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Teilzeit-Debatte: Vier von zehn Pflegekräften wollen unter 30 Stunden arbeiten

Während die Diskussion um Teilzeit und Arbeitsanreize derzeit Politik, Medien und Öffentlichkeit beschäftigt, zeigt eine neue Analyse, wie ausgeprägt der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten in der Pflege tatsächlich ist.

Eine Auswertung von über 101.000 Daten von Pflegekräften zeigt: 41,5 Prozent wünschen sich eine Arbeitszeit unter 30 Stunden pro Woche. Grafik: Pflegia

Die Jobplattform Pflegia hatte für die Analyse anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften ausgewertet. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung.

Demnach möchten 41,5 Prozent aller Befragten weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei Frauen (43,9 %) im Vergleich zu Männern (39 %) sowie in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen und über 55-Jährigen mit jeweils 43,5 Prozent. „Die aktuelle Teilzeit-Debatte wird an der Pflege vorbeigeführt. Unsere Studie zeigt deutlich, dass viele bewusst weniger als 30 Stunden arbeiten wollen, weil die tägliche körperliche und emotionale Belastung sonst nicht dauerhaft leistbar ist und Vollzeitmodelle oft an ihrer Lebensrealität vorbeigehen. Wer diese Wünsche ignoriert, verschärft den Fachkräftemangel und treibt qualifizierte Pflegekräfte aus dem Beruf“, sagt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal.

Führungskräfte möchten lieber Vollzeit arbeiten

Die Analyse macht Unterschiede zwischen den Berufsfeldern deutlich: Kinderkrankenpfleger:innen wünschen sich am häufigsten reduzierte Arbeitszeiten (45,3 %), gefolgt von Altenpflegefachkräften (43,5 %) und Pflegehilfskräften (42,9 %). Bei Führungskräften zeigt sich ein anderes Bild: Lediglich 15,7 Prozent der Einrichtungsleitungen möchten unter 30 Stunden arbeiten, bei Pflegedienstleitungen sind es 18,5 Prozent. „Je höher die Verantwortung, desto geringer der Teilzeitwunsch – das zeigt, dass Führungspositionen in der Pflege noch stark von Vollzeitmodellen geprägt sind“, erklärt Westphal.

Altersstruktur überrascht: Gen Z am wenigsten teilzeitaffin

Entgegen gängigen Erwartungen sind nicht die jüngsten Pflegekräfte am stärksten teilzeitorientiert. Während nur 32,7 Prozent der unter 25-Jährigen, also Gen Z, weniger als 30 Stunden arbeiten möchten, liegen die Werte bei allen höheren Altersgruppen darüber. Auch die Gruppen 35-44 Jahre (41,4 %) und 45-54 Jahre (39,8 %) zeigen vergleichsweise hohe Teilzeitwünsche.

„Diese Altersverteilung spiegelt verschiedene Lebensphasen wider. In den Dreißigern dominieren Familienplanung und Work-Life-Balance-Wünsche, während erfahrene Pflegekräfte über 55 oft bewusst kürzer treten möchten“, so Westphal. Weiter sagt der Pflegia-Geschäftsführer: „Dass gerade die unter 25-Jährigen den geringsten Wunsch nach Teilzeit zeigen, widerspricht zudem dem verbreiteten Vorwurf, die Gen Z wolle nicht arbeiten.“

Frauen sind häufiger teilzeitorientiert

Mit 43,9 Prozent wünschen sich mehr Frauen als Männer (39 %) eine Arbeitszeit unter 30 Stunden. Das könnte sowohl an traditionellen Rollenverteilungen in der Kinderbetreuung als auch an den hohen Belastungen pflegeintensiver Tätigkeiten liegen.

„Der Teilzeittrend ist nicht nur ein Personalthema, sondern auch ein gesellschaftliches Signal. Pflegekräfte wollen trotz Fachkräftemangel nicht unbegrenzt verfügbar sein“, resümiert Westphal und gibt zu denken: „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die echte Vereinbarkeit ermöglichen – nur dann können Einrichtungen im Wettbewerb um Talente bestehen.“