Pflegepraxis

Hitzenotfälle erkennen und richtig handeln

Symptome von Flüssigkeitsmangel werden häufig von den Betreffenden, aber auch von Angehörigen, unterschätzt. Eine gute Beobachtung und Beratung durch die Pflegekräfte sind deswegen besonders wichtig.

Grafik: Vincentz Network

Von Nele Trauernicht

Kommt es trotz allem zu Krankheitssymptomen, die auf die Hitze zurückzuführen sind, muss sofort reagiert werden. Wenn die vorab eingeleiteten prophylaktischen Maßnahmen nicht mehr helfen, ist schnelles und sicheres Handeln gefragt.

Hitzenotfälle sind bei Senior:innen besonders gefährlich aus mehreren Gründen:

Verminderte Thermoregulation: Mit dem Alter kann die Fähigkeit des Körpers, die Körpertemperatur zu regulieren, abnehmen. Dies bedeutet, dass ältere Menschen möglicherweise nicht so effektiv schwitzen oder die Körperwärme abgeben können wie jüngere Menschen, was sie anfälliger für Überhitzung macht.

Chronische Krankheiten und Medikamente: Viele ältere Menschen nehmen Medikamente ein oder leiden an chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, die ihre Fähigkeit beeinträchtigen können, auf Hitze zu reagieren. Bestimmte Medikamente können auch die Thermoregulation beeinflussen oder das Risiko von Dehydrierung erhöhen.

Eingeschränkte Mobilität: Einige ältere Menschen haben möglicherweise eingeschränkte Mobilität oder verbringen viel Zeit alleine, was es schwieriger macht, sich vor der Hitze zu schützen oder Hilfe zu suchen, wenn sie sie benötigen.

Soziale Isolation: Einsamkeit und soziale Isolation können ebenfalls ein Risikofaktor sein, da ältere Menschen möglicherweise keine Unterstützung oder Aufsicht haben, um sicherzustellen, dass sie angemessen auf Hitze reagieren.

Häufige Begleiterkrankungen: Senior:innen haben oft Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz, die sie anfälliger für Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag machen können.

Aufgrund dieser Faktoren ist es besonders wichtig, dass ältere Menschen während heißer Wetterperioden angemessene Vorsichtsmaßnahmen treffen, wie zum Beispiel ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, sich in kühlen Räumen aufhalten, leichte Kleidung tragen und sich regelmäßig abkühlen.

Hitzenotfälle können sein:

Sonnenstich: Ein Sonnenstich entsteht durch längere direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf. Dabei wird das Gehirn überhitzt und die Hirnhäute werden gereizt. Ein Sonnenstich kann auch erst nach einigen Stunden nach dem Sonnenbad entstehen. Häufig sind Glatzenträger betroffen.

Symptome:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit / Erbrechen
  • Unruhe
  • Schwindel
  • Schneller Puls und schnelle Atmung
  • Bewusstseinsstörung

Maßnahmen:

  • Betroffene in den Schatten bringen
  • Kühle Umschläge
  • Oberkörper erhöht lagern
  • Flüssigkeit anreichen
  • In schweren Fällen kann es zu Bewusstseinsverlust kommen – rufen Sie dann umgehend den Notarzt

Hitzeerschöpfung: Eine Hitzeerschöpfung entsteht, wenn der Körper längere Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt wird und somit das Kühlsystem mit den Anforderungen überfordert ist. Der Körper hat zu viel Flüssigkeit und Elektrolyte verloren.

Symptome:

  • Starkes Schwitzen
  • Blässe
  • Schwächegefühl / Schwindel
  • Übelkeit / Erbrechen
  • Schneller flacher Puls
  • Schnelle flache Atmung

Maßnahmen:

  • Mineralwasser oder isotonische Getränke anbieten
  • Kühlende Umschläge
  • Wichtig: Unbehandelt kann eine Hitzeerschöpfung zu einem Hitzschlag führen! Beobachten Sie den Patienten genau. Bei Symptomen, die auf einen Hitzschlag deuten, rufen Sie umgehend den Notarzt.

Hitzschlag: Ein Hitzschlag entsteht wie eine Hitzeerschöpfung. Allerdings steigt die Körpertemperatur auf über 40 Grad an, der Körper kann die Temperatur nicht mehr selbstständig regulieren.

Symptome:

  • Temperatur über 40 Grad
  • Heiße, gerötete und trockene Haut vor allem im Gesicht
  • Schneller aber schwacher Puls
  • Niedriger Blutdruck
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Bewusstlosigkeit
  • Krampfanfälle

Maßnahmen: Wichtig: Unbehandelt kann ein Hitzschlag zu Hirnödemen oder Organversagen führen! Rufen Sie umgehend einen Notarzt! In der Wartezeit sollte der Oberkörper hochgelagert werden, kühlende Tücher auflegen und wenn möglich Flüssigkeit gegeben werden. Ist der Patient/die Patientin nicht mehr ansprechbar, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage.

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