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Zykluskompetenz als unterschätzte Führungsressource
Zykluskompetenz kann Frauen dabei unterstützen, Belastungen besser zu steuern, Entscheidungen bewusster zu treffen und ihre Führungsrolle nachhaltiger auszufüllen. Warum Selbstführung dabei eine zentrale Rolle spielt und wie Organisationen das Thema Wechseljahre enttabuisieren können, erklärt Expertin Andrea Pampel im Interview.
Frau Pampel, Sie sprechen von „Zykluskompetenz als Führungsstärke“. Was genau verstehen Sie unter diesem Begriff?
Andrea Pampel: Zykluskompetenz bedeutet, körperliche, emotionale und kognitive Veränderungen wahrzunehmen, einzuordnen und verantwortungsvoll in die eigene Arbeitsgestaltung einzubeziehen. Als Führungsstärke zeigt sie sich in guter Selbstwahrnehmung, klarer Kommunikation und einem bewussten Umgang mit Ressourcen. Es geht nicht darum, immer gleich zu funktionieren, sondern sich auch unter wechselnden Bedingungen verlässlich führen zu können.
Welche Missverständnisse begegnen Ihnen am häufigsten, wenn Sie über zyklusorientierte Selbstführung sprechen?
Das häufigste Missverständnis ist, Zyklusorientierung mache Frauen weniger belastbar oder schreibe ihnen für jede Phase feste Fähigkeiten zu. Beides greift zu kurz. Der Zyklus ist keine starre Schablone und kein neuer Selbstoptimierungsplan. Er ist ein möglicher Orientierungspunkt. Entscheidend ist die individuelle Beobachtung, denn Erleben und Bedürfnisse unterscheiden sich von Frau zu Frau und verändern sich im Laufe des Lebens.
Inwiefern kann das Wissen über den eigenen Zyklus die Qualität von Führungsentscheidungen verbessern?
Gute Führung beginnt mit Selbstführung. Wer den eigenen Zustand reflektieren kann, unterscheidet leichter zwischen einem spontanen Impuls und einer tragfähigen Entscheidung. Das kann helfen, innezuhalten, zusätzliche Perspektiven einzubeziehen oder, wenn möglich, den passenden Zeitpunkt für ein schwieriges Gespräch zu wählen. Nicht der Zyklus entscheidet, sondern die Person. Zykluswissen erweitert jedoch ihre Informationsbasis und stärkt die Selbstregulation.
Die Wechseljahre fallen häufig in eine Lebens- und Karrierephase, in der Frauen große berufliche Verantwortung tragen. Wie können Führungskräfte und Organisationen Betroffene besser unterstützen, ohne das Thema zu tabuisieren?
Organisationen sollten Wissen schaffen und Gespräche ermöglichen, ohne Frauen zur Offenlegung persönlicher Gesundheitsdaten zu drängen. Hilfreich sind sensibilisierte Führungskräfte, vertrauliche Ansprechstellen und flexible, individuell passende Lösungen. Entscheidend ist die Haltung: Wechseljahre sind weder persönliches Versagen noch ein Karriereende. Sie gehören zur Lebensrealität vieler hochqualifizierter Beschäftigter und damit auf die Agenda einer zukunftsfähigen Arbeitskultur.
Interview: Friederike Schildt
Veranstaltungstipp
Erfahren Sie mehr zum Thema Zykluskompetenz und Arbeitsfähigkeit in den Wechseljahren bei dem Vortrag von Andrea Pampel bei Frauen führen Pflege am 6. Oktober in Hannover. Alle Infos und Anmeldungen:
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