Ambulanter Pflegemarkt

Pflegedienst eröffnet Tagesförderstätte für neurologisch erkrankte Menschen

Die TIW Therapeutisch Intensives Wohnen GmbH hat nach eigenen Angaben als erste Pflegeeinrichtung in Deutschland eine Leistungs- und Vergütungsvereinbarung für eine Tagesförderstätte speziell für neurologisch erkrankte Menschen abgeschlossen. Nach 4,5 Jahren Planung öffnete die Einrichtung im Landkreis Teltow-Fläming zum 1. Juli 2026 ihre Türen für bis zu zwölf Tagesgäste.

Judith Daniel (l.) und Simone Gudlowski (Leiterin) vor der Tagesförderstätte für neurologisch Erkrankte Foto: privat

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hauskrankenpflege (B.A.H. e.V.), deren Mitglied die TIW GmbH ist, würdigt den Vertragsabschluss als einmaligen Erfolg. Geschäftsführerin Judith Daniel beschreibt das Ziel der Einrichtung: Erwachsene Menschen ab 18 Jahren mit neurologischen Erkrankungen, die nicht oder nicht mehr an Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben teilnehmen können, sollen eine sinnvolle Tagesstruktur erhalten. Nach Angaben des Verbands schließt das Angebot damit eine Versorgungslücke im Land Brandenburg. Die TIW GmbH selbst bezeichnet sich als ambulanten Pflegedienst, der sich auf die Versorgung von neurologisch schwerstkranken Menschen spezialisiert hat, und begleitet in Wohngruppen Intensivpatient:innen und neurologisch Erkrankte ab 18 Jahren am Standort Zossen.

Laut B.A.H. steigt die Zahl der Empfänger:innen von Eingliederungshilfeleistungen in Brandenburg seit Jahren spürbar an. Das neue Angebot soll deshalb auch Leistungsnehmer:innen aus den umliegenden Landkreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Oder-Spree, Märkisch-Oderland und Potsdam-Mittelmark erreichen. Angehörigen und Zugehörigen soll dabei Mitsprache bei der Gestaltung des Tagesablaufs zur Unterstützung der Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben eingeräumt werden.

Tagesförderstätten sind als Versorgungsform in Deutschland grundsätzlich nicht neu. Bundesweit werden rund 35.000 Leistungsberechtigte in Tagesförderstätten beschäftigt. Neurologische Erkrankungen zählen demnach bereits länger zum regulären Zielgruppenspektrum dieser Angebotsform.

Der B.A.H. bewertet den Vertragsabschluss dennoch als Signal für die gesamte Profession. Verbandsgeschäftsführer Frank Twardowsky sieht in dem Mitgliedsunternehmen eine Vorreiterrolle und verweist auf das Potenzial engagierter Träger und Fachkräfte für die Weiterentwicklung des Berufsbildes. Für Pflegeunternehmen dürfte vor allem die konkrete Vertragskonstruktion mit dem Brandenburger Sozialhilfeträger von Interesse sein – sie könnte als Orientierung für ähnliche Vorhaben in anderen Bundesländern dienen, auch wenn das Grundkonzept einer Tagesförderung für neurologisch beeinträchtigte Menschen an sich nicht neu ist. (ck)