Aus- und Weiterbildung

„Betriebswirtschaft schafft den Rahmen für Pflegequalität“

Volle Touren, steigender Umsatz – und trotzdem rote Zahlen: Michael Küppers, Inhaber der 361° Beratung, benennt die häufigsten betriebswirtschaftlichen Fehler ambulanter Dienste. Sein Kernsatz: Auslastung ist nicht Wirtschaftlichkeit. Warum Pflegedienstleitungen ohne belastbare Kennzahlen weder steuern noch verhandeln können.

Foto: Florian Arp

Pflegedienstleitungen übernehmen unternehmerische Verantwortung, ohne systematisch betriebswirtschaftlich ausgebildet worden zu sein. Michael Küppers, Autor des Fernlehrgangs „Ambulante Versorgung wirtschaftlich steuern“ der Vincentz Akademie, sieht darin eine zentrale Ursache für wirtschaftliche Schieflagen.

Fünf typische Fehlermuster

Der Blick richte sich auf den Umsatz statt auf den Deckungsbeitrag – ein Dienst könne wachsen und pro Leistung Geld verlieren. Personalkosten würden als unveränderbar betrachtet, obwohl Ausfallzeiten, Überstunden und Tourenstruktur wesentliche Stellhebel seien. Leistungen würden nicht konsequent auf Wirtschaftlichkeit geprüft. Liquidität werde unterschätzt – Gewinn und Kontostand seien zwei verschiedene Dinge. Und viele Dienste reagierten zu spät: Zeige der Jahresabschluss Probleme, sei es für operative Korrekturen bereits zu spät.

Controlling heißt Steuern

Küppers empfiehlt, monatlich fünf Fragen zu beantworten: Umsatz, produktive Stunden, Personalkosten, nicht refinanzierbare bezahlte Stunden und Ergebnisentwicklung. Eine Seite mit zehn aussagekräftigen Kennzahlen sei besser als ein 100-seitiger Bericht. Zahlen würden erst zur Steuerungsinformation, wenn man Ursache und Wirkung trenne – nach dem Vierschritt Ist-Zahl, Abweichung, Ursache, Maßnahme.

Auslastung ist nicht Wirtschaftlichkeit

Volle Touren führten nicht automatisch zu schwarzen Zahlen. Zu hohe Wegezeiten, qualifikationsfremder Personaleinsatz oder Leistungen, deren Erlöse die Kosten nicht deckten, könnten trotz Vollauslastung Verluste erzeugen. Nicht jeder zusätzliche Auftrag verbessere die Lage.

SGB V und SGB XI trennen

Beide Bereiche folgten unterschiedlichen Finanzierungslogiken und dürften betriebswirtschaftlich nicht in einen Topf geworfen werden. Auf dem Papier attraktive Vergütungen könnten unwirtschaftlich werden, wenn Vor- und Nachbereitung, Dokumentation und Wegezeit mehr Zeit binden als kalkuliert.

Vergütungsverhandlungen begännen Monate vorher in der eigenen Kostenrechnung. Ohne Kenntnis von Personal-, Sach- und Overheadkosten sowie tatsächlichen Zeitaufwänden lasse sich keine Vergütung fundiert begründen. Tarifgerechte Bezahlung und wirtschaftlicher Betrieb seien kein Widerspruch – vorausgesetzt, die Vergütung bilde die Kosten ab.

Gemeinsame Sprache

Wirtschaftlichkeit entstehe nicht in der Buchhaltung. Verwaltung, PDL und Teamleitung bräuchten ein gemeinsames Grundverständnis, damit etwa der ökonomische Effekt einer schlecht geplanten Tour überall erkannt werde.

Küppers‘ Fazit: Betriebswirtschaft sei keine Konkurrenz zur Pflegequalität, sondern schaffe den Rahmen dafür, dass Pflegequalität dauerhaft erbracht werden könne. (ck)

Fernlehrgang „Ambulante Versorgung wirtschaftlich steuern“

Weitere Informationen zum Fernlehrgang „Ambulante Versorgung wirtschaftlich steuern“ (Start: 17. September 2026, Laufzeit rund drei Monate, drei Module inklusive Lehrbriefen und Webinaren) finden Sie unter: https://www.vincentz-akademie.de/kursuebersicht/ambulante-versorgung-wirtschaftlich-steuern/

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