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Hauswirtschaft soll dritte Säule der Pflegeversorgung werden

Der Deutsche Hauswirtschaftsrat fordert, hauswirtschaftliche Dienstleistungen als gleichwertige Säule neben Pflege und Betreuung im Versorgungssystem zu verankern. So könnten Pflegebedürftigkeit verzögert, Angehörige entlastet und die Pflegeversicherung finanziell stabilisiert werden.

Hauswirtschaftlicher Dienst
Durch den Ausbau hauswirtschaftlicher und ambulanter Dienste könnten Kommunen ihre Ausgaben um mittlere dreistellige Millionenbeträge jährlich senken, so eine Prognose der Bertelsmann Stiftung. Foto: Adobe Stock/juefraphoto

Bis Ende 2025 arbeitet das Bundesgesundheitsministerium gemeinsam mit den Ländern am „Zukunftspaket Pflege“. Es soll die Finanzierung sichern, die ambulante Versorgung stärken und Bürokratie abbauen. In diesem Zusammenhang schlägt der Deutsche Hauswirtschaftsrat vor, Hauswirtschaft als dritte Säule der pflegerischen Versorgung fest zu integrieren.

Laut seinem Positionspapier leben in Deutschland derzeit 5,7 Millionen Pflegebedürftige, bis 2035 werden es über 6 Millionen sein. Die Pflegeversicherung steht dadurch vor steigenden Kosten und Fachkräftemangel, während Angehörige bereits jetzt den Großteil der Betreuung übernehmen.

Hauswirtschaft als Prävention und Alltagsstütze

Unterstützungsbedarf im Haushalt sei oft die Vorstufe von Pflegebedürftigkeit: Wenn Mobilität und Kraft nachlassen, werden Einkäufe, Kochen oder Reinigung zur Herausforderung. Unzureichende Ernährung oder mangelnde Hygiene führten zu gesundheitlichen Risiken. Hauswirtschaftliche Dienste könnten dem entgegenwirken und die Selbstständigkeit im Alter sichern.

Professionelle Hauswirtschaft umfasst Reinigung, Kochen, Einkäufe, Wäschepflege sowie Ernährungsberatung und Bewegungsanreize. Auch soziale Aufgaben gehören dazu: Gespräche, Begleitung zu Arztterminen oder das Erkennen von Veränderungen im Gesundheitszustand. So entstehe ein Frühwarnsystem, das Pflegebedürftigkeit vorbeugt und Lebensqualität erhält.

Entlastung für pflegende Angehörige

Rund 70 Prozent der Pflege wird von Angehörigen geleistet – oft zusätzlich zum Beruf. Viele leiden unter psychischer und körperlicher Überforderung. Zwar gibt es gesetzliche Hilfen wie Pflegeunterstützungsgeld oder Pflegezeit, doch sind viele Regelungen zu kompliziert, und der Entlastungsbetrag von 131 Euro wird häufig nicht genutzt.

Hauswirtschaftliche Unterstützung übernimmt zeitintensive Alltagsaufgaben. Das schafft Freiräume für Zuwendung, Beruf oder Erholung. Laut dem Hauswirtschaftsrat gewinnen Angehörige bei zehn Stunden wöchentlicher Entlastung rund 40 Stunden im Monat – also eine vollständige Arbeitswoche. Eine AOK-Studie belegt zudem, dass gezielte Entlastung Krankheitsausfälle im Beruf um bis zu 20 Prozent senkt.

Wirtschaftliche Vorteile ambulanter Versorgung

Auch ökonomisch rechnet sich stärkere Hauswirtschaft. Bei Pflegegrad 3 liegen die monatlichen Kosten für Pflegesachleistungen bei rund 1.500 Euro, bei Pflegegeld bei etwa 600 Euro. Eine stationäre Versorgung kostet die Pflegekassen über 1.300 Euro, während Eigenanteile zwischen 2.700 und 3.800 Euro meist nicht allein finanziert werden können.

Viele Kommunen müssen daher Sozialhilfe zuschießen. Der Ausbau hauswirtschaftlicher und ambulanter Dienste könne ihre Ausgaben erheblich senken. Laut Bertelsmann Stiftung ließen sich so jährlich dreistellige Millionenbeträge einsparen.

Hauswirtschaft als eigenständige Profession

Der Deutsche Hauswirtschaftsrat fordert, Hauswirtschaft im Rahmen der Pflegereform als eigenständige Profession anzuerkennen und zu fördern. Sie dürfe nicht länger als Nebentätigkeit gelten, sondern müsse strukturell und finanziell sichtbar werden.

So könnten Pflegekräfte sich auf medizinische und pflegerische Aufgaben konzentrieren, während Hauswirtschaftskräfte die alltägliche Versorgung und Begleitung übernehmen. Dies erhöhe Qualität, entlaste Fachpersonal und stabilisiere die Pflegeversicherung langfristig. Am Ende stehe mehr Würde, Eigenständigkeit und Lebensqualität für pflegebedürftige Menschen.

Hier finden Sie das ausführliche Positionspapier.