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Studie sagt drastisch steigende Pflegekosten voraus

Ausgaben der Pflegeversicherung könnten sich bis 2035 verdoppeln

21.11.2019
Weil die Pflegekosten aufgrund des demografischen Wandels rapide steigen, schlagen die Autoren der Studie vor, Steuermittel zu verwenden. Foto: Adobe Stock/ Stefan Yang

Weil die Pflegekosten aufgrund des demografischen Wandels rapide steigen, schlagen die Autoren der Studie vor, Steuermittel zu verwenden. Foto: Adobe Stock/ Stefan Yang

Die Finanzierungsgrundlage der Pflegeversicherung gerät laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung angesichts einer rasant alternden Gesellschaft zunehmend unter Druck.

Der Babyboom in den 1950er und 60er Jahren sowie eine steigende Lebenserwartung beschere Deutschland starke Rentnerjahrgänge, heißt es in der heute (21.11) veröffentlichten Studie. Bis 2050 werden nach Schätzungen hierzulande 23,3 Millionen Menschen älter als 65 Jahre sein - das sind etwa 30 Prozent mehr als heute. Damit wachse auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Der Pflegebeitrag von derzeit 3,05 Prozent (bzw. 3,3 Prozent für Kinderlose) könnte bis dahin auf 4,6 bis 4,9 Prozent steigen, wenn politisch nicht gegengesteuert wird, hieß es.
Das von der Bertelsmann Stiftung beauftragte Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos stellt in seiner Untersuchung verschiedene Szenarien auf. Im Jahr 2050 gehen die Forscher von 5,3 Millionen Empfängern von Pflegeleistungen aus, im Vergleich zu heute wären das 1,8 Millionen mehr. Die Ausgaben der Pflegeversicherung würden nach dieser Annahme in 30 Jahren bei 181,3 Milliarden Euro liegen. 2017 betrugen die Kosten 38,5 Milliarden Euro. Für 2020 sagt das Institut Ausgaben aus der Pflegeversicherung in Höhe von 45,2 Milliarden Euro voraus, 2035 bereits 89,1 Milliarden, zehn Jahre später 145 Milliarden Euro. Mehrausgaben sind demnach auch durch eine Aufwertung des Altenpflegeberufs, etwa durch eine bessere Bezahlung, und durch eine Dynamisierung der Pflegeleistungen zu erwarten, hieß es.

Autoren schlagen Steuerzuschuss vor

Die Prognose zeige auch, dass von den finanziellen Mehrbelastungen vor allem die jüngeren Generationen betroffen sein werden, hieß es weiter. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpfe in den kommenden Jahren. Der Wechsel der geburtenstarken Jahrgänge von der Gruppe der Beitragszahler in die der Empfänger von Pflegeleistungen werde die Situation zusätzlich verschärfen. Die Autoren der Studie schlagen als Lösung eine vorgezogene, moderate Anhebung des Beitragssatzes ab 2020 Jahr vor. Der solle mit einem über die Jahre steigenden Zuschuss aus Steuermitteln verbunden werden, um die zusätzlichen Kosten zu decken und zugleich die jüngere Generation zu entlasten, empfehlen sie. Dieser Bundeszuschuss läge zu Beginn bei jährlich 9,6 Milliarden Euro und würde bis 2050 auf 24,5 Milliarden Euro ansteigen. Die zunächst überschüssigen Mittel könnten dann in den bereits existierenden Pflegevorsorgefonds fließen und dazu dienen, den Beitragssatz bis 2050 stabil bei 3,5 Prozent zu halten, hieß es.

Nicht der erste Warnschuss

Die Studie ist nicht die erste Warnung vor rapide steigenden Pflegekosten. Wissenschaftler, Pflegeexperten und Politiker fordern schon lange, dass das System der Pflegeversicherung angesichts steigender Kosten reformiert werden muss. Erst kürzlich hatte die Initiative Pro Pflegereform ihr Modell präsentiert , das in der Branche auf viel Zustimmung gestoßen ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Mitte nächsten Jahres seinen Reformvorschlag vorlegen.

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