Pflegepraxis
Dekubitus-Prävention: Video sensibilisiert Pflegende
Fünf Studentinnen der Katholischen Hochschule NRW haben im Rahmen eines Studienprojekts ein Kurzvideo produziert, das Pflegekräfte für vermeidbare Druckgeschwüre sensibilisieren soll. Pflegedienstleiterin Inga Hoffmann-Tischner stellte das Projekt auf dem Wundkongress in Bremen vor. Erste Krankenhäuser zeigen den Film bereits im Intranet, die „Initiative Chronische Wunden“ (ICW) verbreitet ihn über ihre Kanäle.
Das Video zeigt typische Risikosituationen aus stationärer und ambulanter Versorgung: einen Patienten, der die Rufanlage vom Bett aus nicht erreicht; eine Patientin, die im Aufnahmeraum eines Krankenhauses stundenlang ohne Umlagerung wartet; einen ambulant betreuten Patienten, der den ganzen Tag auf dem Toilettenstuhl statt im Rollstuhl sitzt, weil Hilfe fehlt. Solche Konstellationen seien laut katho mitverantwortlich für die Entstehung von Druckgeschwüren.
Entstehung im Studiengang „Angewandte Pflegewissenschaft“
Verantwortlich für das Video sind Katrin Breuer, Rebekka Claßen, Inga Hoffmann-Tischner, Tatjana Jöris und Ute Kowalewski. Es entstand in einem über zwei Semester laufenden Kleingruppenprojekt im Modul „Innovative Pflegepraxis“ des Studiengangs „Angewandte Pflegewissenschaft“, in dem theoretische Inhalte des Projektmanagements praktisch angewandt werden. Kooperationspartnerin war die ICW, die die Produktion finanziell förderte.
Die betreuende Hochschullehrerin Prof. Dr. Anke Helmbold beschreibt das Vorgehen so: Themen würden von den Studierenden selbst vorgeschlagen und orientierten sich an Veränderungs- oder Entwicklungsbedarfen der Pflegepraxis. Die Studierenden recherchierten den Erkenntnisstand, ermittelten die Ausgangslage und arbeiteten das Projekt auf Basis einer detaillierten Planung ab.
Hintergrund: Sensibilisierung statt Schulung
Hoffmann-Tischner, Inhaberin von Wundmanagement Köln und Wundmanagement Aachen sowie Pflegedienstleiterin des Kölner Pflegedienstes Robert Tischner, schilderte in Bremen den Ausgangspunkt: Eine Kommilitonin leitete eine chirurgische Station eines Krankenhauses der Regelversorgung, auf der die Dekubitus-Prävalenz reduziert werden sollte. Die Gruppe stellte fest, dass es zwar zahlreiche Schulungsvideos zur Entstehung eines Dekubitus gebe, aber keinen Sensibilisierungsfilm – und auch keine Literatur dazu, wie ein solcher Film inhaltlich und formal aufgebaut sein sollte. Auch belastbare einrichtungsübergreifende Daten zur Dekubitus-Häufigkeit fehlten weitgehend; verfügbar seien im Wesentlichen Krankenhausdaten, obwohl ambulante und stationäre Langzeitpflege jährlich an den Medizinischen Dienst meldeten.
Ziel sei es gewesen, Dekubitusprophylaxe als gemeinsames Ziel zu formulieren und das Bewusstsein zu stärken, ohne Mitarbeitende vorzuführen. Gedreht wurde an zwei Tagen in mehreren Settings, beteiligt waren laut katho das Krankenhaus Bethanien in Solingen und das St. Antonius Hospital Eschweiler. Beide Häuser zeigen das Video inzwischen über ihr Intranet.
Evaluation und Verbreitung
Als Projektziel hatte die Gruppe definiert, dass 80 Prozent der Mitarbeitenden auf der Pilotstation den Film sehen sollten. Erreicht wurden laut Hoffmann-Tischner 81,5 Prozent. Ein Feedbackbogen habe ergeben, dass 13 Rückmeldungen explizit eine erhöhte Motivation nannten, im Alltag genauer hinzuschauen. Die ICW stellt das Video über ihren YouTube-Kanal zur freien Nutzung in Kursen, auf Stationen und in Einrichtungen bereit; der Hochschullehrer Volker Großkopf habe es bereits in eine eigene Schulungseinheit integriert.
Das Video ist über den YouTube-Kanal der ICW abrufbar. Weitere Informationen zum Studiengang finden sich auf den Seiten der Katholischen Hochschule NRW.
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