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Pflegeausbildung wächst, doch das Pflegestudium stagniert

Die Pflegeausbildung wächst: 2025 schlossen in Deutschland rund 63.900 Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag ab, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Doch bei den Prüfungen und Ausbildungsabschlüssen zeigt sich ein anderes Bild. Besonders deutlich wird der Widerspruch beim Pflegestudium: Es bleibt trotz Vergütung nahezu bedeutungslos. Was bedeutet das für die Zukunft der Pflege?

Foto: AdobeStock/Lahoud25/peopleimages.com

Von Stefan Arend

Die am 2. Juli 2026 vom Statistischen Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden vorgelegten endgültigen Ergebnisse für das Pflege-Ausbildungsjahr 2025 lesen sich auf den ersten Blick wie eine Erfolgsgeschichte: Rund 63.900 Menschen schlossen einen neuen Ausbildungsvertrag zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ab – ein Plus von acht Prozent und bereits der dritte Anstieg in ­Folge (2022: 52.100, 2023: 54.400, 2024: 59.400).

Der Pflegeausbildungsindex PIX, der die Pflegeausbildung in Deutschland seit nunmehr acht Jahren begleitet, hat auch in diesem Jahr genauer hingeschaut und präsentiert hier seine Ergebnisse.

Träger und Einrichtungen der Pflegeausbildung

Die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge verteilten sich auf 42,8 % frei-gemeinnützige Träger (27.363), 29,8 % private Träger (19.044) und 25 % öffentliche Träger (15.960); bei 1.548 Verträgen (rund 2,4 %) fehlte die Angabe zur Trägerschaft.

Die meisten neuen Auszubildenden – exakt 31.983 bzw. rund 50 % – sind bei einem Krankenhausträger beschäftigt. Die stationären Pflegeeinrichtungen kommen auf 22.986 neue Ausbildungsverträge (rund 36 %), die ambulante Pflege auf 7.398 (rund 11,6 %).

Zahl der Pflegeauszubildenden steigt in allen Bundesländern

Zum Stichtag 31. Dezember 2025 befanden sich insgesamt knapp 157.200 Personen (2022: 143.100, 2023: 146.900, 2024: 146.700) in der generalistischen Pflegeausbildung – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert: Im Berichtsjahr 2025 verzeichneten alle sechzehn Bundesländer einen Zuwachs an neuen Ausbildungsverhältnissen.

Bundesweit kommen auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt über die drei Ausbildungsjahre hinweg addiert 1,88 Pflegeauszubildende. Im Saarland und in Bremen sind es mit 2,36 die höchsten Werte, gefolgt von Sachsen mit 2,31 und Sachsen-Anhalt mit 2,30. Den niedrigsten Wert hat Bayern mit gerade einmal 1,42 Pflegeauszubildenden je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner, dicht gefolgt von Schleswig-Holstein mit 1,44.

Der Männeranteil unter den Neuverträgen wuchs von 24 Prozent (2020) auf mittlerweile gut 29 Prozent. Das Durchschnittsalter der Anfängerinnen und Anfänger bleibt mit 24 Jahren seit Jahren stabil. Interessant ist, dass das Durchschnittsalter in den östlichen Bundesländern rund zwei bis drei Jahre niedriger liegt und die Auszubildenden also jünger sind als im Westen. Die Pflegeausbildung bleibt zudem eine Vollzeitangelegenheit: Von den insgesamt exakt 157.194 Personen in Ausbildung absolvierten lediglich 2.124 diese in Teilzeit (1,35 %).

Ausbildungsvergütung bleibt auf hohem Niveau

Die Ausbildungsvergütung in der Pflege ist im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen bereits seit Jahren exzellent. Das Median-Gehalt im 1. Ausbildungsjahr beträgt deutschlandweit 1.381 Euro im Monat, im 2. Ausbildungsjahr 1.461 Euro und im 3. Ausbildungsjahr 1.578 Euro. Das höchste Median-Gehalt im 3. Ausbildungsjahr zahlt Berlin mit 1.715 Euro im Monat. Selbst das niedrigste Median-Gehalt im 3. Ausbildungsjahr – 1.503 Euro in Bremen und Nordrhein-Westfalen – rangiert im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen an einer der Top-Positionen.

Erfolgsquote bei den Abschlussprüfungen

2025 waren insgesamt 58.836 Auszubildende zur Abschlussprüfung zugelassen, davon bestanden 35.277 die Prüfung, 22.047 haben die Ausbildung im Berichtsjahr ohne Prüfungsteilnahme beendet, 1.512 haben die Prüfung endgültig nicht bestanden.

Nach gängiger Lesart stellt das Verhältnis zwischen den zur Prüfung Zugelassenen und den bestandenen Prüfungen die jährliche Erfolgsquote dar. Sie ist eine wichtige Kennzahl für den Arbeitsmarkt, denn sie zeigt, welches Potenzial an neuen, qualifizierten Fachkräften im Berichtsjahr tatsächlich zur Verfügung steht.

