Personal
Bochumer Bund will Personalbemessungssystem für ambulante Pflege
Der BochumerBund hat ein umfassendes Positionspapier zur Zukunft der Pflege in Deutschland veröffentlicht. Die gewerkschaftliche Vertretung für professionell Pflegende kritisiert, dass bisherige politische Maßnahmen oft verwässert wurden oder ihre Ziele verfehlen.
Laut BochumerBund muss die Akademisierung der Pflegeberufe in Deutschland deutlich vorangetrieben werden. Die Organisation fordert die Definition einer konkreten Akademisierungsquote bis 2035, um Deutschland im internationalen Vergleich attraktiver für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen zu machen. „Die Ausführung von Heilkunde muss letztlich von allen Pflegefachpersonen gewährleistet sein“, heißt es im Positionspapier, wobei spezifische, mit Gefahren verbundene Heilkunde akademisierten Pflegefachpersonen vorbehalten bleiben soll.
Bei der tariflichen Entwicklung sieht der BochumerBund trotz gestiegener Gehälter weiterhin „ein signifikantes Delta zwischen einem angemessenen Gehalt und der tatsächlich tariflich festgelegten Entlohnung“. Besonders problematisch sei die Situation in der Langzeitpflege und ambulanten Pflege, wo durch die Auslegung der „ortsüblichen“ Entlohnung Tarifverträge umgangen werden könnten. Die Gewerkschaft fordert eine 100-prozentige Refinanzierung der tatsächlichen Personalkosten in der Langzeitpflege.
Im Bereich der Selbstverwaltung kritisiert der BochumerBund, dass Bemühungen zur Implementierung von Landespflegekammern in mehreren Bundesländern gescheitert sind. Dies liege jedoch „nicht an der Institution der Kammern, sondern an halbherzigen, unausgereiften oder schlecht aufgestellten Verfahren“. Die Organisation fordert eine flächendeckend organisierte Selbstverwaltung der Pflegefachpersonen.
Hinsichtlich der Ausbildung bemängelt der BochumerBund den Zustand der Berufsschulen und Ausbildungsstätten, die oft personell und materiell unzureichend ausgestattet seien. Auch die digitale Ausstattung und die Praxisanleitung durch qualifizierte Pflegefachpersonen müssten verbessert werden. Bei primärqualifizierenden Studiengängen bestünden „erhebliche strukturelle und finanzielle Defizite“, die einer erfolgreichen Umsetzung entgegenstünden.
Bei den Personalschlüsseln fordert die Gewerkschaft, bestehende Fachkraftquoten beizubehalten, bis das neue Personalbemessungssystem mit dem erforderlichen Qualifizierungsniveau eingeführt ist. „In der ambulanten Pflege ist die Implementierung eines evidenzbasierten Personalbemessungssystems dringend erforderlich. Die Festlegung der Minutenwerte erfolgt nach wie vor auf Basis einer unzureichenden Honorierung pflegerischer Leistungen, was zu einem inakzeptablen Arbeitsdruck für die Kolleg:innen in den Touren führt. Wir fordern die unverzügliche Beauftragung und Einführung eines evidenzbasierten Personalbemessungssystems“, heißt es im Positionspapier.
Der BochumerBund fordert zudem die Aufhebung der Sektorengrenzen im Gesundheitswesen, da diese zu Versorgungsbrüchen führten. Es brauche gesetzliche Regelungen, die eine sektorübergreifende Zusammenarbeit verpflichtend machen und sektorübergreifende Budgets etablieren.
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