Ambulanter Pflegemarkt
Neuer Träger für insolvente Diakonie-Dienstleistungen Wetterau
Die im Januar 2026 in die Insolvenz gerutschte Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH findet einen Käufer. Die neu gegründete Pflege und Betreuung Wetterau GmbH übernimmt den Geschäftsbetrieb. Hintergrund der Schieflage: die Deckelung der Stundensätze für Betreuungsleistungen nach §45 SGB XI durch das Land Hessen.
Die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW) mit Sitz in Nidda hatte am 15. Januar 2026 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt. Der gemeinnützige Träger betreut nach eigenen Angaben 209 pflegebedürftige Menschen im Wetteraukreis, davon 99 im Stadtgebiet Nidda. Die Versorgungsgebiete umfassen Nidda, Büdingen/Gedern sowie Friedberg/Butzbach. DDLW ist anerkannter Anbieter von Alltags- und Demenzbegleitung, hauswirtschaftlichen Hilfen und stundenweiser Betreuung – Leistungen, die die medizinische Pflege durch Sozialstationen ergänzen.
Als Ursache für die Insolvenz nennen die Insolvenzanwälte die seit Oktober 2021 vom Land Hessen vorgegebene Deckelung des Stundensatzes für Betreuungsleistungen nach §45 SGB XI. Hinzu komme die Unsicherheit, ob ergänzende kommunale Zuschüsse auch künftig in ausreichender Höhe fließen. Die Kombination aus regulatorisch fixierten Erlösen und unklarer kommunaler Mitfinanzierung machte den Betrieb laut Mitteilung wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
Das Amtsgericht Friedberg (Hessen) bestellte zunächst Rechtsanwalt Markus Walter von der Kanzlei HGW zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Walter führte den Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fort und beauftragte die Deichmann Corporate Finance GmbH mit der Investorensuche. Zum 1. April 2026 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, Walter zum Insolvenzverwalter bestellt. Den Zuschlag erhielt nach einem laut Mitteilung umfangreichen Investorenprozess die Pflege und Betreuung Wetterau GmbH, die den Betrieb übernimmt.
Die Pflege und Betreuung Wetterau GmbH wurde eigens für die Übernahme gegründet. Geschäftsführende Gesellschafter sind Ralf Schüßler und Andreas Wirsing. Schüßler betreibt bereits das Unternehmen „Die Kümmerer“ für Alltagsbegleitung im Raum Büdingen, Wirsing den Pflegedienst Wirsing in Altenstadt mit Leistungen nach SGB V und SGB XI sowie hauswirtschaftlicher Versorgung und Pflegeberatung. Alle DDLW-Mitarbeitenden sowie die Kundschaft sollen übernommen werden.
Insolvenzverwalter Walter wird mit der Einschätzung zitiert, mit dem Erwerber sei ein „solider und branchenerfahrener Investor“ gefunden worden, der die Versorgung unmittelbar fortführen könne. Schüßler und Wirsing erklärten, sie freuten sich auf die Zusammenarbeit mit Kunden und Mitarbeitenden. (ck)
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