Personal
Geld ist nicht alles: Was Pflegekräfte wirklich frustriert
Verlässliche Dienstpläne, weniger Bürokratie und mehr Wertschätzung – Studien zeigen, dass die Arbeitszufriedenheit in der Pflege von vielen nicht-monetären Faktoren abhängt.
In Deutschland kümmern sich 1,7 Millionen Pflegekräfte um Kranke und knapp fünf Millionen Pflegebedürftige. Damit stellen sie die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Dennoch herrscht ein akuter Fachkräftemangel, der die Arbeitsbelastung für das vorhandene Personal stetig erhöht. Eine aktuelle Untersuchung von Silke Trumpa, Professorin am Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hochschule Fulda, und ihrem Mitarbeiter Maximilian Schöner beleuchtet nun die Gründe für die Unzufriedenheit vieler Pflegekräfte jenseits der Vergütungsfrage.
Die Forschenden haben elf wissenschaftliche Studien aus den Jahren 2018 bis 2023 ausgewertet, darunter auch von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Probleme nicht erst seit der Corona-Pandemie bestehen: Bereits 2019 dachten 40 Prozent der über 2000 befragten Pflegekräfte mehrmals monatlich über einen Arbeitgeberwechsel nach. 35 Prozent erwogen regelmäßig einen kompletten Berufswechsel. Eine Umfrage unter bayerischen Pflegedienst-Beschäftigten aus dem Jahr 2021 ergab sogar, dass 59 Prozent häufig mit dem Gedanken spielten, den Beruf zu verlassen.
Laut der Analyse von Trumpa und Schöner liegt ein Großteil der Frustrationsfaktoren auf der organisatorischen Ebene. Besonders wichtig sind für viele Pflegekräfte verlässliche Dienstpläne und Mitspracherecht bei der Einsatzplanung, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Ein weiteres zentrales Problem sind unterbesetzte Schichten, in denen weder für Patient:innen noch für Pausen genügend Zeit bleibt. Auch die umfangreichen Dokumentationspflichten und bürokratischen Anforderungen wirken oft zermürbend.
Neben diesen strukturellen Faktoren spielt die Wertschätzung durch Vorgesetzte eine entscheidende Rolle für die Arbeitszufriedenheit. Ebenso wichtig sind die Kollegialität im Team und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Angebote zur Stressbewältigung oder Supervisionen könnten laut den Forschenden helfen, die hohe Belastung besser zu bewältigen.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass wir „kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit“ haben. Die Ursachen für die Unzufriedenheit seien lange bekannt und durch Studien belegt. Allerdings gebe es angesichts der komplexen Zusammenhänge im Gesundheitssystem keine einfachen Lösungen. Um beispielsweise den Dokumentationsaufwand nachhaltig zu senken, müssten gesetzliche Vorgaben vereinfacht, einheitliche digitale Dokumentationssysteme flächendeckend eingeführt und standardisierte Dokumentationsmodelle etabliert werden.
In den Einrichtungen selbst sei es wichtig, ein unterstützendes Arbeitsklima zu schaffen. Neben einer ausreichenden Personaldecke seien individuelle Förderung durch Führungskräfte, vertrauensvolle und offene Kommunikation auf Augenhöhe sowie die Übertragung von Verantwortung entscheidend, damit „Pflegekräfte sich entfalten und engagiert bleiben können“, so die Forschenden.
Die Herausforderung wird in den kommenden Jahren noch zunehmen: Laut statistischer Prognosen wird der Bedarf an Pflegekräften von 1,62 Millionen im Jahr 2019 auf 2,15 Millionen im Jahr 2049 steigen.
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