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Caritas fordert mehr Tageshospize

Angesichts stark gestiegener Suizidzahlen bei Schwerkranken mahnt der Caritasverband für das Bistum Essen zum Welttag der Kranken einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel an. Tageshospize sollen künftig eine zentrale Rolle spielen, um Menschen am Lebensende Gemeinschaft statt Einsamkeit zu bieten.

Frank Krursel, Referent für offene, stationäre & palliative Versorgung; Schwerpunkt: Stationäre Altenhilfe & Pflege, palliative Versorgung beim Caritasverband für das Bistum Essen.
Foto: Nicole Cronauge/Caritas Frank Krursel, Referent für offene, stationäre & palliative Versorgung; Schwerpunkt: Stationäre Altenhilfe & Pflege, palliative Versorgung beim Caritasverband für das Bistum Essen.

Die Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) sind nach Einschätzung des Caritasverbands alarmierend: 898 Menschen erhielten demnach 2025 eine professionelle Freitodbegleitung – ein deutlicher Anstieg gegenüber 623 Fällen im Vorjahr. Frank Krursel, Referent für stationäre Altenhilfe, Pflege und palliative Versorgung beim Caritasverband für das Bistum Essen, sieht darin ein Zeichen dafür, dass viele Menschen am Lebensende unter Einsamkeit und fehlendem Beistand leiden. Laut Krursel empfänden sich Betroffene häufig als Last für Angehörige und Freunde, hätten Angst vor Schmerzen oder davor, in ihren letzten Stunden allein zu sein.

Todeswünsche entstünden oft dann, wenn Menschen die Kontrolle über ihr Leben verlören – etwa durch Krankheit, Demenz oder schwere Behinderungen, so Krursel. Statt den Weg in den Freitod zu weisen, müsse die Gesellschaft Verantwortung übernehmen und eine würdevolle Begleitung bis zuletzt ermöglichen.

Bestehende Strukturen reichen nicht aus

Der Caritasverband setzt sich nach eigenen Angaben seit Jahren für eine flächendeckende Hospiz- und Palliativkultur ein – in stationären Einrichtungen, der ambulanten Pflege, aber auch in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sowie in der Wohnungslosenhilfe. Palliative Kompetenz müsse in der Regelversorgung von Kranken selbstverständlich werden, fordert Krursel.

Als Beispiele für multiprofessionelles Arbeiten nennt der Caritasverband zwei Konzepte: Die Palliative Geriatrie beschreibt demnach eine oft jahrelange Begleitung mehrfachkranker und dementer Menschen. Die sogenannte Palliativwerkstatt vernetzt verschiedene Berufsgruppen wie Ärztinnen und Ärzte, Seelsorgende sowie Pflegekräfte miteinander. Dadurch ließen sich Todeswünsche besser und frühzeitiger erkennen, so Krursel. Allerdings reiche es nicht, bestehende Strukturen zu stärken – sie müssten erweitert werden.

Tageshospize als fehlendes Puzzleteil

Ein zentrales Element für mehr Lebensqualität am Lebensende sieht der Caritasverband in Tageshospizen. Diese teilstationären Einrichtungen sollen schwerstkranken Menschen tagsüber palliative Betreuung und Gemeinschaft bieten, während sie abends in ihr vertrautes Umfeld zurückkehren können. Laut Krursel entlasten solche Angebote nicht nur Betroffene und Angehörige, sondern geben den Menschen Würde und Normalität bis zuletzt.

Der Caritasverband unterstützt nach eigener Darstellung seine Träger aktiv beim Aufbau solcher Einrichtungen – sowohl inhaltlich und fachlich als auch wirtschaftlich. Das gemeinsame Ziel formuliert Krursel so: Niemand sollte am Lebensende allein sein, weder in einer Klinik noch zu Hause.

Forderungen an die Bundesregierung

Die steigenden Suizidzahlen bei alten Menschen seien ein Auftrag an Politik und Gesellschaft, die Rahmenbedingungen für ein würdevolles Lebensende zu verbessern, betont der Caritasverband. Krursel weist darauf hin, dass es in der Hospizarbeit nicht um Finanzierung, sondern um Förderung gehe – diese decke jedoch häufig nicht die tatsächlichen Kosten ab.

Konkret fordert der Caritasverband den Ausbau von Tageshospizen sowie eine Stärkung der Nachbarschaftshilfe in Zusammenarbeit mit professionellen Netzwerken. Zudem sollten alle Menschen unabhängig von ihrer Wohnform Zugang zu einer gesundheitlichen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase erhalten – ausdrücklich auch Menschen ohne festen Wohnsitz. Bislang gebe es ein solches Beratungsangebot nur für Menschen in stationären Pflege- oder Behinderteneinrichtungen, kritisiert Krursel.

Der Welttag der Kranken erinnere daran, dass Würde am Lebensende kein Privileg sein dürfe, sondern ein Recht für alle – unabhängig von Wohnform oder sozialem Status, so der Caritasverband. Selbstbestimmung am Lebensende bedeute nicht, den Tod zu beschleunigen, sondern das Leben bis zuletzt zu begleiten.