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Mehr Teilhabe im Alter: Sachverständige fordern Strukturwandel statt Defizitverwaltung

Im Bundestagsausschuss für Bildung und Familie diskutierten Expertinnen über die Lebensbedingungen älterer Menschen. Sie plädierten für einen Perspektivwechsel hin zu Selbstbestimmung und kommunaler Verantwortung. Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des KDA, betonte, dass das Alter so divers sei, wie die Menschen und ihre Lebensläufe.

Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA)
Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) Foto: Jill Flug

In der 21. Sitzung des Bundestagsausschusses für Bildung und Familie stand am 15. April 2026 die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Teilhabe älterer Menschen wirksam sichern lässt. Wie das Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) mitteilt, waren drei Sachverständige eingeladen: Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des KDA, Prof. Dr. Martina Brandt, Vorsitzende der Kommission zum 9. Altersbericht von der TU Dortmund, sowie Dr. Regina Görner, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). An dem Fachgespräch nahm auch der Parlamentarische Staatssekretär Michael Brand vom BMBFSFJ teil.

Die Ausschussvorsitzende Saskia Esken (SPD) eröffnete die Sitzung mit einem einleitenden Überblick. Sie verwies auf Herausforderungen, die mit der Generation der „Boomer“ einhergehen, hob aber zugleich hervor: „Natürlich birgt so eine große gesellschaftliche Gruppe, die noch leistungsfähig, aber aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist, auch ganz erhebliche Chancen.“

Paradigmenwechsel weg von der Defizitverwaltung

Dr. Alexia Zurkuhlen warnte in ihrem Auftaktstatement davor, das Alter einseitig zu betrachten. Es sei so divers wie die Menschen selbst und ihre Lebensläufe. Auch die Lebensbedingungen unterschieden sich stark. Daraus ergebe sich aus ihrer Sicht ein Ansatzpunkt für konkrete Angebote und eine aktive Teilhabe.

Den 8. und 9. Altersbericht der Bundesregierung wertete Zurkuhlen als Einleitung eines Paradigmenwechsels: „Weg von einer Politik, die Defizite verwaltet, hin zu einer Politik, die Selbstbestimmung, Mitverantwortung und gleichberechtigte Teilhabe älterer Menschen ermöglicht.“ Aus Sicht des KDA sei Teilhabe nicht als individuelle Aufgabe zu verstehen, sondern als Ergebnis guter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Teilhabe entstehe dort, wo Strukturen sie aktiv ermöglichten.

Kommunen als Ort der Umsetzung

Im Verlauf des Fachgesprächs hoben laut KDA alle Sachverständigen hervor, wie stark Teilhabe von den sozialen, ökonomischen, gesundheitlichen und regionalen Umständen des Einzelnen abhängt. In der Praxis seien dafür Strukturen nötig, die Teilhabe niederschwellig ermöglichten und sichtbar machten.

„Die Organisation von Ermöglichungsstrukturen ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und wird am besten vor Ort, in der Kommune, gestaltet“, so Zurkuhlen. Eine zeitgemäße Politik für das Alter müsse auf „Diversität und Gerechtigkeit ausgerichtet sein und die Überlagerung von sozialen, gesundheitlichen und demografischen Faktoren – also eine intersektionale Perspektive – systematisch integrieren“.

Eine Aufzeichnung der Sitzung finden Sie in der Mediathek des Deutschen Bundestages

Alexia Zurkuhlen ist Jury-Mitglied der neuen Stiftung LebenWerte Altenpflege