Die Erfolgsquote der Pflegeausbildung lag 2025 bundesweit demnach bei knapp 60 %. Anders gewendet: Rund drei von fünf Prüflingen schließen ihre Pflegeausbildung erfolgreich ab – zwei von fünf schaffen es nicht auf Anhieb oder gar nicht. Aufschlussreich ist der Blick auf die Bundesländer, denn dort unterscheiden sich die Erfolgsquoten deutlich: Am höchsten lag sie mit 77,3 % bestandenen Prüfungen in Sachsen-Anhalt, am niedrigsten mit 50,8 % im Saarland – dort bestand also gerade einmal die Hälfte ihre Prüfung.

Vertragslösungen und Ausbildungsabbrüche

Wer hingegen wissen will, wie viele Menschen ihre Pflegeausbildung tatsächlich zu Ende bringen, obwohl sie vielleicht einmal durch die Prüfung gefallen sind, braucht eine andere Betrachtung.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat dazu ein sogenanntes Schichtenmodell entwickelt: Vertragslösungen und beendete Ausbildungen werden nach dem Ausbildungsjahr sortiert, in dem sie auftreten. Jede dieser „Schichten“ – erstes, zweites, drittes Ausbildungsjahr – wird auf den jeweils passenden Eintrittsjahrgang bezogen. Die so gewonnenen schichtspezifischen Quoten werden anschließend zu einer Gesamtquote addiert.

Die Vertragslösungs- bzw. Beendigungsquote ohne Abschluss lag 2025 deutschlandweit bei 34,2 % (37,8 % bei den männlichen, 32,8 % bei den weiblichen Auszubildenden). In den Bundesländern reicht diese Quote von 16,3 % in Sachsen-Anhalt bis zu 46,4 % in Sachsen und 46,8 % in Rheinland-Pfalz.

Pflegestudium bleibt eine Randerscheinung

Ein besonderer Blick muss in diesem Berichtsjahr dem grundständigen Pflegestudium gelten. Die Pflegestatistik hat die Angaben zum Studium nunmehr umfassend aufgenommen und erlaubt daher auch dazu eine Analyse:

Nur rund 1.800 Personen studierten Ende 2025 Pflege nach dem Pflegeberufegesetz; 800 ­haben ein Pflegestudium neu begonnen. Gemessen an den rund 63.900 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in der Pflege ergibt das eine Akademisierungsquote von gerade einmal knapp über 1 Prozent. Für eine akademische Qualifizierung, die seit 2024 endlich vergütet wird und auf die die Profession seit Jahren hofft, ist das eine ernüchternd kleine Zahl. Man könnte pointiert sagen: Deutschland akademisiert seine Pflege im homöopathischen Maßstab.

Noch aufschlussreicher ist, wo diese wenigen Studierenden ihre praktische Ausbildung absolvieren: zu 92 Prozent im Krankenhaus, ganze fünf Prozent in der stationären und drei Prozent in der ambulanten Pflege. Und nur 7,9 % der Studienanfänger sind bei einem privaten Träger unter Vertrag.

Akademischer Nachwuchs konzentriert sich auf Kliniken

Ausgerechnet jene akademisch qualifizierten Fachkräfte, von denen Impulse für Evidenzbasierung, Steuerung und komplexe Versorgung erwartet werden, sammeln ihre prägenden Erfahrungen also fast ausschließlich in der Klinik – und nicht dort, wo der demografische Wandel am stärksten drückt: in der Langzeitpflege. Ausgerechnet dort, wo künftig die meisten Menschen pflegerisch versorgt werden müssen, gibt es so gut wie keinen akademisch qualifizierten Nachwuchs. Bayern liegt mit 168 neuen Pflegestudierenden an der bundesweiten Spitze, gefolgt von Berlin mit 111. Insgesamt studieren in Bayern 342 Personen Pflege, in Berlin 339 – auch das sind die bundesweiten Spitzenwerte. Schlusslichter sind Niedersachsen mit sechs Studierenden; im Saarland wird gar kein Pflegestudium angeboten. Von den Pflegestudierenden insgesamt sind 20,4 % männlich und 79,6 % weiblich.

Langzeitpflege muss sich stärker für das Pflegestudium öffnen

Bei aller berechtigten Freude über die kontinuierlich wachsenden Ausbildungszahlen gibt es auch eine alarmierende Erkenntnis: Das Pflegestudium bleibt insgesamt eine Randerscheinung und konzentriert sich fast vollständig auf den Lernort Krankenhaus. Die Langzeitpflege und vor allem auch private Träger müssen sich deutlich intensiver für das Pflegestudium engagieren und vermehrt eigene Studien-Ausbildungsplätze schaffen, um sich fachlich nicht weiter von modernen Entwicklungen zu entkoppeln. Dazu gehört es als Pflichtaufgabe der Träger der Langzeitpflege, ambulante und stationäre Einrichtungen zu attraktiven Lern- und Studienorten zu machen – finanziell, strukturell und vor allem im eigenen Selbstverständnis.


Der Autor ist Sozialmanager, Publizist und Netzwerker. https://digatus.care/pflegeausbildungsindex/

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