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Mehr Flexibilität – weniger Bürokratie

Pflegereform mit persönlichem Budget: Eine Arbeitsgruppe mit 15 Experten will die Pflegeversicherung grundlegend umbauen und setzt dabei auf ein stundenbasiertes Budget statt strukturbezogener Qualitätsmessung. Der Reformvorschlag wurde von der Rummelsberger Diakonie an Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach überreicht.

Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie hat der bayerischen Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, einen umfassenden Reformvorschlag zur Pflegeversicherung überreicht.
Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie hat der bayerischen Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, einen umfassenden Reformvorschlag zur Pflegeversicherung überreicht. Foto: Lisa Vogel

Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie, hat Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach einen umfassenden Reformplan für die Pflegeversicherung vorgelegt. Laut der Rummelsberger Diakonie entwickelten 15 Fachleute aus ganz Deutschland gemeinsam fünf Reformprioritäten, die dem Fachkräftemangel und dem wachsenden Pflegebedarf begegnen sollen.

Ergebnisqualität statt Strukturvorgaben

Der Reformvorschlag sieht vor, die Qualitätsmessung grundlegend zu ändern. Laut Schulz soll Qualität künftig nicht mehr an Strukturen, sondern an der tatsächlichen Wirksamkeit bei den Pflegebedürftigen gemessen werden. Eine unabhängige Qualitätsprüfung und mehr Vertrauen in die Pflegeanbieter sollen Innovation und Effizienz fördern.

Das Konzept basiert auf einem einfachen, vom Pflegegrad abhängigen Stundenmodell als persönliches Budget. Angehörige – die laut der Diakonie eine zentrale Säule der Pflege darstellen – würden direkte Unterstützung erhalten. Behandlungen, die sie nicht selbst erbringen können, würde das Budget abdecken.

Grenzenlose Pflege zwischen ambulant und stationär

Der Reformplan sieht vor, die Grenzen zwischen ambulanter, stationärer und teilstationärer Pflege aufzuheben. Pflegebedürftige hätten unabhängig von ihrer Wohnform Zugang zu dem Budget-System. Laut der Rummelsberger Diakonie ließe sich so die ambulante Versorgung qualitativ verbessern, ohne zusätzliche Finanzmittel bereitzustellen.

Digitale Lösungen sollen den Pflegealltag erleichtern und innovative Projekte ermöglichen. Ein bundesweit einheitliches Kalkulationsverfahren für Pflegesätze würde die Abrechnungen vereinfachen und Liquiditätsengpässe bei Pflegeanbietern durch verzögerte Zahlungen verhindern.

„Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Flexibilität, damit gute und würdige Pflege für alle erreichbar bleibt“, betonte Schulz laut der Mitteilung gegenüber der Staatsministerin. Eine Vereinfachung würde Verwaltungskapazitäten bei Anbietern und Kassen freisetzen.

Der Diakonie-Vorstand bot der Ministerin aktive Mitwirkung an, um „echten Fortschritt auf den Weg zu bringen“. Schulz warnte, die Bürger würden weitere Debatten über Leistungskürzungen oder Beitragserhöhungen nicht länger hinnehmen, während nachhaltige Strukturreformen ausblieben. Sein Appell: „Was wir brauchen, ist ein ‚New Deal‘ für die Pflege“ – nur so könne der Sozialstaat zukunftsfest gemacht werden.