News

Digitalisierungsverband fordert 9-Milliarden-Programm für Pflege

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens kann nach Ansicht des Verbandes für digitale Standards in der Pflege (VdSP) nur gelingen, wenn die Pflege gezielt gefördert wird. Der Verband hat der Bundesregierung ein Forderungsschreiben übergeben. Im Zentrum steht ein milliardenschweres Investitionsprogramm, das die Pflege digital handlungsfähig machen soll.

Staffler VdSP
Andreas Fischer (rechts) und Carsten Steinhoff, die beiden Verbandsvorstände des VdSP, übergeben die Forderung nach einem gezielten Investitionsprogramm zur Digitalisierung der Pflege an die Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Katrin Staffler. Foto: VdSP

Der Verband für digitale Standards in der Pflege (VdSP) hat am 15. Dezember 2025 ein Forderungsschreiben an die Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Katrin Staffler (MdB), übergeben. Laut VdSP fand die Übergabe im Bundesministerium für Gesundheit statt. Die Verbandsvorstände Andreas Fischer und Dr. Carsten Steinhoff überreichten das Dokument persönlich.

Der Verband fordert ein gezieltes Investitionsprogramm unter dem Namen „Pflege-Digital-Booster“ in Höhe von 9 Milliarden Euro. Die Mittel sollen laut VdSP aus dem Sondervermögen des Bundes stammen. Ziel sei es, die Pflege als Rückgrat des Gesundheitswesens strukturell und digital zu stärken.

„Ohne die Pflege wird das deutsche Gesundheitswesen nicht digital. Und ohne gezielte Investitionen bleibt die Pflege digital abgehängt“, erklärte Andreas Fischer laut Pressemitteilung bei der Übergabe. Der Verbandssprecher forderte „klare politische Entscheidungen und einen Booster, der wirkt – nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis.“

Milliarden für ambulante und stationäre Pflege

Der VdSP hat eine konkrete Verteilung der geforderten 9 Milliarden Euro vorgeschlagen. Demnach sollen 3,2 Milliarden Euro in die Digitalisierung der ambulanten Pflege fließen, die laut Verband rund 16.000 Dienste umfasst. Für die stationäre Pflege mit etwa 15.000 Einrichtungen sind 3,0 Milliarden Euro vorgesehen. Weitere 1,8 Milliarden Euro sollen in die Qualifizierung des Fachpersonals investiert werden, während 1,0 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung eingeplant sind.

Das Förderprogramm soll laut VdSP Investitionen in Hard- und Software, Informationssicherheit, IT-Betrieb sowie Schulung und Kompetenzaufbau ermöglichen. Der Verband verspricht sich davon eine Entlastung der Pflegekräfte und eine verbesserte sektorenübergreifende Kommunikation.

Fünf zentrale Forderungen an die Politik

Neben dem Investitionsprogramm formuliert der VdSP vier weitere zentrale Forderungen. Der Verband verlangt, die Pflege als strategischen Akteur der Digitalisierung zu verankern. Zudem fordert er eine digitale Kompetenzoffensive für rund eine Million Pflegefachpersonen sowie rechtssichere Zugriffsrechte in der Telematikinfrastruktur. Als fünften Punkt nennt der VdSP verbindliche Interoperabilitätsstandards für Pflege-IT-Systeme.

Der Verband zieht dabei einen Vergleich zum Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und fordert ein analoges Transformationsprogramm für alle Pflegebereiche. Die Pflege dürfe nicht länger strukturell und technisch benachteiligt werden, heißt es in der Mitteilung.

VdSP sieht sich als lösungsorientierter Gestalter

Der 2025 gegründete VdSP versteht sich nach eigenen Angaben als Zusammenschluss führender Pflegeprimärsystemhersteller, Digitalunternehmen und Vertretungen der Pflegepraxis. Der Verband mit Sitz in Berlin vereint laut eigener Darstellung Fachwissen aus Softwareentwicklung, Abrechnung, TI-Anbindung und Pflegepraxis.

„Wir fordern nicht nur, wir bringen Lösungen mit“, sagte der stellvertretende Vorstandssprecher Dr. Carsten Steinhoff laut Pressemitteilung. „Unser Ziel ist eine Pflege, die digital handlungsfähig ist. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.“