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Kommunale Kürzungen treffen soziale Dienste

Sozialunternehmen müssen sich auch in den kommenden Jahren auf wirtschaftlich herausfordernde Zeiten einstellen. Besonders in zuwendungsfinanzierten Bereichen sowie der Eingliederungs-, Kinder- und Jugendhilfe drohen massive Kürzungen durch kommunale Kostenträger. Darauf wies Dr. Christian Heitmann, Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmensberatung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) hin.

Kommunale Kostenträger kürzen Zuwendungen – darauf müssen sich Sozialunternehmen auch in den kommenden Jahren einstellen, sagt Dr. Christian Heitmann, Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmensberatung bei Curacon. Foto: Adobe Stock/patpitchaya

Dr. Christoph Niering, Vorsitzender des Verbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID), rechnet mit einer wachsenden Zahl von Klinikinsolvenzen. Während bisher überwiegend freigemeinnützige und private Träger betroffen waren, steige nun auch der Druck auf kommunale Häuser. „Inzwischen ist es kein Tabu mehr, eine kommunale Klinik in die Insolvenz zu schicken“, so Niering.

Die notwendige Reduzierung der Krankenhausdichte verlaufe jedoch unkoordiniert. Zudem müssten gemeinnützige Häuser künftig mehr denn je davon ausgehen, ein Verfahren ohne finanzielle Hilfe der Kostenträger zu bewältigen. „Von außen kommt selten jemand, der hilft – man muss sich selbst helfen können.“

Insolvenz als Chance für Neuanfang

Wie ein solches Verfahren erfolgreich gestaltet werden kann, berichteten Ulrike Petermann, Theologische Vorständin der Pfeifferschen Stiftungen, und Dr. Lars Charbonnier, Geschäftsführer der Akademie für Kirche und Diakonie (akd). Petermann bezeichnete das Insolvenzverfahren der Pfeifferschen Stiftungen als „Befreiungsschlag“. Dank offener und ehrlicher Kommunikation hätten die Mitarbeitenden und weitere Partner den notwendigen Sanierungsprozess gut mitgetragen.

„Ich habe unseren Mitarbeitenden vermittelt: Gott ist da – auch in der Krise“, so Petermann. Das Sanierungsverfahren sei inzwischen abgeschlossen, drei Gesellschaften aus dem Gesundheitsbereich wurden an einen kommunalen Träger übergeben.

Für Charbonnier war die Entscheidung für den Weg einer Insolvenz zunächst ein tiefer Einschnitt, letztlich aber eine Chance zur Neuausrichtung der Organisation. „Als klar war, dass es ein tragfähiges Geschäftsmodell gibt, war das eine große Entlastung“, sagte er. Heute rät er Organisationen, die Gestaltungsspielräume eines Insolvenzverfahrens zu nutzen: „Man sollte keine Angst davor haben.“