Digitalisierung
Kaum eine Pflegeeinrichtung nutzt die elektronische Patientenakte
Seit dem bundesweiten Roll-out der elektronischen Patientenakte (ePA) am 1. Oktober 2025 nutzen bislang nur wenige Pflegeeinrichtungen die neue digitale Anwendung regelmäßig. „Die ePA wird seit dem bundesweiten Roll-out am 1. Oktober 2025 wöchentlich von durchschnittlich sieben Pflegeeinrichtungen genutzt“, sagt Thorsten Blocher, Business Development Manager CGM SOZIAL. Zum Vergleich: „Im gleichen Zeitraum nutzten über 55.000 Ärzte und 10.000 Apotheker die ePA.“ Der Unterschied zeigt, dass die Pflege noch Nachholbedarf beim Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) hat.
Die TI soll den sicheren digitalen Datenaustausch im Gesundheitswesen ermöglichen. Voraussetzung dafür ist die sogenannte Institutionskarte (SMC-B), der technische Schlüssel für den Zugang. „Mit 82,6 % der Pflegeheime mit beantragter Institutionskarte liegt Nordrhein-Westfalen bundesweit auf Platz 1; während Hessen mit 65,3 % das Schlusslicht bildet“, so Blocher.
Insgesamt erfüllen 23.762 von bundesweit 32.054 Einrichtungen die Voraussetzung, eine SMC-B zu beantragen. Doch nur 47 Prozent der Einrichtungen haben die Karte bereits freigeschaltet. „Allerdings haben nur 7.979 der 47 % berechtigten Einrichtungen einen TI-Anschluss, der zu 100 % der TI-Pauschale entspricht.“
Die Ursachen für die schleppende Entwicklung liegen im komplexen Antragsverfahren und der begrenzten Umsetzungskapazität vieler TI-Dienstleister. „Die geringe Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) in der Pflege ist primär darauf zurückzuführen, dass lediglich 25 % der Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind“, so Blocher. Ein weiteres Problem sei, dass „Pflegeeinrichtungen zuerst ihren Softwareanbieter kontaktieren, dessen TI-Kooperationspartner die Anbindung häufig nur schrittweise umgesetzt bekommt.“
Eine Umfrage der BAGFW aus dem Sommer 2025 bestätigt das Bild: 22 Prozent der Einrichtungen warten noch auf ihren TI-Anschluss. Blocher empfiehlt deshalb: „Hier ist Geduld oder der Wechsel auf einen unabhängigen TI-Partner mit höheren Umsetzungskapazitäten ratsam.“
Neue Handreichung zeigt den Weg zur dauerhaften ePA-Freigabe
Um die Anwendung der ePA in der Pflege zu erleichtern, hat die Diakonie Deutschland im November gemeinsam mit Partnern aus Pflege, Technik und Verbänden eine praxisnahe Broschüre veröffentlicht. „Die Handreichung mit dem Titel ‚Die ePA in der Pflege, Zugriff dauerhaft freigeben für Ihre rundum gute Versorgung‘ erklärt präzise und gut verständlich, wie die ePA funktioniert und warum die ePA-Freigabe für das Pflegeteam sinnvoll ist“, so Blocher.
Die Broschüre führt Schritt für Schritt durch den Anmeldeprozess der ePA-App, erläutert die Berechtigungserteilung für das Pflegeteam und gibt Hinweise zu Vertretungen und App-Anbietern. „Die neue Handreichung zur ePA-Freigabe kann ab sofort im Webshop der Diakonie Deutschland für eine kleine Schutzgebühr bestellt werden. Der kostenlose PDF-Download ist bei der Diakonie Deutschland und den beteiligten Kooperationspartnern abrufbar.“
Lesen Sie der Ausgabe 47 von care konkret, wie Ihr Pflegeteam die ePA bestmöglich nutzen kann.
Download und Bestellung der Handreichung
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