Analyse
Studie: Kleine Pflegedienste stoßen bei Arbeitsorganisation an Grenzen
Eine im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes erstellte Bestandsaufnahme des IGES Instituts zeigt: Die ambulante Pflege ist flexibel und digital solide aufgestellt. Doch Pflegedienste mit weniger als 20 Beschäftigten kämpfen mit Personalausfällen und der Weiterentwicklung ihrer Strukturen. Die Forschenden empfehlen gezielte Modellprojekte und mehr Forschung zum qualifikationsorientierten Personaleinsatz.
Das IGES Institut hat im Rahmen des Modellprogramms Personalbemessung nach § 8 Abs. 3b SGB XI eine „Bestandsaufnahme der Arbeitsorganisation ambulanter Pflegeeinrichtungen“ vorgelegt. Auftraggeber ist der GKV-Spitzenverband. Ziel der Untersuchung ist es, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Weiterentwicklung der ambulanten Pflege zu liefern. Als zentrale Hebel benennen die Autor:innen einen qualifikationsorientierten Personaleinsatz sowie die Digitalisierung.
Für die bundesweite Erhebung wurden laut GKV-Spitzenverband mehr als 1.000 Fragebögen von Leitungskräften aus ambulanten Pflegediensten ausgewertet und durch vertiefende Interviews ergänzt. Das Bild, das sich daraus ergibt, beschreibt die Branche als flexibel und beim Einsatz digitaler Anwendungen bereits vergleichsweise gut positioniert.
Deutlich differenzierter fällt der Befund für Einrichtungen mit weniger als 20 Mitarbeitenden aus. Diese tun sich laut Studie schwer, die Anforderungen der Pflegebedürftigen und die Bedürfnisse der Beschäftigten gleichzeitig auszubalancieren. Hinzu kommen Schwierigkeiten, kurzfristige Personalausfälle aufzufangen und die eigene Arbeitsorganisation systematisch weiterzuentwickeln. Das IGES Institut empfiehlt daher gezielte Modellprojekte zur Unterstützung dieser kleinen Anbieter.
Im Rahmen der Studie wurde auch die vorliegende wissenschaftliche Literatur ausgewertet. Während sich zahlreiche Arbeiten mit Arbeitsorganisation, Arbeitsbedingungen und Technologieeinsatz in der ambulanten Pflege beschäftigen, identifizieren die Forschenden eine klare Lücke beim qualifikationsorientierten Personaleinsatz. Künftige Projekte sollten laut Empfehlung insbesondere den Einsatz von Pflegehilfs- und -assistenzkräften sowie von akademisch qualifizierten Pflegekräften in den Blick nehmen.
Über den qualifikationsorientierten Personaleinsatz hinaus rät das IGES Institut zu Projekten, die die Vernetzung mit anderen Leistungserbringenden sowie Kooperationen zwischen Pflegediensten stärken. Bei künftigen Weiterentwicklungen müsse zudem berücksichtigt werden, dass die ambulante Pflege organisatorisch heterogen aufgestellt ist: Manche Dienste arbeiten mit selbstorganisierten Teams, andere folgen stärker hierarchischen Strukturen. Pauschale Lösungen greifen aus Sicht der Autor:innen daher zu kurz.
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