrund der sich ändernden Bedarfe von Kunden, denen die klassischen Leistungen der ambulanten Pflegedienste in vielen Fällen nicht mehr ausreichen, sind diese künftig gezwungen, weitergehende Leistungsangebote zu schaffen und flexiblere und umfassendere Leistungen anzubieten. Durch die Einführung der spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung als Pflichtleistung der Krankenkassen erschließt sich ein weiterer Bereich, der zu Kooperationen geradezu herausfordert, da die gesetzliche Regelung vorsieht, dass die Vertragsvergabe bedarfsgesteuert erfolgt. Nachdem also auf Bundesebene die Kriterien für die Bedarfsermittlung festgelegt worden sind, werden nur so viele "Palliative-Care-Teams" zugelassen, wie der Bedarf vorsieht. Eine weitere Chance für eine wirtschaftliche Auslastung ergibt sich in diesem Bereich dadurch, dass auch im stationären Pflegebereich die Palliativ-Versorgung durch diese ambulanten Teams erfolgen kann, sofern das Pflegeheim keinen eigenen Palliative-Care-Vertrag mit den Krankenkassen geschlossen hat. Es kann durchaus sinnvoll sein, die Palliativ-Versorgung bzw. die entsprechende Personal- und Bereitschaftsvorhaltung auch des Nachts mit einer allgemeinen Pflegebereitschaft zu koppeln. Hierdurch wird das Angebotsspektrum wesentlich erweitert. Eine weitere Möglichkeit zur Auslastung und natürlich auch zur Refinanzierung von nächtlichen Dienstleistungsangeboten besteht im Rahmen der integrierten Versorgung. Nachdem im Rahmen der Gesundheitsreform der komplette Bereich des SGB XI in die integrierte Versorgung mit einbezogen wurde, macht es auch für Pflegedienste verstärkt Sinn, sich mit diesem Bereich auseinanderzusetzen. Es muss allerdings klar sein, dass der Abschluss entsprechender integrierter Versorgungsverträge eine entsprechende Spezialisierung auf das jeweilige Fachgebiet erfordert. Dies kann sich - vor allem im ländlichen Bereich - aus wirtschaftlichen Gründen durchaus als schwierig erweisen. Festzuhalten bleibt, dass der sich ändernde Bedarf (einerseits mehr medizinische ambulante Leistungen und Versorgungen - andererseits ein höherer Bedarf an umfassenden Betreuungsleistungen, ggf. bis hin zur Übernahme der Gesamtverantwortung und Gesamtsorge für den Kunden) sogar schon auf kurze Sicht hin ein Angebot an nächtlichen Versorgungsleistungen unabdingbar macht; das gilt auch vor dem Hintergrund der Konkurrenz aus Osteuropa. Problem: Für einen Pflegedienst allein ist es wirtschaftlich sehr riskant, ein Nachtpflegeangebot vorzuhalten. Ohne einen garantierten Stamm an Kunden, die regelmäßig in der Nacht versorgt werden müssen, rechnet sich das Angebot nicht. Lösung: Es lohnt darüber nachzudenken, mit anderen Diensten beim Thema Nachtpflege zu kooperieren. Mit einem Kooperationspartner, der z. B. ausschließlich Nachtpflege anbietet (siehe Praxis-Porträt), muss man nicht befürchten, dass dieser einem Kunden am Tag abwirbt. Gemeinsam lässt sich ein ganzheitliches Angebot Häuslicher Pflege auf die Beine stellen, das auch zu "ungünstigen Zeiten" den Kunden erreicht. stellv. Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) e. V. , E-Mail-Kontakt: Dzulko@Exact-GmbH.de Ausschließlich Häusliche Nachtpflege bietet der Pflegedienst "Ambulante Nachtpflege Daheim" in Heidelberg an. Die Leistungen des Dienstes hat Geschäftsführer Joachim Jekel von Beginn an bewusst als Kooperationsangebot an andere (Tages-)Pflegedienste konzipiert und kommuniziert - mit Erfolg: Neun andere Pflegedienste kooperieren heute mit dem Nachtpflegedienst, der zurzeit Nacht für Nacht rund 25 Kunden versorgt. Von Darren Klingbeil. Der Verdacht, es könne darum gehen, anderen Pflegediensten Kunden abspenstig zu machen, sollte gar nicht erst aufkommen. "So fiel der Entschluss schnell, eine Firma zu gründen, die nur Nachtpflege anbietet, um das Angebot überhaupt erst Tagesdiensten als Kooperationsmöglichkeit anbieten zu können", blickt Joachim Jekel zurück - auf das Jahr 1995. Damals, die Pflegeversicherung war eingeführt, arbeitete Jekel noch für einen (Tag-)Pflegedienst. Um Pflegestufe-III-Kunden versorgen zu können, mussten Pflegedienste von nun ab gewährleisten, auch Nachtpflege anbieten zu können. "Dass der Bedarf da war, stand außer Frage. Nur wurde der damals noch nicht so klar formuliert! Viele Patienten und Angehörige hatten sich daran gewöhnt, dass nach 20:00 Uhr kein Pflegedienst mehr kommt", beschreibt Krankenpfleger und Sozialbetriebswirt Jekel die Situation vor zwölf Jahren. Jekel gründete mit einem Kollegen die "Ambulante Nachtpflege Daheim". Der frei-gemeinnützige Pflegedienst - er ist korporatives Mitglied der Arbeiterwohlfahrt (AWO) - wuchs schnell. Schon nach nur zwei Jahren beschäftigte der Dienst sechs Mitarbeiter. Heute sind es 17 Pflegefachkräfte, die Nacht für Nacht in rund 35 bis 40 Einsätzen zurzeit rund 25 Kunden versorgen. "Wir wollen ein ganzheitliches Angebot Häuslicher Pflege gewährleisten, das nicht zwischen 20:00 und 06:00 Uhr unterbrochen ist, sondern bei Bedarf rund um die Uhr abrufbar ist", sagt Jekel. Mit diesem Konzept liegt er offenbar richtig. Den Erfolg des Dienstes sieht er zum Großteil darin begründet, dass viele andere Pflegedienste den kundenorientierten Ansatz ganzheitlicher Hilfe mitgetragen haben und bis heute mittragen. So ist die Zahl der mit dem Nachtpflegedienst kooperierenden Pflegedienste auf mittlerweile neun angewachsen. Das sichert einerseits dem Nachtpflegedienst einen ausreichend großen Kundenstamm. "Aufgrund der Vielfalt der Kooperationspartner können wir sicher sein, dass wir zu unseren Patienten kommen", erklärt Joachim Jekel. Andererseits profitieren die Tagpflegedienste: Sie müssen kein eigenes Nachtpflegeangebot vorhalten, verlieren aber auch Kunden nicht an stationäre Einrichtungen, wenn plötzlich Einsätze in der Nacht erforderlich werden, denn dann können sie auf den Kooperationspartner verweisen. Die Palette der Dienstleistungen, die der Nachtpflegedienst im Stadtgebiet Heidelberg, den einzelnen Stadtteilen, im Stadtgebiet Schwetzingen und den umliegenden Gemeinden anbietet, reicht von Grundpflege, über Häusliche Krankenpflege und Sicherheitsbesuchen bis hin zu Nachtwachen und Palliativ-Versorgung. Zunehmend versorgt der Dienst auch jüngere, körperbehinderte Menschen und psychisch kranke Personen. Die Einsätze nach 20:00 Uhr sind für viele ältere Menschen genauso wie für junge Kunden eine wichtige Möglichkeit, einen Teil des gewohnten Lebensrhythmus beizubehalten. "Viele Kunden möchten abends noch etwas unternehmen, werden später nach Hause gebracht und sind froh, dass sie auch dann noch von uns ins Bett gebracht werden. Viele Menschen sagen uns, dass sie froh sind, dass ihnen so ein Stück Normalität erhalten bleibt", berichtet Geschäftsführer Jekel. Auch pflegende Angehörige schätzten das Nachtpflegeangebot, ergänzt Pflegedienstleitung Silke Wetzel: "Leider beauftragen uns viele Angehörige erst, wenn es schon fast zu spät ist! Wenn sie dann sehen, welche Entlastung es ist, dass sie selbst nicht in der Nacht rausmüssen, sind viele sehr dankbar." Auch Nachtwachen zählen zum Leistungsangebot des Dienstes, die in akuten