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Juist verliert seine Diakoniestation – Pflegebedürftige fürchten um ihre Heimat

Auf der ostfriesischen Insel Juist steht die ambulante Versorgung vor einem Bruch: Die Diakoniestation des Kirchenkreises Norden beendet zum 30. November ihre Arbeit. Grund ist der eklatante Personalmangel. Für die derzeit rund 16 bis 19 Pflegebedürftigen auf der Insel könnte das bedeuten, dass sie ins Alter auf das Festland ziehen müssen.

Die Schließung der Juister Sozialstation könnte zur Folge haben, dass die Pflegebedürftigen die Insel verlassen müssen. Foto: Adobe Stock/ Friedberg

Über Jahre hatten zwei Pflegekräfte die Versorgung sichergestellt. Doch nach dem Ruhestand eines langjährigen Krankenpflegers blieb die Stelle dauerhaft unbesetzt. Die Diakonie hatte nach eigenen Angaben bereits früh signalisiert, dass es kaum möglich sei, Pflegefachkräfte für ein Leben und Arbeiten auf einer kleinen Insel zu gewinnen.

Unsichere Perspektiven

Eine Pflegerin, die seit Ende 2024 auf Juist arbeitet, will weiterhin bleiben – sofern ihre Wohnung gesichert werden kann. Damit könnte zumindest ein kleiner Teil der Versorgung vorerst weiterlaufen. Bürgermeister Dr. Tjark Goerges erklärte gegenüber NWZ online, die Kommune sei im Austausch mit den Kranken- und Pflegekassen, um eine tragfähige Lösung zu finden. Gleichzeitig betonte er, dass die Diakonie rechtlich nicht verpflichtet sei, das Angebot aufrechtzuerhalten.

Suche nach Alternativen

Diskutiert wird nun, wie leerstehende Gebäude genutzt werden könnten. Das Haus „Eckart“ der evangelischen Gemeinde bietet Möglichkeiten für altengerechtes Wohnen, außerdem wird geprüft, ob das nicht mehr genutzte „Inselhospiz“ umgestaltet werden kann. Auch für das ehemalige „Seeferienheim“ gibt es Interessenten, mit denen Gespräche laufen.

Für die Inselbewohner bleibt die Situation dennoch angespannt. Angehörige äußerten Sorgen, dass ältere Menschen nach einem Leben auf Juist ihre Heimat verlassen müssten – ein Szenario, das auf Nachbarinseln mit stationären Einrichtungen seltener eintritt.

Der Fall Juist verdeutlicht, wie verletzlich die Pflegeversorgung in strukturschwachen Regionen ist – und wie schnell Leitungskräfte von Trägern und Kommunen handeln müssen, wenn Schlüsselpersonal ausfällt.