Pflegepraxis

Ambulante Pflegepraxis: Den Blutdruck richtig selber messen

Hypertonie-Patient:innen müssen ihren Blutdruck regelmäßig selbst messen. Dabei gibt es einige Fehlerquellen, die häufig missachtet werden und zu falschen Ergebnissen führen können. Das schreibt Gerhard Schröder, Direktor der Akademie für Wundversorgung in Göttingen in der aktuellen Ambulanten Pflegepraxis. Die Heft-Beilage „Ambulante Pflegepraxis“ steht PLUS-Abonnent:innen jeden Monat als PDF zur Verfügung.

Die Beilage "Ambulante Pflegepraxis" erhalten Abonnent:innen der Zeitschrift Häusliche Pflege und PLUS-Abonnent:innen (PDF). Grafik: Vincentz Network

Der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – mit 43 Prozent die häufigste Todesursache bei Erwachsenen in Deutschland – ist die Hypertonie, der Bluthochdruck. Dauerhafter systolischer Blutdruck von mehr als 140 mmHg oder diastolischer Blutdruck von höher als 90 mmHg ist laut Definition der Deutschen Hochdruckliga eine Hypertonie.

Grundlagen Blutdruckmessung

Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat eine bisher entdeckte Hypertonie. Um den Blutdruck richtig einzustellen und zu überwachen, sind regelmäßige Blutdruckmessungen durch den Patienten am sinnvollsten. Denn von 21 Prozent bekannter Hypertonien werden 15 Prozent behandelt und nur drei Prozent sind kontrollierte Hypertoniker. Kontrolliert heißt, dass die Patient:innen gut eingestellt sind und somit das Risiko durch die Hypertonie deutlich gesenkt ist. Dies bedeutet, dass zahlreiche Patient:innen zwar Medikamente einnehmen (oder vielleicht auch nicht?), aber der Erfolg der Behandlung nicht überprüft wird. Denn die Langzeitblutdruckmessungen werden heute nur noch seltener durchgeführt als noch vor einigen Jahren, da man davon ausgeht, dass der Patient den Blutdruck selbst durch ein eigenes Blutdruckmessgerät überprüfen kann.

Weißkittel-Hypertonie

Dass der Blutdruck bei Aufregung ansteigt, ist keine neue Erkenntnis. Da viele Patient:innen beim Arztbesuch aufgeregt sind, steigt der Blutdruck. Man spricht in Fachkreisen deshalb von der „Weißkittel-Hypertonie“. Zum einen muss deshalb eine Hypertonie durch eine Langzeitmessung überwacht werden, um zu sehen, wann Blutdrucksteigerungen auftreten und vor allem, ob nachts eine Absenkung des Blutdrucks stattfindet. Dies ist in der Regel der Fall und für den Kreislauf sehr wichtig. Zum anderen soll der Patient selbst den Blutdruck kontrollieren. Anfangs häufiger, etwa zwei bis vier Mal wöchentlich, bei richtiger Einstellung einmal wöchentlich. Doch bei der Selbstmessung können zahlreiche Fehler zu falschen Ergebnissen führen. Deshalb ist es wichtig, Ihren Patient:innen im Rahmen der Anleitung die korrekte Messmethode zu vermitteln.

Wenn mit nicht automatischen Geräten gemessen wird, muss die Luft sehr langsam aus der Manschette abgelassen werden. Bei einem sehr langsamen Puls muss noch langsamer abgelassen werden. Denn zwischen den einzelnen Pulsschlägen sinkt die „Quecksilbersäule“ zum Beispiel um 10 mmHg pro Pulsschlag – die Abkürzung mmHg stammt vom ursprünglichen Blutdruckmessgerät, das eine auf der Messeinheit angebrachte Glassäule mit einem Quecksilberdepot hatte. Ist der Pulsschlag jedoch langsamer, sinkt die Quecksilbersäule möglicherweise um 20 mmHg. Damit ist die Gefahr zu groß, dass bei zu schnellem Luftablassen der Blutdruck nicht korrekt gemessen wird.

Richtige Lebensweise

Menschen mit Hypertonie werden hinsichtlich der Ernährung verschiedene Verhaltensänderungen empfohlen, die jedoch zum Teil falsch oder längst überholt sind. Einige wichtige hier zusammengefasst:

  • Kochsalz: Etwa die Hälfte der Hypertoniker reagiert auf eine gesteigerte Kochsalzzufuhr mit Blutdruckanstieg. Menschen über 50 Jahren wird empfohlen, nicht mehr als 6 Gramm Kochsalz pro Tag aufzunehmen. Meist nehmen wir zwischen 8 bis 10 Gramm zu uns, also deutlich mehr.
  • Übergewicht: Nachweislich besteht ein Zusammenhang zwischen Hypertonie und Adipositas. Gewichtsreduzierung ist also richtig, ebenso wie eine Bewegungssteigerung.
  • Alkoholkonsum: Erhöhter Alkoholkonsum ist bei rund 1/3 der Hypertonie-Patient:innen ein Verstärker für den Blutdruck. Die Reduzierung auf „wenig Alkohol“ ist richtig.
  • Stress: Dieser Faktor wird von vielen Betroffenen als Ursache der Hypertonie angenommen. Wenige Untersuchungen zeigen, dass Distress tatsächlich den Blutdruck erhöht.
  • Rauchen und Koffein: Rauchen erhöht eindeutig den Blutdruck und kann selbst auch Auslöser für Hypertonie sein. Es liegen keine Daten vor, dass regelmäßiger Koffeingenuss bei Gewöhnung den Blutdruck verändert. Trinken dagegen „Nicht-Kaffee-Trinker“ starken Kaffee, wird der Blutdruck erhöht. Von Rauchen wird abgeraten, von moderatem Kaffeetrinken nicht.

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