Krankheitsphasen und bei Sterbebegleitungen nachgefragt werden. Im Laufe der letzten Jahre wachse zudem die Nachfrage im Bereich Palliativ-Versorgung, stellt PDL Silke Wetzel fest. Auf diesen Bedarf hat der Dienst reagiert und drei Mitarbeiter zu Palliative-Care-Fachkräften weiterbilden lassen - in der Hoffnung auf eine baldige praxisnahe Umsetzung des seit 1. April 2007 geltenden Rechtsanspruchs gesetzlich Versicherter auf ambulante Palliativ-Versorgung nach SGB V, wie Wetzel und Jekel betonen. Denn mit einer am Bedarf der Betroffenen orientierten Umsetzung dieses Rechtsanspruches - der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erarbeitet zurzeit die von der Branche mit Spannung erwarteten Richtlinien - könnte der Nachtpflegedienst auf eine weitere Möglichkeit der gesetzlichen Refinanzierung seiner Leistungen zurückgreifen. Zumindest für Kunden in der Palliativversorgung hätte das Entlastungen bei den privaten Zuzahlungen für Leistungen zur Folge. Denn das Thema der Refinanzierung der nächtlichen Pflege- und Betreuungsleistungen ist insgesamt schwierig. 30 (wochentags) bis 33 Euro (am Wochenende) stellt der Pflegedienst pro Einsatzstunde seiner Fachkräfte in Rechnung. "Was möglich ist, versuchen wir über die gesetzlichen Kostenträger zu refinanzieren", unterstreicht PDL Silke Wetzel. Dabei kläre sie die Kunden über die verschiedenen Refinanzierungsansprüche (z. B. Verhinderungspflege [§ 39 SGB XI] und nierdrigschwellige Betreuungsleistungen [§ 45 SGB XI]) auf, um den Eigenkostenanteil so gering wie möglich zu halten. Trotzdem mache dieser durchschnittlich 60 Prozent der Rechnungssumme aus, sagt Geschäftsführer Jekel. "Und die finanziellen Mittel vieler unserer Kunden sind begrenzt, das ist ein Problem", stellt Silke Wetzel fest. Zu den rein privat zu tragenden Leistungen zählen beispielsweise auch die sogenannten Sicherheitsbesuche, bei denen ein Mitarbeiter nur nachts beim Kunden vorbeischaut, ob alles in Ordnung ist. Ein Sicherheitsbesuch dauert durchschnittlich zehn Minuten und kostet zwölf Euro. Wie in der PalliativVersorgung steige auch die Nachfrage nach Sicherheitsbesuchen, sagt Wetzel. Häusliche Nachtpflege verlangt von Einsatzleitung und Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität. Dass Patienten sehr kurzfristig aus dem Krankenhaus entlassen werden, häufe sich genauso, wie die plötzlich erforderliche Organisation von Einsätzen, wenn Angehörige sofort Hilfe bräuchten, weil sie am Ende ihre Kräfte sind, sagt Silke Wetzel. "Einsätze müssen heute häufiger als früher auch über den Bereitschaftsdienst organisiert werden", sagt sie. Eine Einschätzung, die Krankenpfleger Steffen Rieger teilt: "Zunehmend wenden sich Kunden auch an den Bereitschaftsdienst und fragen an, ob bestimmte Dinge kurzfristig auf der Tour berücksichtigt werden können." Rieger ist seit 2001 als Krankenpfleger in Teilzeit beim Heidelberger Nachtpflegedienst beschäftigt. Neben regelmäßigen Einsätzen in einer der zurzeit drei kurzen Touren (20:00 bis 24:00 Uhr) des Pflegedienstes bzw. in der langen Tour (die ganze Nacht) hat er auch regelmäßig Bereitschaftsdienst, über den die Kunden zu jeder Zeit einen Mitarbeiter des Pflegedienstes erreichen können. Neben der Bereitschaft zur Flexibilität ist die Abstimmung mit den kooperierenden Tagesdiensten eine der organisatorischen Herausforderungen, denen sich die Leitung des Nachtpflegedienstes zu stellen hat. Regelmäßig sind Einzelgespräche mit den neun Pflegediensten zu führen und im Einzellfall darüber hinaus spontan Abstimmungen vorzunehmen, wenn etwa