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PNOG und Belegungsmanagement: „Es geht um professionelle Passung“

Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) wird die Anforderungen an Belegungsmanagement und Pflegegradmix in stationären Pflegeeinrichtungen verändern. Im Interview vor der Altenheim Digital Konferenz „Das PNOG kommt. Sind Sie bereit?“ am 29. Juli 2026 erläutert Aldina Hanusa-Straßel, warum Vollbelegung als Steuerungsgröße nicht mehr ausreicht. Bewohnerstruktur, Pflegegradmix, Personalressourcen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssten zusammengedacht werden.

Altenheim Digital Konferenz
Grafik: Vincentz Network

Welche Auswirkungen könnten die im PNOG vorgesehenen Änderungen auf die Belegung stationärer Pflegeeinrichtungen haben?
Aldina Hanusa-Straßel: Die im PNOG geplanten Änderungen dürften die Belegung stationärer Pflegeeinrichtungen nicht grundsätzlich verringern, könnten jedoch verändern, wann, wie und mit welchen Versorgungsbedarfen Menschen in eine Einrichtung einziehen. Wenn Prävention, Rehabilitation, häusliche Pflege, Pflegebegleitung sowie Kurzzeit- und Akutversorgung gestärkt werden, kann der vollstationäre Einzug tendenziell später erfolgen. Gleichzeitig dürften Menschen, die in die Langzeitpflege einziehen, häufiger komplexere pflegerische, medizinische und psychosoziale Bedarfe mitbringen. Für Einrichtungen bedeutet das: Belegung bleibt eine zentrale wirtschaftliche Steuerungsgröße, muss aber stärker mit Versorgungsprofil, Personal- und Qualifikationsmix sowie regionalem Bedarf zusammengedacht werden. Entscheidend ist nicht nur, freie Plätze zu belegen, sondern passende und gut vorbereitete Aufnahmen zu ermöglichen.

Verändern sich durch die neuen finanziellen Rahmenbedingungen die Anforderungen an das Belegungsmanagement und die Ansprache potenzieller Bewohnerinnen und Bewohner?
Hanusa-Straßel: Es ist davon auszugehen, dass die Anforderungen steigen werden. Schon heute reicht es nicht mehr, auf eine Anfrage nur mit ‚Platz frei oder nicht frei‘ zu reagieren. Durch steigende Eigenanteile, veränderte Leistungslogiken und mehr Beratungs- und Transparenzbedarf benötigen Angehörige sowie potenzielle Bewohnerinnen und Bewohner klare Orientierung. Einrichtungen müssen erklären können, wofür sie stehen, welche Versorgung sie leisten können, welche Kosten entstehen und welche Übergänge denkbar sind. Belegungsmanagement wird damit stärker zu einer Führungs- und Kommunikationsaufgabe. Es geht nicht um wirtschaftlich motivierte Selektion, sondern um professionelle Passung: Bewohnerbedarf, Versorgungsangebot, personelle Ressourcen und wirtschaftliche Stabilität müssen zusammen betrachtet werden. Wer verbindlich, transparent und menschlich kommuniziert, schafft Vertrauen – oft entscheidender als reine Verfügbarkeit.

Welche Rolle wird der Pflegegradmix künftig für die wirtschaftliche und organisatorische Steuerung von Pflegeeinrichtungen spielen?
Hanusa-Straßel: Der Pflegegradmix wird künftig noch stärker als Steuerungskennzahl wahrgenommen werden, weil er Hinweise auf Bewohnerstruktur, Erlössituation und durchschnittlichen Unterstützungsbedarf gibt. Für Personalplanung, Organisation der Wohnbereiche, Qualifikationsmix und wirtschaftliche Bewertung bleibt er wichtig. Gleichzeitig darf er nicht isoliert oder rein betriebswirtschaftlich interpretiert werden. Ein Pflegegrad bildet nicht automatisch den tatsächlichen Versorgungsaufwand ab. Zwei Menschen mit demselben Pflegegrad können völlig unterschiedliche Bedarfe haben – etwa durch Demenz, herausforderndes Verhalten, Behandlungspflege, Mobilitätseinschränkungen oder Palliativsituationen. Der Pflegegradmix ist daher kein Selbstzweck und kein Ersatz für pflegefachliche Einschätzung. Er ist eine wichtige Grundlage, muss aber mit weiteren Kennzahlen, der tatsächlichen Personalsituation und der fachlichen Bewertung des individuellen Versorgungsbedarfs verbunden werden. Künftig wird es weniger darum gehen, einen ‚attraktiven‘ Pflegegradmix zu erzielen, sondern eine realistische und wirtschaftlich tragfähige Gesamtsteuerung aufzubauen.

Aldina Hanusa-Straßel, Senior Management- und Organisationsberaterin bei Contec, vertieft das Thema auf der Altenheim Digital-Konferenz am 29. Juli 2026.

Die Fragen stellte Ina Füllkrug.

Tipp: Das Online-Event „Das PNOG kommt. Sind Sie bereit?“ findet am 29. Juli 2026 von 10:30 bis 15:15 Uhr statt. Expert:innen wie Hannah Freisheim, Peter Sausen, Nadine Treff, Aldina Hanusa-Straßel und Noah Beuth diskutieren Risiken und Chancen und geben konkrete Empfehlungen für Ihre Einrichtung – kompakt und umsetzungsorientiert.

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