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Neuer KI-Agent lässt die Dokumentation für die Pflege mitarbeiten

Voize, Anbieter von Sprachdokumentation in der Pflege, erweitert seine Software um eine Funktion, die Pflegeberichte, SIS und Maßnahmenplanung automatisch abgleicht und Aktualisierungen vorschlägt. Entwickelt wurde sie gemeinsam mit der carpe diem Gruppe.

Voize formuliert als Grundsatz, dass KI Muster erkenne, Pflegefachkräfte aber Menschen verstünden – die Entscheidung liege bei den Pflegenden. Foto: voize-©-Kopf-Kragen-Fotografie

Das Unternehmen voize hat auf der Messe ALTENPFLEGE 2026 in Essen erstmals einen KI-Agenten präsentiert, der laut Pressemitteilung über die bisherige Sprachdokumentation hinausgeht. Während die App bislang das Einsprechen von Einträgen ermöglichte, soll der neue Agent die Pflegedokumentation aktiv auf Konsistenz prüfen und Vorschläge zur Aktualisierung der Pflegeplanung machen. Die Entscheidung über jede Änderung verbleibt nach Angaben des Unternehmens bei der Pflegefachkraft.

Ausgangslage: Lücken zwischen Bericht und Planung

voize beschreibt ein strukturelles Problem in der stationären Pflege: Pflegeberichte enthielten oft Hinweise auf neue Risiken oder veränderte Unterstützungsbedarfe, die nicht zeitnah in SIS, Maßnahmenplanung oder Evaluation übernommen würden. Daraus entstünden Maßnahmen, die nicht mehr zur aktuellen Situation passten, dokumentierte Beobachtungen ohne Folge in der Planung, eine uneinheitliche Abbildung des Pflegeprozesses sowie hoher manueller Aufwand bei der Vorbereitung auf externe Qualitätsprüfungen.

Nach Darstellung des Unternehmens handelt es sich nicht um ein Versagen der Teams, sondern um eine Folge fehlender Zeit, parallel zu pflegen, zu dokumentieren und die Planung aktuell zu halten. Eigenen Angaben zufolge sparen Pflegekräfte mit der bisherigen voize-App pro Schicht 27 Prozent ihrer Zeit bei der Dokumentation. Über 200 Millionen Einträge seien bislang eingesprochen worden, jede fünfte Pflegeeinrichtung nutze die Anwendung.

Funktionsweise des KI-Agenten

Der Agent arbeitet laut voize ausschließlich auf Basis der bereits in der Software dokumentierten Daten. Er erkenne formale Lücken in Pflegeberichten und schlage konkrete Aktualisierungen vor, etwa die Übernahme bestimmter Beobachtungen aus den Berichten in die SIS. Die Pflegefachkraft prüfe diese Vorschläge und könne sie annehmen, anpassen oder ablehnen. Ohne Freigabe ändere sich nichts.

Als Beispiel nennt das Unternehmen eine Bewohnerin, bei der sich in den Pflegeberichten über mehrere Schichten Hinweise auf einen unsicheren Gang in der Nacht häufen. In SIS und Maßnahmenplan sei dies bislang nicht abgebildet. Der Agent erkenne die Diskrepanz und schlage entsprechende Anpassungen vor. voize formuliert als Grundsatz, dass KI Muster erkenne, Pflegefachkräfte aber Menschen verstünden – die Entscheidung liege bei den Pflegenden.

Als Nutzen führt das Unternehmen drei Punkte an: eine aktuell gehaltene Planung auch für einspringende Kräfte, höhere Prüfsicherheit gegenüber dem MDK durch laufend gepflegte Pflegeplanung sowie freiwerdende fachliche Zeit, weil das Durchsuchen von Akten entfalle.

Co-Entwicklung mit carpe diem

Entwicklungspartner ist die carpe diem Gruppe, ein Pflegeträger mit über 35 Standorten, der die Sprachdokumentation von voize seit 2024 einsetzt. Marc Urban, Leiter IT und Prokurist beim Seniorenpark carpe diem, erklärt, KI ersetze keine Fachlichkeit, könne aber administrative Aufgaben automatisieren. Aus digitaler Dokumentation werde so ein „intelligenter Assistent, der wirklich entlastet“.

Pflegefachkraft Dominik Schütz vom selben Träger sagt, die Vorschläge zur Pflegeplanung seien aus seiner Sicht treffend. Er wisse zwar in der Regel selbst, was angepasst werden müsste, doch zwischen Pflege, Dokumentation und Stationsalltag bleibe dies häufig liegen und falle erst bei Qualitätsprüfungen auf.

voize-Gründer und CPO Marcel Schmidberger ordnet die Funktion als nächsten Schritt nach der Sprachdokumentation ein. Ziel sei von Beginn an gewesen, Pflegekräfte von administrativem Aufwand zu entlasten.