Pflegebedürftige

Kasse warnt vor „Betrugsmasche mit Pflegeboxen“

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse berichtet über eine Zunahme von Beschwerden zu telefonischer Werbung für Pflegebox-Abonnements. Die Ausgaben für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch haben sich laut Kasse zwischen 2019 und 2025 verdreifacht.

Senior Telefon Hilfe Anruf
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Nach Angaben der KKH gehen bei der Kasse vermehrt Hinweise von Versicherten ein, die am Telefon zum Abschluss eines Pflegebox-Abos gedrängt worden seien – teils auch dann, wenn die Versorgung bereits über eine Apotheke erfolgt. Emil Penkov, Chefermittler der Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei der KKH, ordnet solche Anrufe als mögliche Betrugsmasche ein, die sich nach seiner Einschätzung bundesweit ausbreitet.

Laut KKH sind die Ausgaben für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, zu denen auch Pflegeboxen zählen, von 2019 bis 2025 um 204,3 Prozent gestiegen – von rund 3,7 auf mehr als elf Millionen Euro. Den höchsten Kostenanstieg von rund 77 Prozent verzeichnete die Kasse zwischen April 2020 und Dezember 2021. In diesem Zeitraum war der monatliche Anspruch im Rahmen pandemiebedingter Sonderregelungen vorübergehend von 42 auf 60 Euro angehoben worden. Nach Auslaufen der Sonderregelung gingen die Ausgaben nach Angaben der Kasse nicht zurück, sondern stiegen weiter. Penkov wertet diese Entwicklung als Indiz für einen rechtsmissbräuchlich erschlossenen Geschäftsbereich.

Grundlage ist der Anspruch von Versicherten mit Pflegegrad auf Pflegehilfsmittel im Wert von bis zu 42 Euro monatlich, die über die Pflegekasse abgerechnet werden. Penkov zufolge nehmen Anbieter meist telefonisch Kontakt auf und geben sich teilweise als Mitarbeitende einer Pflegekasse aus, um personenbezogene Daten zu erhalten. Beworben würden zuzahlungsfreie Boxen mit Desinfektionsmitteln, medizinischen Masken oder Bettschutzeinlagen – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf.

Da unaufgeforderte Werbeanrufe nicht zulässig sind, kämen nach Darstellung der KKH auch automatische Telefonansagen zum Einsatz. Vertragsabschlüsse würden teils mit mutmaßlich gefälschten Unterschriften generiert. Die Anbieter arbeiteten gut vernetzt, häufig über Callcenter, was die Aufklärung erschwere. Penkov sieht die Handlungsmöglichkeiten der Pflegekassen als begrenzt an und hält eine politische und gesetzgeberische Lösung für erforderlich.

Die KKH rät, entsprechende Anrufe sofort zu beenden und keine sensiblen Daten wie Adresse oder Versichertennummer weiterzugeben – weder telefonisch noch per Mail oder Post. Zugesandte Anträge oder Vollmachten sollten Betroffene und Angehörige laut Penkov nicht unterschreiben.

Verdächtige Rufnummern können bei der Bundesnetzagentur gemeldet werden, die unseriöse Nummern sperren kann. Zudem sollten Angerufene die Löschung ihrer Daten sowie das Ende weiterer Kontaktversuche einfordern. Nach Angaben der KKH besteht ein Auskunftsrecht darüber, welche Daten gespeichert und verarbeitet wurden, woher diese stammen und an wen sie übermittelt werden. Dieses Recht lässt sich formlos und ohne Begründung geltend machen.

Die Kasse empfiehlt zudem, die eigene Pflegekasse über solche Vorfälle zu informieren. Benötigte Hilfsmittel sollten Versicherte mit Pflegegrad nach individuellem Bedarf in einer Apotheke oder einem Sanitätshaus auswählen; die Abrechnung erfolgt direkt mit der Pflegekasse. (ck/lon)