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Abschiebungsdebatte könnte Pflegekräftemangel verschärfen

Eine Analyse des Jobportals Pflegia legt nahe, dass verschärfte Abschieberegelungen den deutschen Pflegearbeitsmarkt erheblich belasten könnten. Viele internationale Pflegekräfte stammen demnach aus Syrien und Afghanistan.

Foto: Adobe Stock/Daniel Ernst

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist seit Jahren ein strukturelles Problem des deutschen Gesundheitssystems. Gleichzeitig wird auf politischer Ebene über eine Verschärfung der Abschiebepraxis diskutiert. Diese beiden Entwicklungen könnten laut einer aktuellen Untersuchung des Berliner Jobportals Pflegia in einen direkten Konflikt geraten: Viele der Pflegekräfte, die aktiv nach Arbeit in Deutschland suchen, stammen aus Ländern, deren Staatsangehörige von möglichen Abschiebungen betroffen sein könnten.

Die Datengrundlage der Erhebung bilden die anonymisierten Profile von mehr als 21.000 Jobsuchenden ohne deutschen Pass, die sich zwischen November 2024 und November 2025 bei Pflegia registriert haben.

Syrien und Afghanistan unter den wichtigsten Herkunftsländern

Laut der Pflegia-Analyse stammen die meisten internationalen Pflegekräfte aus Syrien. Mit 2.589 Bewerber:innen machen sie 12,28 Prozent aller erfassten Datensätze aus. An zweiter Stelle folgt die Ukraine mit 1.789 Stellensuchenden, was einem Anteil von 8,49 Prozent entspricht. Die Türkei belegt mit 1.391 Personen (6,6 Prozent) den dritten Platz.

Afghanistan liegt mit 1.268 Bewerber:innen auf Rang vier. Weitere relevante Herkunftsländer sind laut der Untersuchung Indien (816), Polen (759), Rumänien (757), Marokko (702), der Irak (679) und der Iran (644).

„Die Analyse zeigt, dass es viele Fachkräfte aus Krisenregionen gibt, die aktiv nach neuen Stellen suchen und dem Fachkräftemangel so entgegenwirken“, erklärt Felix Westphal, Gründer von Pflegia, laut der Mitteilung des Unternehmens.

Mehr als die Hälfte mit mittleren bis guten Deutschkenntnissen

Neben der fachlichen Qualifikation gilt die Sprachkompetenz als entscheidender Faktor für den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Die Pflegia-Erhebung zeigt, dass 9,25 Prozent der Bewerber:innen ihre Deutschkenntnisse als hoch einschätzen. 44,3 Prozent ordnen ihr Sprachniveau als mittel ein, während 43,92 Prozent von niedrigen Kenntnissen ausgehen. Lediglich 2,53 Prozent geben an, kein Deutsch zu sprechen.

Bei der Betrachtung nach Herkunftsländern ergibt sich laut der Untersuchung ein differenziertes Bild: Erwartungsgemäß liegt der Anteil an Personen mit hohen Deutschkenntnissen bei Bewerber:innen aus Österreich bei 100 Prozent. Portugal folgt mit 48,1 Prozent, Italien mit 36,5 Prozent. Auch aus der Türkei (30,7 Prozent) und Griechenland (30,16 Prozent) verfügen vergleichsweise viele Pflegekräfte über gute Sprachkenntnisse.

Bemerkenswert ist laut Pflegia, dass auch Bewerberinnen und Bewerber aus Krisen- und Konfliktländern überwiegend mittlere bis gute Deutschkenntnisse mitbringen: 55,44 Prozent der Personen aus Afghanistan und 48,82 Prozent aus Syrien erreichen demnach ein durchschnittliches bis überdurchschnittliches Sprachniveau.

Pflegia-Gründer warnt vor Folgen für das Gesundheitssystem

Felix Westphal sieht in einer möglichen Erleichterung von Abschiebungen eine Gefahr für das deutsche Pflegesystem. „Unsere Daten zeigen klar: Diese Menschen wollen arbeiten, bringen die nötige Qualifikation mit und sprechen mehrheitlich bereits gut Deutsch“, sagt der Pflegia-Gründer in der Pressemitteilung. Wer diese Fachkräfte verliere, gefährde, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um Pflegekräfte den Anschluss verliere. Angesichts des demografischen Wandels hätte das langfristig schwere Folgen, so Westphal.