Bauprojekte
Hitzeschutz in der Pflege: Caritas fordert Umdenken bei Gebäuden und Quartieren
Der Wohlfahrtsverband fordert, Hitze- und Klimaschutz gemeinsam zu denken. Statt kurzfristiger technischer Kühlung brauche es Investitionen in Gebäudedämmung, grüne Infrastruktur und klimaresiliente Quartiere – besonders für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Pflegebedürftige. Zugleich mahnt die Caritas einfachere Förderverfahren für gemeinnützige Träger an.
Die Caritas im Erzbistum Paderborn kritisiert die aktuelle Debatte um einen verstärkten Einsatz von Klimaanlagen als zu eng geführt. Caritasdirektor Ralf Nolte erklärt, Klimaanlagen könnten punktuell entlasten, lösten aber nicht die strukturellen Probleme und trügen durch zusätzlichen Energieverbrauch langfristig zur Verschärfung der Klimakrise bei. Gefordert seien stattdessen nachhaltige und sozial gerechte Maßnahmen, die Hitzeschutz und Klimaschutz zusammenführen.
Für die Klientel der Caritas – ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder in prekären Lebenslagen – sei vorbeugender Hitzeschutz besonders relevant. Ein zentraler Hebel liege laut Nolte in der energetischen Qualität der Gebäude: Gut gedämmte Häuser hielten im Sommer Hitze deutlich besser draußen und wirkten damit gleichzeitig als Klimaschutz und gesundheitliche Vorsorge. Für Träger ambulanter und stationärer Pflege bedeutet dies, dass Investitionen in die Gebäudehülle über den Winterbetrieb hinaus einen gesundheitlichen Nutzen entfalten.
Über die einzelnen Einrichtungen hinaus verweist die Caritas auf die Stadt- und Quartiersentwicklung. Genannt werden hitzeresistente und schattenspendende Bepflanzung, begrünte Dächer und Fassaden sowie Wasserflächen und gezielt eingesetzte Verdunstungsprojekte zur Kühlung urbaner Räume.
Als Praxisbeispiele nennt Nolte das Projekt „Cooling Cologne“, bei dem durch Bewässerungskonzepte Abkühlung im öffentlichen Raum geschaffen werde – wobei ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser und eine transparente Verbrauchsbilanzierung entscheidend seien. Auch das Konzept der „Schwammstadt“ mit Dachbegrünung und Regenwasserspeicherung verbinde Hitzeschutz mit Starkregenvorsorge.
Nolte plädiert für eine gemeinsame Kraftanstrengung von öffentlicher Hand und freier Wohlfahrtspflege. Beide dürften nicht in Konkurrenz gehen, sondern müssten ihre Stärken bündeln, um in eine klimaresiliente soziale Infrastruktur zu investieren. Für gemeinnützige Träger seien vor allem praktikable Förderstrukturen erforderlich: einfache Verfahren und Rahmenbedingungen, die echte Investitionen in den Hitzeschutz ermöglichen statt erschweren.
Die Caritas betont, dass isolierte Einzelmaßnahmen mit kurzfristiger Wirkung nicht ausreichten. Gefragt seien Lösungen mit nachvollziehbarer und messbarer Wirkung. Der Verband sieht sich dabei selbst in der Rolle, praxisnahe Ansätze für den Alltag einzubringen. Für die Caritas gilt: Klimaanpassung, Stadtentwicklung und soziale Infrastruktur müssen gemeinsam geplant und umgesetzt werden, damit insbesondere die Menschen erreicht werden, die im Alltag am stärksten unter Hitze leiden.
Wie ambulante Pflege, Wohnungswirtschaft und Kommunen gemeinsam klimaresiliente Quartiere planen und betreiben können, ist auch Thema der Häusliche Pflege Konferenz „Versorgungsquartiere – planen und betreiben“ am 30. September und 1. Oktober 2026 in Hannover. Weitere Informationen und Tickets unter: www.haeusliche-pflege.net/vn-events/versorgungsquartiere
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