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Familienfreundlichkeit als Erfolgsfaktor: Netzwerk warnt vor Sparkurs

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ hat in einer Multiplikatorenveranstaltung am 30. Juni die Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die wirtschaftliche Stärke von Unternehmen betont. Gerade angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel sei familienbewusste Personalpolitik kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Leistungsfähigkeit. Wer hier spare, zahle laut Netzwerk später doppelt.

Netzwerk "Erfolgsfaktor Familie"
Wer an Vereinbarkeit spart, zahlt häufig an anderer Stelle, meinen (v. li.) Dr. Sandra Hartig, Bereichsleiterin Gesundheitswirtschaft, Beschäftigung, Organisationsentwicklung, DIHK; Almut Enderlein, Abteilungsleiterin, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Kirsten Frohnert, Projektleiterin im Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“. Foto: „Erfolgsfaktor Familie“/ Ines Grabner

Nach Angaben des Netzwerks wurde in der virtuellen Veranstaltung herausgearbeitet, dass gute betriebliche Rahmenbedingungen die Voraussetzung für dauerhafte Leistungsfähigkeit von Beschäftigten sind. Flexible Arbeitszeitmodelle, Unterstützung bei der Kinderbetreuung und mobiles Arbeiten gelten dabei nicht als Zusatzleistung, sondern als Bestandteil eines modernen Arbeitsumfelds. Unternehmen, die Vereinbarkeit förderten, stärkten laut Mitteilung Motivation, Gesundheit und Produktivität ihrer Mitarbeitenden und damit auch die eigene Resilienz.

Vereinbarkeit als strategische Ressource

Prof. Dr. Jutta Rump von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, Institut für Beschäftigung und Employability, erklärte in ihrer Keynote: „Familienfreundlichkeit ist kein Gegenpol zu Leistung. Wer Spitzenleistungen erwartet, muss Bedingungen schaffen, unter denen Menschen langfristig leistungsbereit und leistungsfähig bleiben.“ Unternehmen, die an Vereinbarkeit sparten, zahlten die Rechnung später doppelt – durch Fehlzeiten, Fachkräftemangel und sinkende Leistungsfähigkeit.

Führung und Arbeitsdichte im Fokus

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde laut Netzwerk deutlich, dass Überforderung, hohe Arbeitsdichte und Führungsfehler die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erheblich beeinträchtigen können. Unternehmen seien gefordert, Führungskräfte stärker für beschäftigtenorientiertes Handeln zu befähigen und Vereinbarkeit als strategische Ressource zu verstehen. Besonders jüngere Generationen erwarteten eine Arbeitswelt, die Flexibilität, Sinn und Gesundheit verbinde. Innovative Arbeitszeitmodelle, effizientere Prozesse und der gezielte Einsatz von KI könnten nach Einschätzung der Diskutierenden zusätzliche Freiräume schaffen.

Netzwerk mit über 9.100 Mitgliedern

Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ wurde nach eigenen Angaben 2007 vom Bundesfamilienministerium und dem damaligen Deutschen Industrie- und Handelskammertag gegründet. Mit mehr als 9.100 Mitgliedern bezeichnet es sich als bundesweit größte Plattform für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die sich für eine familienbewusste Personalpolitik engagieren. Die kostenfreien Angebote richten sich vor allem an kleine und mittlere Betriebe. Die Dokumentation der Veranstaltung soll laut Mitteilung in Kürze auf der Website des Netzwerks verfügbar sein.