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Prof. Thomas Druyen im Interview: „KI wird die Bürokratie beseitigen“
Im Interview erläutert Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunftsstiftung und Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmangement an der Sigmund Freud PrivatUniversität, wohin sich die ambulante Pflege im nächsten Jahrzehnt entwickelt und welchen Einfluss technische Innovationen haben werden.
Wie sieht der Gesundheitsmarkt im Jahr 2030 aus?
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird mit großer Geschwindigkeit voranschreiten. Telemedizin und intelligente Gesundheitstracker spielen eine starke Rolle. Ebenso wird KI umfassend genutzt, um personalisierte Medizin und Prävention zu ermöglichen. Die alternde Bevölkerung wird die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen, insbesondere in den Bereichen Pflege und geriatrische Medizin massiv erhöhen. Damit verbunden rücken auch innovative Modelle der Altenpflege und altersgerechte Wohnformen verstärkt in den Fokus.
Zudem wird die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe weiter vorangetrieben. Sie werden auch mehr medizinische Aufgaben von Ärzten übernehmen. Die technologische Beschleunigung wird neue Berufsfelder schaffen, während traditionelle Heilberufe sich für Veränderung öffnen sollten. Um durch Prävention auch Kosten im Gesundheitswesen zu reduzieren, sollte die Gesundheitsförderung vermehrt in Schulen, Unternehmen und Gemeinden integriert werden. All das sind Themen, mit denen wir uns unter anderem beim opta data Zukunftstag am 7. März in Essen befassen werden.
Wie wird sich insbesondere die ambulante Pflege verändert haben?
Hier kommt es zu verstärktem Einsatz von digitalen Technologien, wie Telepflege und Pflegeroboter, um die Effizienz in der Pflege zu steigern. Die Verwendung von Smart-Home-Lösungen zur Überwachung von Patienten und Unterstützung bei der Pflege zu Hause sind auf der Tagesordnung. Die Entwicklung neuer Finanzierungsmodelle, die die ambulante Pflege stärker berücksichtigen und den Fokus auf präventive Maßnahmen und häusliche Versorgung legen, ist unumgänglich.
Auch eine stärkere Betonung der Patientenautonomie und -partizipation bei der Gestaltung der eigenen Pflege, unterstützt durch digitale Plattformen zur Kommunikation und Planung sind erforderlich. Zunehmend wird sich die Bedeutung von Qualitätsmanagement und digitaler Transparenz in der ambulanten Pflege erhöhen, um die Qualität der Versorgung sicherzustellen und Vertrauen zu schaffen.
Welchen Einfluss hat Künstliche Intelligenz auf die Gesundheitsfachberufe?
Einen Gigantischen! Stellen sie sich zum Beispiel eine Leitstelle vor, die schon beim Notruf auf alle Patienten- und Vitaldaten durch Smartuhren oder -phone zugreifen.
Die Behandlung und auch die mögliche Delegation anstehender Aufgaben könnte sofort umgesetzt werden. Alle profitieren von einer reibungslosen Logistik zum Schutze der Menschen. KI wird die Systemrelevanz der Gesundheitsfachberufe stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft rufen und auch zur massiven Aufwertung dieser existentiellen Arbeit führen.
Welche Veränderungen wird die Telematikinfrastruktur für diese Berufe bringen?
Die Telematikinfrastruktur (TI) spielt eine entscheidende Rolle bei der Digitalisierung der Gesundheitsfachberufe. In der Pflege zum Beispiel wird Pflegedokumentationen elektronisch erfasst, was die Koordination zwischen den Pflegekräften und allen beteiligten Stellen enorm verbessert.
Die TI fördert die Interoperabilität zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. Pflegeeinrichtungen können so besser mit allen Stakeholdern vernetzt sein, was die Versorgung und den Informationsaustausch erleichtert. Der Messenger KIM (Kommunikation im Medizinwesen) kann dafür die Schnittstelle sein, während über DiPAs (Digitale Pflege Anwendungen) ferngestützte Pflegeleistungen erbracht werden.
Die elektronische Übertragung von Rezepten und Medikationsplänen ermöglicht eine genauere Überwachung der Medikamenteneinnahme in der Pflege. Dies trägt zur Verbesserung der Patientensicherheit bei. Notfalldaten können über die Telematikinfrastruktur schnell und sicher abgerufen werden. Diese Vorteile werden bereits heute greifbar, indem spezifische Pilotprojekte z.B. in der ambulanten Pflege die Strukturen der elektronischen Verordnung entwickeln und verproben. Dies erfolgt unter Abstimmung zwischen Multiplikatoren und Industriepartnern wie z.B. der opta data Gruppe.
Welches Mindset brauchen wir für die Zukunft?
Druyen: Ein fortschrittliches Mindset, das bereit ist, sich ständig zu entwickeln, dass den Umgang mit Unsicherheit bewältigen kann und eine ständige Veränderung als Normalität empfindet. Das riecht nach Stress, wird aber das Gegenteil sein. KI wird die Berufe erleichtern und die Bürokratie weitgehend beseitigen. Wir werden mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben bekommen. Auschlaggebend aber ist unsere Psyche: lebt sie diesen Wandel mit Angst und Rückwärtsgewandtheit oder erkennt sie den unglaublichen Fortschritt. Die Zukunft entscheidet sich im Kopf.
Interview: Lukas Sander
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