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BMG-Umbau: Sorge entlassen, Schenderlein wird Staatssekretärin
Die sächsische CDU-Politikerin Christiane Schenderlein wechselt als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium (BMG) und folgt auf den von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) entlassenen Tino Sorge (CDU). Die 44-Jährige soll an den geplanten Reformen der Gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflege mitwirken. Sorge zeigt sich tief enttäuscht von Merz.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) entband die 44-Jährige zuvor von ihrem Amt als Beauftragte der Bundesregierung für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt. Nach Angaben aus Unionskreisen habe Merz ihr die Entscheidung bereits am Donnerstag vergangener Woche telefonisch mitgeteilt. Ihre Nachfolge im Sport-Amt ist bislang nicht geklärt.
Quereinsteigerin ohne Gesundheits-Vorkenntnisse
Besondere Kenntnisse im Gesundheitsbereich habe Schenderlein nach ihrem Lebenslauf bisher nicht gesammelt. Bereits der Wechsel ins Sport-Ressort im Mai 2025 galt als Quereinstieg. Im BMG soll sie nach Angaben ihrer Landespartei an Strukturreformen der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie an der Pflegereform mitarbeiten. Die Sachsen-CDU verteidigte die Personalie: „Es ist gut, dass sich mit Christiane Schenderlein eine starke Stimme aus Ostdeutschland für ihre Interessen einsetzen wird“, sagte Generalsekretär Tom Unger der Deutschen Presse-Agentur.
Sorge zweimal beim Ministerposten übergangen
Sorge hatte nach dem Ampel-Aus früh Anspruch auf das Amt des Bundesgesundheitsministers angemeldet, nachdem andere Kandidaten wie NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann abgewunken hatten. Obwohl er im Wahlkreis Magdeburg das Direktmandat verpasste und nur über die Landesliste in den Bundestag einzog, sei sein Name laut einem Kommentar von Apotheke adoc auf frühen Kabinettslisten aufgetaucht. Merz entschied sich stattdessen für die baden-württembergische CDU-Generalsekretärin Nina Warken. Dem Vernehmen nach spielte dabei ihr Wahlkampfeinsatz eine Rolle. Sorge wurde daraufhin Parlamentarischer Staatssekretär.
Isolation in der Leitungsetage
Seit der Amtsübernahme sei Sorge im BMG kaum noch wahrzunehmen gewesen, heißt es in dem Kommentar. Das Verhältnis zu Warken sei von gegenseitigem Misstrauen geprägt gewesen. Nachdem die Ministerin wichtige Positionen mit Vertrauten aus ihrem Umfeld besetzt habe, sei Sorge in der Leitungsetage zunehmend isoliert gewesen. Auf der Regierungsbank habe er mit den typischen Floskeln eine weniger gute Figur gemacht als seinerzeit als angriffslustiger Abgeordneter. Mit Warkens Wechsel ins Kanzleramt hätte Sorge nachrücken können, doch die Nachbesetzung des Fraktionsvorsitzes nach dem Ausscheiden von Jens Spahn habe einen Zugriff aus dem NRW-Verband erfordert. So kam Linnemann als neuer Ressortchef ins Spiel. Für Merz sei Sorge zudem keine Option gewesen, weil der Kanzler „prestigeträchtige Namen“ bevorzuge und keine Fachpolitiker, die außerhalb der Szene niemand kenne. Als zweiter Parlamentarischer Staatssekretär bleibt Georg Kippels im Amt.
Sorge zeigt sich enttäuscht und kritisiert Merz
Sorge selbst äußerte sich enttäuscht über seine Entlassung. Er hätte seine Arbeit „an dieser zentralen Schaltstelle der Gesundheitspolitik gern fortgeführt“, heißt es in einer eigenen Erklärung. Dem Kanzler wirft er einen schlechten Stil vor: Dass Merz die Entscheidung „anstelle eines persönlichen Gesprächs mit mir – zuerst in Parteigremien und vor der Presse verkündet hat, bleibt seine eigene Stilfrage“. Sorge verweist zudem auf seine fachpolitische Expertise aus zwölf Jahren im Gesundheitsausschuss des Bundestages und einer Legislatur als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Als Erfolge der vergangenen Monate nennt er die Weiterentwicklung der Krankenhausreform und das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
Mit Linnemann und Schenderlein rücken damit zwei CDU-Politiker an die Spitze des BMG, die bislang keine ausgewiesene gesundheitspolitische Expertise mitbringen. Zugleich stehen zentrale Reformen in der Pflege an: Spätestens im September wird es ernst, wenn das geplante Pflegeneuordnungsgesetz wie vorgesehen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Für Kanzler Merz ist die Doppelbesetzung ein riskantes Spiel – ob es gut geht, ist ungewiss.
Steve Schrader (mit dpa)
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