Pflegemarkt
Johanniter: Höhere Personalkosten drücken gutes Ergebnis
Die Johanniter-Unfall-Hilfe steigert ihre Umsatzerlöse um 134,8 Millionen Euro – doch der Jahresüberschuss sinkt von 59,6 auf 39,2 Millionen Euro. Ursache sind Personalkosten, die um 123 Millionen Euro zulegten. Die Johanniter GmbH kommt auf 1,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz, davon 488 Millionen in den Seniorenhäusern.
Die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. steigerte ihre Umsatzerlöse laut Finanzbericht 2025 von 2.033,2 auf 2.168,0 Millionen Euro – ein Plus von 134,8 Millionen Euro oder rund 6,6 Prozent. Sehr hohe Zuwächse verzeichnete der Verein nach eigenen Angaben in den Bereichen Rettungsdienst, Kindertagesstätten und Pflege, weitere hohe Zuwächse bei Fahr- und Flugdiensten sowie Hausnotruf. Bezifferte Vorjahresvergleiche je Segment weist der Bericht nicht aus.
Beim Ergebnis fällt die Bilanz deutlich anders aus: Das Ergebnis vor Steuern sank von 60,3 auf 39,6 Millionen Euro, der Jahresüberschuss von 59,6 auf 39,2 Millionen Euro – ein Rückgang um 20,5 Millionen Euro beziehungsweise gut 34 Prozent. Der Überschuss wird laut Bericht vollständig den Rücklagen zugeführt, das Bilanzergebnis beträgt null.
Treiber der Ergebnisverschlechterung ist der Personalaufwand, der um 123,0 auf 1.585,1 Millionen Euro stieg. Der Verein führt dies auf Tariferhöhungen sowie die gewachsene Zahl der hauptamtlichen Belegschaft zurück. Hinzu kommen sonstige betriebliche Aufwendungen mit einem Plus von 32,5 auf 423,0 Millionen Euro – begründet vor allem mit höheren Beratungs- und IT-Kosten sowie wieder gestiegenen Raumaufwendungen. Die Abschreibungen legten um 10,7 auf 95,9 Millionen Euro zu, was der Verein mit weiterhin hohen Investitionen ins Sachanlagevermögen erklärt.
Gegenläufig entwickelten sich die Materialaufwendungen: Sie sanken um 9,4 auf 242,3 Millionen Euro, insbesondere durch geringere Lebensmittelkosten – ein Effekt, der laut Bericht mit rückläufigen Erlösen im Menüdienst zusammenhängt.
Von den 2.168 Millionen Euro Umsatzerlösen entfallen laut Aufschlüsselung 532 Millionen Euro auf ambulante Angebote. Diese Position umfasst allerdings mehr als die ambulante Pflege: Der Bericht fasst darunter ambulante und teilstationäre Pflege, Notrufdienste, Menüdienste und sonstige Betreuung zusammen. Ein isolierter Pflegeumsatz wird nicht ausgewiesen.
Der größte Block bleibt mit 914 Millionen Euro Rettung und medizinische Dienste, gefolgt von Bildung und Erziehung mit 578 Millionen Euro und sonstigen Hauptleistungen mit 144 Millionen Euro. Die Gesamterlöse einschließlich sonstiger betrieblicher Erträge (218 Millionen Euro, vor allem Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erbschaften) erreichten 2.386 Millionen Euro nach 2.250 Millionen Euro im Vorjahr.
Johanniter GmbH: 1,5 Milliarden Euro, Seniorenhäuser bei 488 Millionen
Der konsolidierte Gesamtumsatz des Johanniter-GmbH-Konzerns lag 2025 bei 1.504 Millionen Euro, insgesamt wurde ein positives Jahresergebnis erreicht – einen Betrag nennt der Bericht nicht. Geschäftsführer Michael Schlickum wertet die Entwicklung als Bestätigung der eingeschlagenen Richtung.
Die Aufteilung: 809 Millionen Euro entfallen auf Krankenhäuser, 488 Millionen Euro auf Seniorenhäuser, 198 Millionen Euro auf Fach- und Rehabilitationskliniken und 9 Millionen Euro Außenumsatz auf die Dienstleistungsgesellschaften. Umsatz- und Personalzahlen sind laut Fußnoten ohne die assoziierten Einrichtungen Braunschweig und Celle, aber inklusive der Medizinischen Versorgungszentren ausgewiesen. Die Einrichtungszahl von 92 Seniorenhäusern zählt dagegen assoziierte und Kooperationshäuser mit – die Abgrenzungen sind also nicht deckungsgleich.
Von den durchschnittlich 18.729 hauptamtlich Beschäftigten arbeiten 7.077 in den Seniorenhäusern – mehr als in den Fach- und Reha-Kliniken (2.054) und annähernd so viele wie in den Krankenhäusern (7.158). Konzernweit sind rund 8.990 Pflegekräfte beschäftigt, der Frauenanteil liegt bei 78 Prozent, hinzu kommen rund 1.300 Auszubildende. Kapazitätsseitig verfügen die Seniorenhäuser über 7.462 stationäre Plätze, 1.455 Betreute Wohnungen und 328 Tagespflegeplätze – zusammen 9.245 Plätze.
Reformrisiko für die Erlösbasis
Auf die wirtschaftliche Perspektive wirken zwei gegenläufige regulatorische Effekte. Die seit Januar 2025 geltenden erhöhten Leistungsbudgets begrüßt Helvi Seehafer, Fachbereichsleiterin Pflege der Johanniter-Unfall-Hilfe, ebenso wie das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege. Die angekündigte Pflegereform gefährde jedoch die Versorgungssicherheit; die geplante Lohnbegrenzung in der Langzeitpflege würde die Attraktivität des Pflegeberufs senken, was angesichts der demografischen Entwicklung nicht zielführend sei. (ck)
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