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Pflegebegutachtung in Bayern: Zufriedenheit steigt trotz Rekordaufkommen

Der Medizinische Dienst Bayern hat 2025 so viele Pflegebegutachtungen durchgeführt wie nie zuvor. Gleichzeitig bewerten die Versicherten die Qualität der Begutachtungen besser als im Vorjahr – und der Dienst will künftig stärker auf Prävention setzen.

MD Bayern
„In das Zentrum unserer Beratungen rücken wir dabei vor allem auch Möglichkeiten zur Verlangsamung oder gar Vermeidung von Pflegebedürftigkeit. Wir wollen die Selbstständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich erhalten“, so Prof. Dr. Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bayern. Foto: MD Bayern

Laut der aktuellen Versichertenbefragung des Medizinischen Dienstes Bayern wurden im Jahr 2025 insgesamt 453.407 Pflegebegutachtungen im Freistaat vorgenommen – ein neuer Höchstwert. Die Zufriedenheit der gesetzlich Versicherten mit den persönlichen Hausbesuchen stieg dabei von 82,5 Prozent im Vorjahr auf 84,4 Prozent. Dass beide Werte gleichzeitig nach oben gehen, ist angesichts der wachsenden Belastung im Pflegesystem keineswegs selbstverständlich.

Der Medizinische Dienst Bayern begutachtet die Pflegebedürftigkeit gesetzlich Versicherter und spricht gegenüber der Pflegekasse eine Empfehlung für einen Pflegegrad aus. Um die Qualität dieser Begutachtungen zu messen, erhalten zufällig ausgewählte Versicherte im Nachgang einen anonymen Fragebogen, mit dem sie den gesamten Ablauf und die Gutachterinnen und Gutachter bewerten können.

Hohe Werte in allen Einzelkategorien

Die detaillierten Ergebnisse der Befragung zeichnen laut dem Medizinischen Dienst Bayern ein durchweg positives Bild. In der Kategorie Termintreue gaben 97,2 Prozent der Befragten an, zufrieden zu sein. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ansprechpersonen bewerteten 91,4 Prozent positiv. Beim respektvollen und einfühlsamen Umgang mit den Versicherten lag der Wert bei 89,3 Prozent, die Vertrauenswürdigkeit der Gutachterinnen und Gutachter erreichte 89,8 Prozent. Deren fachliche Kompetenz wurde von 89,2 Prozent der Befragten als zufriedenstellend eingestuft.

Prof. Dr. Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bayern, ordnete die Ergebnisse ein: „Gerade vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen im Gesundheitssystem und immer mehr Menschen mit Pflegebedarf freuen wir uns über diese exzellenten Ergebnisse.“ Sie bestätigten, dass die Gutachterinnen und Gutachter „sensibel, wertschätzend und respektvoll“ mit der herausfordernden Begutachtungssituation umgingen.

Drei Handlungsfelder für die Weiterentwicklung

Trotz der guten Gesamtbewertung identifiziert die Befragung laut dem Medizinischen Dienst Bayern drei zentrale Handlungsfelder.

  • Erstens müssten die internen Abläufe weiter optimiert werden, damit bei steigenden Auftragszahlen genügend Zeit für das einzelne Begutachtungsgespräch bleibt.
  • Zweitens werde in verschiedenen Modellprojekten – unter anderem durch den GKV-Spitzenverband – eine digitale Videobegutachtung erprobt. Ziel sei es, bundesweit flexibler auf die Lebensrealitäten der Betroffenen eingehen zu können.
  • Drittens zeigten die Rückmeldungen der Befragten, dass der Wunsch nach individueller Beratung zur eigenen Pflegesituation und nach Orientierung im komplexen Pflegesystem wächst. Dieser Befund speist sich laut dem Medizinischen Dienst Bayern direkt in die laufende politische Debatte um die Zukunft der Pflege ein.

Pilotprojekt soll Pflegebedürftigkeit hinauszögern

Als konkrete Antwort auf den gestiegenen Beratungsbedarf will der Medizinische Dienst Bayern seinen Fokus stärker auf Gesundheitsförderung und Prävention legen. Ein zentrales Instrument ist dabei das Pilotprojekt „Präventive Pflegeberatung“. Versicherten, bei denen ein hohes Präventionspotenzial festgestellt wird, soll im Anschluss an die Begutachtung aktiv eine individuelle Beratung angeboten werden. Das Ziel: Die Selbstständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich erhalten und den Eintritt oder die Verschlechterung von Pflegebedürftigkeit verlangsamen oder im besten Fall ganz vermeiden.

„Genau diese Orientierung wollen wir künftig noch stärker geben und dadurch die Gesundheitsförderung der Versicherten weiter erhöhen“, sagte Wöhler. Der Medizinische Dienst verfüge über umfassende pflegefachliche Kompetenz und kenne den gesetzlichen Rahmen im Detail – beides solle in die Beratung einfließen.