Patienten kurzfristig neu aufgenommen werden müssen. "Das nimmt viel Zeit in Anspruch und erfordert Organisationsgeschick", weiß Silke Wetzel. Häusliche Nachtpflege erfordert von den Mitarbeitern auch viel Eigenverantwortung. Denn in der Nacht sind ambulante Pflegekräfte noch viel mehr auf sich allein gestellt, als dies schon am Tage der Fall ist. "Deswegen arbeiten bei uns auch nur dreijährig examinierte Kräfte, die über Berufserfahrung verfügen", sagt Joachim Jekel. Schwierig sei es nicht, Mitarbeiter für die Pflege in der Nacht zu finden - neun Jahre sei es her, dass er eine Stellenanzeige habe aufgeben müssen. Krankenpfleger Steffen Rieger schätzt die Möglichkeit, in den späten Abendstunden und in der Nacht arbeiten zu können, denn er studiert zurzeit und so ließen sich Arbeit und Studium gut kombinieren. Auch für Frauen, die etwa nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten wollen, sei die Arbeit in der Nacht eine Alternative zum Tagdienst. Ein weiterer Vorteil der Nachtarbeit seien die steuerfreien Nachtzuschläge, erklärt Steffen Rieger. "Und wir zahlen die höchsten Zuschläge, die gesetzlich möglich sind", sagt Silke Wetzel. Etwa die Hälfe der Mitarbeiter der "Ambulanten Nachtpflege Daheim" sind Frauen. Noch nie sei eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter nachts angegriffen worden, berichtet Joachim Jekel. Damit das so bleibt, hat der Dienst Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Die Dienstautos sind unbeschriftet und der Fuhrpark ist mit verschiedenen Marken bestückt. "Trotzdem darf man nicht ängstlich sein, wenn man bei uns arbeiten will", betont Silke Wetzel. Und Angst scheint bei den Mitarbeitern auch kein Thema zu sein. Das Angebot der Geschäftsführung, an einem Selbstverteidigungskurs teilzunehmen, hat bislang keiner der Mitarbeiter in Anspruch genommen. Top qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind auch das Hauptargument, mit dem der Heidelberger Nachtpflegedienst dem Problem illegaler Billiganbieter begegnet. "Dass die Beschäftigung von Billigkräften zunimmt, merken wir daran, dass die Grundpflegen bei uns zurückgehen und die Behandlungspflegen zunehmen", sagt Jekel. Konkurrieren wolle er mit den Billiganbietern trotzdem nicht. "Ich verweise dann schon auf die mögliche Illegalität der Hilfe, die man sich aus Osteuropa organisiert hat", sagt Silke Wetzel. Vor allem aber mache sie die Menschen auf den Qualitätsverlust aufmerksam, wenn diese statt des professionellen Pflegedienstes ungelernte Kräfte zu Dumpinglöhnen engagieren. Dabei verstehe sie die Not der Betroffenen durchaus, aufgrund begrenzter finanzieller Mittel nach Alternativen Ausschau zu halten. "Deshalb müssen Leistungen wie unser Sicherheitsbesuch in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung aufgenommen werden", fordert sie. "Denn oft ist es nur das Sicherheitsbedürfnis, das wir professionell bedienen müssen - dann würden viele Menschen gar nicht darauf kommen, sich eine fremde 24-Stunden-Kraft ins Haus zu holen." Ambulante Nachtpflege Daheim, Fichtestraße 8, 69126 Heidelberg, Tel.: (0 62 21) 2 90 29, E-Mail: nachtpflege@t-online.de, Internet: www.nachtpflege.de HÄUSLICHE PFLEGE Jahresgespräche 2008: Auf der Fachtagung am 6. November 2007 in Hannover referiert u. a. Autor Stephan Dzulko zum Thema "Strategie Kundennähe: Mit flexiblen Angeboten Pflegedienstkunden halten und gewinnen" Informationen zur Tagung und Anmeldung, Tel.: (05 11) 99 10-1 75, Fax: (0511) 99 10 1 99, Internet: www.vincentz.net

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