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Expert:innen sehen Pflegekammern als Schlüssel für mehr Einfluss und Professionalität
Wie kann die Pflege zukunftsfähig gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung care:next am 13. und 14. Oktober in Bremen. Vertreter:innen aus Politik, Pflegepraxis, Krankenkassen und Technologieunternehmen diskutierten über strukturelle Veränderungen, Digitalisierung und die Rolle einer stärkeren Selbstverwaltung.
In seinem Impuls entwarf der CDU-Politiker Rainer Bensch, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, ein Zukunftsbild der Pflege im Jahr 2035: „Die Pflegekraft steigt in ihr E-Auto und weiß, es wird ein richtig guter Tag“, sagte er. Pflegeberufe hätten dann eine gesellschaftliche Anerkennung „auf Augenhöhe mit Ingenieur:innen“, Hochschulen böten spezialisierte Studiengänge, und die Digitalisierung sorge für mehr Zeit für direkte Zuwendung. „Das Gespräch am Pflegebett wird als Wert der Pflege anerkannt“, so Bensch.
Auch strukturell zeichnete er ein anderes Bild: „Es gibt nicht mehr das Bundesministerium für Gesundheit, sondern eines für Prävention und Pflege.“ Pflegeberufe müssten sich selbstbewusster aufstellen und eine eigenständige Rolle im Gesundheitswesen einnehmen. „Die Frage ist: Wo wollen wir hin? Wollen wir, dass Pflege sich weiterentwickelt und sich selbst verwaltet?“, so Bensch weiter.
Selbstverwaltung als Voraussetzung für strukturelle Veränderungen
In der anschließenden Diskussion stand die Professionalisierung der Pflege im Mittelpunkt. Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), machte deutlich, dass die Potenziale des Berufs derzeit nicht ausreichend genutzt würden: „Pflege kann deutlich mehr, darf es aber nicht.“ Entscheidend sei eine stärkere Selbstorganisation der Profession. „Power geht nur über Selbstverwaltung“, betonte Lux und verwies auf die Notwendigkeit von Pflegekammern.
Bensch unterstrich diesen Punkt: „Pflegekammern sind für mich das A und O.“ Nur durch verbindliche Strukturen könne die Pflege ihren Einfluss auf politische Entscheidungen ausbauen. Sabrina Jacob von der Techniker Krankenkasse ergänzte, dass auch die Finanzierung der Pflegeversicherung gesellschaftlich neu bewertet werden müsse. Zudem gebe es Potenzial für effizientere Versorgungsstrukturen.
Internationale Modelle und digitale Lösungen als Impulsgeber
Gunnar Sander von Buurtzorg Deutschland verwies auf das niederländische Modell der Pflegeorganisation, das auf weniger föderale Strukturen und mehr Entscheidungsspielräume für Pflegedienste setzt. Dort bestimmten Pflegeteams selbst, wie viel Zeit sie für Patient:innen aufwenden. „Ärzt:innen spielen keine genehmigende Rolle mehr, sondern sind Teil der Versorgung“, erklärte Sander.
Technologie könne ebenfalls einen wesentlichen Beitrag leisten, sagte Tobias Leipold, CEO von eHC & medivise. Elektronische Patientenakten, sprachgesteuerte Dokumentation und automatisierte Pflegeplanung seien Beispiele, wie Digitalisierung Entlastung schaffen könne. „Es gibt jedoch noch erheblichen Nachholbedarf – viele Einrichtungen arbeiten noch mit Papierakten“, so Leipold.
Ausbildung und Qualifizierung bleiben zentrale Grundlage
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die zukünftige Gestaltung der Pflegeausbildung. Jacob forderte flexible und durchlässige Bildungswege: „Wir brauchen verschiedene Zugänge in den Beruf.“ Gleichzeitig bleibe die klassische Ausbildung unverzichtbar, ergänzte Kmetsch: „Ich greife noch heute auf Wissen aus meiner Pflegeausbildung zurück.“
Lux sprach sich für eine stärkere Praxisorientierung in der Ausbildung aus, etwa durch den Aufbau von Skills Labs. Zudem müsse die Vermittlung digitaler Kompetenzen fester Bestandteil werden. „Systeme müssen anwenderfreundlich und interoperabel sein. In den USA programmieren Pflegekräfte bereits Apps“, sagte sie.
Die Podiumsdiskussion im Rahmen von care:next 2025 machte deutlich, dass die Zukunft der Pflege von mehreren Faktoren abhängt: einer stärkeren Selbstverwaltung, strukturellen Reformen, gezielter Digitalisierung und einer qualitativ hochwertigen Ausbildung.
care:next ist eine Initiative von Bärcare
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