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„Digitaler Nutzen entfaltet sich nicht allein dadurch, neue Technologien anzuschaffen“
Der Gesetzentwurf zum PNOG sieht erstmals eine gezielte Refinanzierung digitaler und technischer Systeme in der stationären Pflege vor. Im Vorfeld der Altenheim Digital-Konferenz „Das PNOG kommt: Sind Sie bereit?“ am 29. Juli 2026 ordnet Nadine Treff Chancen und Voraussetzungen ein.
Der Gesetzentwurf sieht erstmals vor, bestimmte digitale und technische Systeme gezielt zu refinanzieren. Welche Bedeutung hat diese Regelung für die Digitalisierung stationärer Pflegeeinrichtungen?
Nadine Treff: Mit den geplanten Refinanzierungsmöglichkeiten im Rahmen des PNOG setzt der Gesetzgeber ein wichtiges Signal für die Digitalisierung der stationären Pflege. Erstmals sollen cyberphysische Systeme in einem deutlich erweiterten Umfang refinanziert werden. Damit entstehen neue Möglichkeiten für Pflegeeinrichtungen, in moderne Technologien zu investieren und digitale Lösungen langfristig zu etablieren. Viele Einrichtungen verfügen bereits über konkrete Vorstellungen, wie digitale Anwendungen Arbeitsabläufe verbessern und die Versorgung unterstützen können – jedoch ohne klar formulierte Produktivitätsziele, sowie die Berücksichtigung von Investitionen bei fehlenden finanziellen Spielräumen oder mangelnder Planungssicherheit.
Welche digitalen Lösungen bieten das größte Potenzial, um Pflegekräfte im Alltag zu entlasten und den Fachkräftemangel abzufedern?
Treff: Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen nicht durch die Anschaffung neuer Technologien allein. Der eigentliche Mehrwert entsteht erst dann, wenn digitale Lösungen im Gesamtsystem integriert und im Kontext bestehender Infrastrukturen orchestriert werden. Anwendungen müssen sich an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientieren, administrative Tätigkeiten reduzieren, Informationsflüsse verbessern und mehr Zeit für die direkte Pflege schaffen. Nur dann können sie dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern und Pflegeeinrichtungen angesichts des Fachkräftemangels wirksam zu entlasten. Hinzu kommt, dass einzelne digitale Technologien keinen Mehrwert bringen, sondern nur im Netzwerk die Erwartungen erfüllen können.
Welche Voraussetzungen müssen Einrichtungen erfüllen, um die neuen Refinanzierungsmöglichkeiten erfolgreich zu nutzen, und wo liegen die größten Herausforderungen?
Treff: Die Einführung digitaler Technologien ist immer auch ein Organisationsentwicklungsprojekt. Sie erfordert klare Ziele, eine geeignete IT-Infrastruktur, qualifizierte Mitarbeitende sowie die Bereitschaft, bestehende Abläufe kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Ebenso wichtig sind Schulungen, Akzeptanz und ein professionelles Veränderungsmanagement. Ohne diese Voraussetzungen besteht die Gefahr, dass digitale Lösungen die Komplexität steigern und auf Ablehnung stoßen, anstatt diese zu reduzieren. Die größte Herausforderung besteht daher in der Auswahl der Anwendungen, um abzusehen, inwiefern sie einen nachhaltigen praktischen Nutzen versprechen und welche rahmenden und organisatorischen Voraussetzungen vorhanden sind, damit aus den finanzierten Technologien tatsächliche Verbesserungen für Einrichtungen, Mitarbeitende und pflegebedürftige Menschen entstehen.
Dr. P.H. Nadine Treff, Referentin Altenhilfe und Pflege, Projektleiterin TI bei der Samariterstiftung Nürtingen, vertieft ihre Einordnung auf der Altenheim Digital-Konferenz am 29. Juli.
Die Fragen stellte Ina Füllkrug.
Tipp: Das Online-Event „Das PNOG kommt. Sind Sie bereit?“ findet am 29. Juli 2026 von 10:30 bis 15:15 Uhr statt. Expert:innen wie Hannah Freisheim, Peter Sausen, Nadine Treff, Aldina Hanusa-Straßel und Noah Beuth diskutieren Risiken und Chancen und geben konkrete Empfehlungen für Ihre Einrichtung – kompakt und umsetzungsorientiert.
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