Management
Nur ein Viertel der Ein-Standort-Träger bekommt Mietkosten vollständig erstattet
Eine neue Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zeigt: Steigende Gewerbemieten werden für soziale Träger zum Existenzrisiko. Besonders kleine Einrichtungen mit nur einem Standort könnten Probleme bekommen.
Die BAGFW hat zwischen Oktober und Dezember 2025 bundesweit knapp 700 Träger und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege online befragt. Die Ergebnisse der Studie „Soziale Infrastruktur unter Druck. Gewerbemieten in der Freien Wohlfahrtspflege“ zeichnen laut BAGFW ein Bild wachsender wirtschaftlicher Bedrängnis – mit direkten Folgen für Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und Kitas.
Drei Viertel der befragten Träger befürchten laut BAGFW, nach einer Kündigung ihrer Räumlichkeiten keine bezahlbare Alternative mehr zu finden. Besonders betroffen sind kleinere Organisationen: Bei Trägern mit nur einem Standort hat mehr als die Hälfte seit 2020 bereits eine Mieterhöhung durchlaufen. Ein Drittel aller Träger – unabhängig von der Zahl ihrer Standorte – empfindet die Mietkosten inzwischen als große finanzielle Belastung.
Sechs von zehn Mietverträgen enthalten laut BAGFW-Erhebung bereits Klauseln, die künftige Steigerungen automatisch festschreiben, überwiegend in Form von Staffel- oder Indexmieten. Hinzu kommen Nebenkosten, die viele Träger nach eigenen Angaben kaum noch kalkulieren können.
Sieben von zehn Einrichtungen fehlt es laut Studie an bezahlbaren Räumen, um neue Angebote aufzubauen. Wer auf demografisch bedingt steigende Bedarfe reagieren oder Versorgungslücken schließen möchte, stößt damit an eine Marktgrenze, die sich nicht durch Fachkonzepte oder Trägerwillen überwinden lässt.
Die BAGFW verweist auf eine grundlegende Asymmetrie: Anders als beim Wohnen greift im Gewerbemietrecht kaum ein Schutz vor Verdrängung oder überzogenen Mietsteigerungen. Gemeinnützige Träger konkurrieren um dieselben Flächen wie kommerzielle Unternehmen, können ihre Einnahmen bei steigenden Mieten aber nicht einfach anheben. Sie sind auf öffentliche Refinanzierung angewiesen – und die hinkt der Marktentwicklung hinterher. Nach Angaben der BAGFW bekommt nur rund ein Viertel der Ein-Standort-Träger die Mietkosten vollständig erstattet.
Die BAGFW leitet aus den Zahlen einen politischen Handlungsauftrag ab. Der Dachverband fordert einen verbindlichen Gewerbemietspiegel für mehr Markttransparenz, verbesserte mietrechtliche Schutzmechanismen für gemeinwohlorientierte Träger, eine gezielte Sicherung von Flächen für soziale Infrastruktur in der Stadtplanung sowie eine gesetzlich abgesicherte Refinanzierung der tatsächlichen Miet- und Nebenkosten.
BAGFW-Präsident Achim Meyer auf der Heyde ordnet die Ergebnisse grundsätzlich ein: Soziale Arbeit brauche Räume, und die Anmietung von Gewerberäumen sei keine betriebswirtschaftliche Randfrage. Wo soziale Einrichtungen verdrängt würden, gingen auch Orte der Beratung und sozialen Stabilisierung verloren.
Die BAGFW weist darauf hin, dass die Erhebung im statistischen Sinne nicht repräsentativ ist. Sie liefere aber eine der bislang umfangreichsten Datengrundlagen zur Situation der Gewerbemieten in der Freien Wohlfahrtspflege. (ck)
Die vollständige 40-seitige Studie „Soziale Infrastruktur unter Druck. Gewerbemieten in der Freien Wohlfahrtspflege“ steht auf der Website der BAGFW zum Download bereit: BAGFW_Umfrage_Gewerbemieten_final.pdf
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