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Digitale Hilfsmittel: Studie zeigt Stillstand in Heimen und häuslicher Versorgung
Eine neue Umfrage unter Pflegekräften offenbart: Digitale Technologien spielen in der Langzeitpflege kaum eine Rolle. Obwohl Sensorik, Robotik und smarte Dokumentation enorme Potenziale bieten, fehlt es vielerorts an Technik, Schulung und politischer Unterstützung. Expertin Prof. Dr. Daniela Hayder-Beichel warnt vor vertanen Chancen – und sieht vor allem die Politik in der Pflicht.
In der professionellen und häuslichen Langzeitpflege wird das Potenzial digitaler Technik bislang kaum ausgeschöpft. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Gesundheitsunternehmens Essity. Demnach gaben 62 Prozent der 993 befragten Pflegenden – darunter 507 beruflich Pflegende – an, dass digitale Technologien in ihrem Alltag kaum Anwendung finden. Der Anteil ist damit sogar höher als bei einer vergleichbaren Erhebung im Jahr 2019.
Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Daniela Hayder-Beichel von der Katholischen Hochschule Mainz warnt vor den Folgen dieser Stagnation: „Wir verpassen wertvolle Chancen, mit digitalen Innovationen die Versorgungsqualität zu steigern und die Belastung der Berufsgruppen zu reduzieren.“ Der Handlungsdruck sei angesichts des Fachkräftemangels besonders in der stationären Langzeitpflege hoch.
Digitale Potenziale bleiben in Einrichtungen ungenutzt
Laut Studie werden bislang nur vereinzelte digitale Hilfsmittel eingesetzt – etwa bei Dokumentation oder Materialmanagement. Anwendungen mit direktem Nutzen im Pflegeprozess, wie Sensorik zur Kontinenzbeurteilung oder automatisierte Vitaldatenerfassung, finden dagegen kaum Verwendung. Fachkräfte beklagen häufig unzureichende technische Ausstattung und mangelnde Schulungsangebote.
Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) sind überzeugt, dass der Einsatz digitaler Technologien die Pflege zu Hause und in Einrichtungen deutlich verbessern könnte – beispielsweise durch effizientere Abläufe, bessere Bedarfsanalysen und präzisere Pflegeplanung. Auch Robotertechnik wird zunehmend akzeptiert: 60 Prozent der beruflich Pflegenden halten ihren Einsatz inzwischen für notwendig, um dem steigenden Pflegebedarf zu begegnen. 2019 waren es noch knapp 32 Prozent. Allerdings betonen 82 Prozent, dass robotische Systeme Pflegende unterstützen, nicht ersetzen sollten – etwa durch die Übernahme von Routinetätigkeiten und mehr Zeit für Zuwendung.

Grafik: essity
Strukturelle Schwächen und Qualifizierungsbedarf
Die Ergebnisse machen deutlich, dass strukturelle Hemmnisse die digitale Entwicklung ausbremsen. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) fordern gezielte politische Förderung – insbesondere eine verbesserte Infrastruktur, vereinfachte Förderbedingungen und verbindliche Bildungsangebote zur Technikkompetenz. Fort- und Weiterbildungsprogramme seien bislang zu wenig auf digitale Pflegeprozesse ausgerichtet, so die Kritik.
„Digitale Anwendungen können Pflegende entlasten, wenn sie sinnvoll eingebettet sind – von der Pflegeplanung über Vitaldatenerhebung bis zur Kommunikation mit Angehörigen“, sagte Adeline Karadag, Leiterin Health & Medical Business bei Essity. „Dazu braucht es stabile Netzwerke, verlässliche Finanzierungsmodelle und eine Kultur des Mitnehmens der Pflegefachkräfte.“
Hintergrund: Für die Online-Befragung wurden zwischen dem 13. und 26. August 2025 insgesamt 993 pflegende Personen befragt, darunter 486 privat und 507 beruflich Pflegende. Ziel war es, Einstellungen, Hemmnisse und Erwartungen zur Digitalisierung in der Pflege zu erfassen.
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