Management

Wundversorgung kann sich lohnen

Chronische Wunden nehmen zu – ambulante Pflegedienste, die sich spezialisieren, können jetzt von einem wachsenden Markt mit hohem wirtschaftlichem Potenzial profitieren.

Screenshot der Digitalkonferenz vom 12. Juni Foto: Vincentz Network/Lukas Sander

Von Lukas Sander

Chronische Wunden – ob diabetisches Fußsyndrom, Ulcus cruris oder Dekubitus – sind ein zunehmendes Problem in der alternden Gesellschaft. Allein die DAK rechnet bis 2030 mit über 100 000 zusätzlichen Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden. Für ambulante Pflegedienste eröffnet sich hier ein lukrativer Wachstumsmarkt – vorausgesetzt, sie spezialisieren sich gezielt auf die Wundversorgung im Rahmen der häuslichen Krankenpflege (HKP). Das wurde bei der zweiteiligen Häusliche Pflege Digitalkonferenz „Versorgung chronischer Wunden – jetzt wird es lukrativ!“ deutlich, die im Mai und Juni stattfand.

Der Markt ist da – aber es fehlt an Angeboten: Derzeit haben sich nur etwa 1 000 von rund 17 500 Pflegediensten in Deutschland gezielt auf die Wundversorgung spezialisiert, hieß es bei der Konferenz. Dabei ist die Nachfrage längst da: Mehr als ein Drittel der Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden benötigen regelmäßige Verbandwechsel durch Pflegedienste.

Die Referenten Gerhard Schröder, Leitung Standort Göttingen Akademie für Wundversorgung der AKG Gießen, und Christian Westermann, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft spezialisierter Leistungserbringer Wunde und Geschäftsführer Engel vonne Ruhr – Ambulante Pflege GmbH, legten in der Veranstaltung eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsanalyse vor. Westermann berechnete, dass sich Investitionskosten für die Qualifizierung von Mitarbeitenden im Bereich Wundversorgung schon nach einem Jahr rechnen können – inklusive Ausfallzeiten und Schulungskosten für eine verantwortliche Fachtherapeutin sowie für die erforderlichen Wundexperten.

Während die bundesweite Vergütung noch starken regionalen Schwankungen unterliegt (zwischen 35 und über 60 Euro pro Verbandwechsel, je nach Bundesland und Vertrag), zeigt die Tendenz nach oben. In mehreren Bundesländern sind derzeit neue Vergütungsmodelle in Verhandlung, unter anderem auch mit Wundzentren als Vertragspartnern. Pflegedienste können über Einzelverträge zunehmend attraktive Konditionen erzielen, insbesondere wenn sie als spezialisierte Leistungserbringer auftreten.

Die Spezialisierung auf chronische Wunden ist für Pflegedienste nicht nur ein medizinisch sinnvoller Schritt, sondern vor allem ein wirtschaftlich lohnender. Trotz Anfangsinvestitionen von rund 40 000 Euro lässt sich die Qualifizierung binnen eines Jahres refinanzieren – vorausgesetzt, der Dienst hat die entsprechende Fallzahl und strukturiert die Versorgung konsequent. Der ambulante Pflegemarkt steht an einem Wendepunkt: Wer sich jetzt positioniert, kann vom Wandel profitieren.

Wer die Konfenrenz „Versorgung chronischer Wunden“ verpasst hat, kann beide Teile als Aufzeichnung abrufen unter https://www.haeusliche-pflege.net/vn-events/digitalkonferenz-wundversorgung/