APM2026
ALTENPFLEGE 2026: Versorgung zu sichern ist zentrale Herausforderung
Der VDAB – Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. engagiert sich seit vielen Jahren für tragfähige Rahmenbedingungen in der Altenhilfe und für eine starke Stimme der Praxis in der politischen Diskussion. Mit Themen wie Finanzierung, Personalbemessung und nachhaltiger Pflegereform steht der Verband an der Schnittstelle zwischen Gesetzgebung, Trägern und Pflegealltag. Im Interview mit der Redaktion gibt der Verband einen Einblick, was Messebesuchende auf der ALTENPFLEGE 2026 vom 21. bis 23. April in Essen erwartet. Machen Sie sich selbst in Bild im Bereich Beruf & Bildung & Beratung (Halle 8).
Blick auf die ALTENPFLEGE 2026: Welche Botschaft möchten Sie den Messebesucher:innen mitgeben, und welche Themen stehen für den VDAB in diesem Jahr im Mittelpunkt Ihres Engagements?
Thomas Knieling: Die Botschaft lautet: Gemeinsam für mehr Flexibilität und weniger Bürokratie in den Pflegeunternehmen! Denn neben der heiklen Frage der Finanzierung der Pflegeversicherung ist die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung die zentrale Herausforderung. Einrichtungen können Teil der Lösung werden, wenn sie nicht mehr nur als Objekt von Regulierung begriffen werden.
Der Fachkräftemangel bleibt branchenübergreifend das zentrale Problem. Welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirkungsvoll, um den Beruf attraktiver zu machen – von der Ausbildung bis zur Entlastung im Alltag?
Thomas Knieling: Eine spezialisiertere und praxisorientiertere Ausbildung, die schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse und flexible Personalplanung können das Berufsbild attraktiver machen. Einrichtungen sollten mehr Entscheidungsfreiheit bei der Personalplanung erhalten, um flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse reagieren zu können. Zudem muss die Integration internationaler Fachkräfte effizienter gestaltet werden, um den Arbeitsmarkt schnellstmöglich zu entlasten. Langfristig sind alle politischen Ebenen gefordert, realistische und flexible Lösungen zur Fachkräftesicherung zu entwicklen.
Der VDAB betont, dass praktisches Erfahrungswissen der Pflege von Beginn an in Reformprozesse einfließen sollte. Wo sehen Sie aktuell die größten Lücken zwischen Theorie, Gesetzgebung und Pflegepraxis?
Thomas Knieling: Die Lücken zwischen Gesetzen und den Anforderungen in der Praxis sind groß. Die Verfahren in Pflegesatzverhandlungen dauern immer noch zu lange und die Sozialämter zahlen nicht zeitnah die Hilfe zur Pflege aus. Das führt zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Einrichtungen. Die Prüfinstitutionen sind unzureichend miteinander abgestimmt und binden damit zu viele Ressourcen vor Ort. Schließlich können Unternehmen keine flexiblen und bedarfsgerechten Angebote machen, weil das Leistungsrecht dies nicht zulässt. Gleiches gilt für Personalmenge und -einsatz.
Viele Einrichtungen stehen durch steigende Personal- und Sachkosten unter Druck. Welche politischen und strukturellen Änderungen fordert der VDAB, um langfristig wirtschaftlich tragfähige Pflegeeinrichtungen zu sichern?
Thomas Knieling: Wir fordern einen klaren Plan zur Finanzierung der Pflege und Refinanzierung von Pflegeunternehmen. Die Finanzierung wird in Zukunft wohl nur durch eine Kombination dynamisierten Leistungsbeträgen über Steuerzuschüsse und höhere Eigenanteile ggf. abgefedert durch eine weitere kapitalgedeckte Säule der privaten Vorsorge sicherzustellen sein. Im Bereich der Refinanzierung fordern wir kurz- und langfristige Planbarkeit. Kurzfristig müssen allen Kosten inklusive Wagnis und Gewinn gesichert refinanziert werden. Langfristig muss sichergestellt sein, dass Kostensteigerungen nicht wirtschaftlich zu Lasten der Einrichtungen gehen, zumal sie systemisch zwingende Folgen der Tarifpflicht sind und nicht im Einflussbereich der Unternehmen liegen.
Wie unterstützt der VDAB seine Mitgliedseinrichtungen dabei, Qualität und Innovationskraft zu sichern – gerade angesichts steigender bürokratischer Anforderungen?
Thomas Knieling: Wir unterstützen unsere Mitgliedseinrichtungen beispielsweise in der individuellen pragmatischen Umsetzung des qualifikationsbezogenen Personaleinsatzes im Rahmen des neuen Personalbemessungsverfahrens. Darüber hinaus sind wir von Anfang an im Projekt der entbürokratisierten Pflegedokumentation engagiert und schulen über eigene Multiplikatoren das sog. Strukturmodell. Unsere Beratungsgesellschaft steht unseren Mitgliedern auch für die Implementierung und Auditierung ganzer Qualitätsmanagementsysteme zur Verfügung. Innovationen von Mitgliedern machen wir im Kollektiv verfügbar und unserer VDAB Mitglieder-Service KG hält ein breites Angebot innovativer Dienstleister und Hersteller zu Vorteilskonditionen für die Mitglieder bereit. In allen anderen Fragen des alltäglichen Bürokratiewahnsinns helfen die Landesgeschäftsstellen gerne weiter.
https://www.altenpflege-messe.de
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